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Griechenland Athen kommt an hartem Schuldenschnitt nicht vorbei

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Untragbare Schuldenlast

Finanzminister Evangelos Venizelos verspricht zwar, dass Griechenland im kommenden Jahr erstmals einen Primärüberschuss im Haushalt ausweisen werde. Das wäre tatsächlich ein wichtiges Signal. Aber dass sich diese Erwartung erfüllt, ist angesichts der schwachen Konjunktur, die das Steueraufkommen drückt, keineswegs sicher. Und selbst wenn: Was nützt ein ausgeglichener Haushalt, wenn durch diese Rosskur die Realwirtschaft zusammenbricht und immer mehr Menschen ihre Arbeit verlieren?

Der Internationale Währungsfonds sagt in seinem Gutachten von dieser Woche Griechenland für 2012 einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 18,5 Prozent voraus. Noch alarmierender ist eine andere Zahl: Der griechische Schuldenberg wird demnach von heute 166 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2012 auf 189 Prozent anwachsen. Selbst bei getreuer Umsetzung der Sparauflagen wird die Staatsverschuldung im Jahr 2015 immer noch bei 165 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen.

Eine solche Schuldenlast ist nicht tragbar - schon gar nicht, wenn das Wachstum ausbleibt. Dass Griechenland jemals aus eigener Kraft seine Verschuldung auf die im Maastricht-Vertrag festgeschriebene Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts abbauen könnte, ist nicht erkennbar. Die unausweichliche Konsequenz: Griechenland braucht einen massiven Schuldenschnitt.

Noch will die Athener Regierung davon nichts wissen. Premier Papandreou und Finanzminister Venizelos weisen jeden Gedanken an eine Umschuldung zurück und klammern sich an die Illusion, ihr Land könne seine Kredite planmäßig bedienen. Die Finanzmärkte haben allerdings den unausweichlichen Zahlungsausfall in den Kursen der griechischen Staatsanleihen und den Kosten der Kreditausfallversicherungen bereits seit Monaten eingepreist.

Das Kreditereignis hat überdies bereits begonnen, nämlich mit dem jetzt laufenden Anleihentausch privater Gläubiger. Er ist nichts anderes als eine Umschuldung, allerdings eine viel zu zaghafte. Griechenland braucht einen Schuldenschnitt von mindestens 50, besser 60 Prozent. Einhergehen muss ein solcher Schnitt mit einer nachhaltigen Haushaltsdisziplin und wirtschaftlichen Strukturreformen. Sonst steht das Land binnen weniger Jahre erneut vor der Pleite.

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen. Quelle: Pablo Castagnola

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen.

(Foto: Pablo Castagnola)

Ein Schuldenschnitt wird zwar Milliarden für die Rettung des griechischen Bankensystems erfordern und auch zahlreiche europäische Kreditinstitute in Notlagen bringen, die nur mit Staatshilfen zu meistern sind. Aber diese Kosten sind vertretbar im Vergleich zu den kaum kalkulierbaren Risiken einer früher oder später drohenden unkontrollierten Staatspleite Griechenlands.

Gerd Höhler ist Korrespondent in Athen. Sie erreichen ihn unter: [email protected]

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8 Kommentare zu "Griechenland: Athen kommt an hartem Schuldenschnitt nicht vorbei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was geht uns das in DE an ?
    Der EUro ist tot.


  • "Ein Schuldenschnitt wird zwar Milliarden für die Rettung des griechischen Bankensystems erfordern ....... Aber diese Kosten sind vertretbar im Vergleich zu den kaum kalkulierbaren Risiken einer früher oder später drohenden unkontrollierten Staatspleite Griechenlands." (Zitat)


    Diese Logik hinkt - Mit einem Milliarden schweren , weiteren Rettungsrisiko kann keine
    bereits am Horizont sich abzeichnende Staatspleite gerettet werden.

    In einem Unternehmen wird möglichst vorher das "Management" ausgetauscht, um einer Insolvenz eventuell noch ausweichen zu können. Hier scheint es gerade umgekehrt zu laufen, wenn es heißt

    "Auch den meisten Politikern der sozialistischen Regierungspartei gehen Maßnahmen wie die beschlossenen Massenentlassungen im öffentlichen Dienst oder die Privatisierungen von Staatsbetrieben ideologisch gegen den Strich"

    Also muß man durch einen Insolvenz-Verwalter erst diese gegenwärtige Regierung "ersetzen" und nur der sollte entsprechende Maßnahmen ergreifen.

    Als erstes muß er- eine neue "Notwährung"- einführen- die eben nicht so freizügig wie ein Euro
    im europäischen Wirtschaftskreislauf eingesetzt werden kann. Griechenland ist dann also wie ein Unternehmen zu behandeln - nichts weiter. "Zoff" gibt es sicher am laufenden Band- aber da muß man durch - wohl oder übel.




  • .
    Hungern kann jeder,
    womit wollen die aber was verdienen ?
    .

  • Wem fällt es auch auf, dass das Handelsblatt hier seit über einem Jahr den Staatsbankrott prophezeit und immer falsch liegt? Inzwischen ist diese Berichterstattung schon mehr als peinlich - oder lässt gar den üblen Verdacht hochkochen, dass Handelsblatt-Journalisten in irgendeiner Form short in Griechenland investiert sind und bei einem ausbleibenden Bankrott viel Geld verlieren. Mich widert eine derart unsachliche und unseriöse Berichterstattung inzwischen ziemlich an.
    In Griechenland strengt man die Reduzierung der Staatsschuld über einen langen Zeitraum von 30 Jahren an und stellt sich jetzt so auf, dass ab 2012/2013 mit dem Schuldenabbau begonnen werden kann, wenn auch in kleinen Schritten. Dass dies geht, haben andere Staaten längst bewiesen, so bspw. die Ukraine ausgehend von der Krise 1999. Hauptproblem Griechenlands ist die uneffektive Steuerverwaltung. Besteuerungspotenzial ist durchaus vorhanden. Mit Unterstützung der EU macht man hier schon große Fortschritte.

  • Der Schuldenschnitt aud Austritt aus dem Euro kommt vermutich Mitte Oktober.

    Denn zuvor müssen noch die zugesagten 8 Milliarden kassiert werden.
    Die griechische Notenbank wird auch noch Euros für die griechischen Banken drucken bis die Notenpresse raucht.

    Danach werden sich die griechischen Politiker hinstellen und sagen: "Tut uns leid, die Massnahmen können nicht in der Bevölkerung durchgesetzt werden"

    Entsprechende Meldungen werden vorher durchsickern, damit jeder Grieche noch schnell seine Euros in Sicherheit bringen kann; die Superreichen haben ihr Vermögen schon längst ausser Landes gebracht.

    Rücktritt der Regierung, nach uns die Sintflut und ab auf die schöne Privatinsel in der Ägäis!

  • @ Philosoph,
    leider sehe ich da auch so.
    SO KANN ES NICHT FUNKTIONIEREN.
    Ein Ansatz, den BIP in G zu steigern, wäre nicht ein Transfer von Euro´s, sondern ein Transfer von Industriezweigen nach G.
    So eine Art Marshalplan.
    Meinethalben eine schlagkräftige Zubringerindustrie in G zu installieren.
    Könnte man nicht darüber einmal nachdenken ?.
    Gruß petr

  • Ich sehe es auch so. Man wird versuchen, die Griechen so lange über Wasser zu halten, wie es eben geht. Aber... ich denke, dass es nicht funktionieren wird! Auch weil in den "Geberstