Griechenland und die Tsipras-Regierung „Es wird jeden Tag schwieriger mit Varoufakis“

Der Eklat um eine anzügliche Geste des griechischen Finanzministers gegen Deutschland sorgt für Wirbel. In der Union wachsen die Zweifel, ob mit solchen Regierungsvertretern eine verlässliche Zusammenarbeit möglich ist.
Update: 16.03.2015 - 17:26 Uhr 26 Kommentare
Yanis Varoufakis: Lügen-Vorwurf bringt Griechenlands Finanzminister in die Kritik. Quelle: AFP
Yanis Varoufakis.

Yanis Varoufakis: Lügen-Vorwurf bringt Griechenlands Finanzminister in die Kritik.

(Foto: AFP)

BerlinDer Reform-Streit mit Griechenland nimmt an Schärfe zu. Für neuen Wirbel sorgt der Auftritt des griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis in der ARD-Talksendung „Günther Jauch“. Varoufakis nahm in der Sendung am Sonntagabend, zu der er live zugeschaltet war, nicht nur zur Finanzlage seines Landes Stellung – er sprach von einem „unbedeutenden Liquiditätsproblem“. Die Regierung tue alles, damit alle Gläubiger ihr Geld zurückbekommen. Für Aufsehen sorgte vor allem ein gezeigtes Video mit einer gegen Deutschland gerichteten „Stinkefinger“-Geste des Finanzministers.

In der Talkshow nannte Varoufakis die Szene mehrfach und nachdrücklich eine Fälschung. Jauchs Produktionsfirma I&U erklärte dagegen, es gebe bisher „keinerlei Anzeichen“ dafür, dass das gezeigte Video mit der obszönen Geste nicht echt sei.

Die Redaktion ließ die Aufnahme von verschiedenen Medienexperten und Netzforensikern prüfen - mit dem Ergebnis, dass der Videoausschnitt von einem Auftritt Varoufakis‘ beim Subversive Festival in Zagreb am 15. Mai 2013 keinerlei Hinweis auf eine Manipulation oder Fälschung enthalte und als authentisch eingestuft werden könne.

Demnach bestätigte Thomas Gloe, Geschäftsführer von „Dence, Fälschungserkennung bei digitalen Bildern, Videos und Audio“ nach einer ersten Sichtung des Materials, dass das Video „plausibel und authentisch“ aussehe. Diese Einschätzung teilen auch die Netzanalysten von „storyful“.  

Und auch der Video-Analyst „Conflict Reporter“ teilte mit, dass er das Material „zu 99,9 Prozent für authentisch“ halte. Für eine Fälschung gebe es keinerlei Indizien: „Kein neues Licht, keine veränderten Kamerawinkel, keine Schnitte – es gibt keinen Hinweis auf eine Manipulation.“ Zudem sei die gesamte Körperlichkeit von Varoufakis passend zur Geste.

Zudem bestätigte der Mitveranstalter des Festivals, Igor Stiks, gegenüber der Jauch-Redaktion  den Auftritt von Varoufakis bei der Veranstaltung und die Verwendung der Mittelfinger-Geste als Antwort auf eine Publikumsfrage, spricht sogar von einer zweiten Sequenz, in der Varoufakis den Mittelfinger zeige.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), der selbst Gast der Sendung war, bezichtigte Varoufakis der Lüge. „Ich vertraue der Recherche der Redaktion von Günther Jauch. Das würde bedeuten, dass Herr Varoufakis offensichtlich im deutschen Fernsehen die Unwahrheit gesagt hat“, sagte Söder dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Das wäre ein Problem der Glaubwürdigkeit für die gesamte griechische Regierung. „Es wird jeden Tag schwieriger, Herrn Varoufakis noch als seriösen Verhandlungspartner zu akzeptieren.“

Mit Varoufakis‘ Auftritt in der Jauch-Sendung sei dessen Glaubwürdigkeit „erneut erschüttert“ worden, sagte Söder weiter. „Der Minister hat den Ernst der Lage offensichtlich nicht erkannt. Das sieht man auch daran, dass er mit immer neuen Vorschlägen versucht, das Schuldenproblem seines Landes zu lösen, statt die vereinbarten Reformen endlich umzusetzen.“

Das Video stammt aus dem Jahr 2013. Es zeigt den damaligen Wirtschaftsprofessor Varoufakis bei einer Konferenz in Zagreb. Er spricht über die Euro-Krise und darüber, wie die griechische Regierung im Januar 2010 hätte handeln sollen. „Mein Vorschlag war, dass Griechenland sich einfach für insolvent erklären sollte, innerhalb der Euro-Zone, im Januar 2010“, sagt Varoufakis. „Und es sollte Deutschland den Finger zeigen und sagen: Ihr könnt das Problem jetzt alleine lösen.“ Bei diesen Worten ist der ausgestreckte Mittelfinger zu sehen.

Varoufakis unterstellt Jauch-Redaktion Absicht
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26 Kommentare zu "Griechenland und die Tsipras-Regierung: „Es wird jeden Tag schwieriger mit Varoufakis“"

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  • „Ein Zurück zum Sparprogramm wird es für Griechenland nicht geben…“, so Alexis Tsipras – richtig: Wohin soll sich Griechenland denn noch sparen, in der Austerität ist es doch schon – noch tiefer geht´s nimmer. Und dumme Sprüche wie „Wir sind – wieder Mal – auf einem guten Weg“ helfen hier schon längst nicht mehr. Die Massen hier im Lande wüten jetzt gegen die Griechen, gegen Draghi, Juncker & Co. In Wirklichkeit wüten sie gegen sich selbst, daß sie seit 1988 dem Deal von Kohl und Mitterrand um Währungsunion und deutsche Einheit hinterherlaufen und damit blind in jede Falle getapst sind, die man ihnen aufgestellt hat. Jetzt haben sie doch ihr Ziel erreicht – sie sind gerade klug genug, um genügend Steuern zu zahlen. Und „Schäuble melkt mit kalten Händen“ schreibt das Handelsblatt am 13. 03. 2015.

  • Das war doch nur eine griechische Sozialwohnung :-)

  • Einfach endgültig Schluss machen und gar nichts mehr zahlen und null Entgegenkommen! Es ist genug - mehr als genug.

  • Diese Herren Tsipras unf Varoufakis der radikalen Linken (bei radikalen Rechten wäre wahrscheinlich mehr Aufschrei) hätten schon von Anfang an mit Skepsis angesehen werden müssen. Insbesondere die nun präsentierte Gesinnung des Herren wie auch immer ernannten Professor Varoufakis müsste eigentlich ausreichen, um den Geldhahn schlichtweg zu zudrehen. Es gibt ja nur ein "leichtes Liquiditätsproblem", was ein souveräner Staat mit kompetenten Finanz- und Wirtschaftspolitikern doch problemslos selber meistern könnte. In unseren Breitengraden wird den Steuerzahlern die Abschaffung der kalten Progression und des Solis verweigert. Auf der anderen Seite fließen Milliarden in ein Fass ohne Boden. Das nennt man wohl verantwortliche Politik - schon klar.

  • Jeder regt sich über die Geste von Herrn Varoufakis auf. Viel mehr sollte der Sachverhalt der leichten Liquiditäsproblem beachtet werden. Mit solchen Sätzen fing vor fast 5 Jahren alles an. Da hieß es auch das Griechenland leichte Probleme hat mit seinen Finanzen und damit mit seiner Liquidität. Wohin das führte ist bereits bekannt. Es wäre schön wenn die europäischen Politiker endlich mal das aussprechen was das Volk schon lange weiß. Griechenland ist zahlungsunfähig egal wie viel Geld man nach Griechenland schickt es ändert sich nichts daran. Das was seit 5 Jahren gemacht wird ist ob es den Politikern passt oder nicht Insolvenzverschleppung. Jedem noch so kleinem Gewerbetreibenen hätte in Deutschland oder dem Rest Europas schon die volle Härte des Gesetzes getroffen bei auch nur annäherndem Verhalten.
    Ich sehe nicht das Problem des Herrn Varoufakis in der "Stinkefingergeste" sondern darin das er heute nicht dazu steht was er damals gesagt hat, das Griechenland zahlungsunfähig ist.

  • HaBl: ..."Das Video stammt aus dem Jahr 2013. Es zeigt den damaligen Wirtschaftsprofessor Varoufakis bei einer Konferenz in Zagreb. Er spricht über die Euro-Krise und darüber, wie die griechische Regierung im Januar 2010 hätte handeln sollen. „Mein Vorschlag war, dass Griechenland sich einfach für insolvent erklären sollte, innerhalb der Euro-Zone, im Januar 2010“, sagt Varoufakis. „Und es sollte Deutschland den Finger zeigen und sagen: Ihr könnt das Problem jetzt alleine lösen.“ Bei diesen Worten ist der ausgestreckte Mittelfinger zu sehen."
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    Es spricht viel für Varoufakis, dass er schon damals die Insolvenz Griechenlands feststellte, und somit sein Stinkefinger an die notorischen - möglicherweise auch schon verbrecherischen - EU-Ignoranten (besonders denen aus Deutschland), dieser Tatsache als eine unmissverständliche Klarformulierung angebracht war.
    Da nun die Pleite Griechenland bereits für Jedermann eine ausgemachte Sache ist, sollte Herr Varoufakis all den hartnäckigen Realitätsverdrehern in der EU-BRD seinen blanken Arsch zeigen, damit diese endlich begreifen wie es um Griechenlands Finanzen steht.

  • Was soll die Aufregung? Varoufakis is genauso glaubwürdig wie alle Vorgänger-Regierungen der Griechen - nämlich NULL. Auch Samaras und Venizelos haben in die TV-Kameras gesäuselt, dass der deutsche Steuerzahler natürlich jeden Cent der gewährten Kredite mit Zins und Zinseszins zurück bkeommen würde. Nur um wenige Monate später die Schuldenlast als "unmenschlich" zu titulieren und einen Schuldenschnitt zu fordern. Die griechischen Politiker versprechen eine Einhaltung von Vereinbarungen und Schulden-Rückzahlung doch exakt immer nur dann, wenn sie gerade frische Milliarden haben wollen. Dann "Reformen" und Kreditrückzahlung zu versprechen ist für einen griechischen Politiker wohl noch nicht mal eine "Lüge", sondern nur eine unter Druck und "Erpressung der Austeritäts-Länder" notwendige "Notlüge". Ansonsten lassen diese Leute doch keine Gelegenheit aus (gerade, wenn sie zu ihren eigenen Wählern sprechen) klarzustellen, dass sie nicht im geringsten daran denken, geschlossene Verträge einzuhalten. Jeder Bankangestellter, der unter diesen Umständen einem eh schon offen bankrotten Schuldner weiteren Kredit gewähren würde, würde sich wegen vorsätzlicher Untreue verantworten müssen. Nur unsere Politiker werfen schlechtem (verlorenem ) Geld immer neue Milliarden hinterher - wohl wissend, dass kein Euro davon jemals zurückgezahlt werden wird.

  • So langsam finde ich die Dreistigkeit der Griechischen Regierung schon Bewundernswert :-)

    höchstwahrscheinlich schaffen die es innerhalb von 3 Monten alle genug Geld zur Seite zu schaufeln um bis zu ihrem Ende fröhlich über den Dächern von Athen zu residieren :-)

    dann können sie in der Heimat nicht mehr liefern - lassen neu wählen und verschwinden politisch in dr Versenkung. Griechenland hat dann ein paar Millionen mehr Schulden, aber die EU wird sie bezahlen.

    echt geil! :-))

  • verantwortlich für die verschwendeten Steuermilliarden sind auch diejenigen, die Merkel und Schäuble (oder überhaupt die Blockparteien) gewählt haben.

  • "Daran sieht man, wie sehr die deutsche Politik von allen guten Geistern verlassen sein muss."

    Sie wären natürlich - wie Varoufakis - gleich mit der Tür ins Haus gefallen und hätten öffentlich erstmal randaliert, hätten den Griechen mal bescheid gestoßen und "Tacheles" geredet, oder?

    Genau das macht Varoufakis. Was dabei herauskommt, sehen Sie. Geschickt geht wie Schäuble - erst dann, wenn es sich gar nicht mehr verbergen lässt, seine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Nicht Varoufakis oder die AfD erst mal mit der Faust auf den Stammtisch prügeln;)

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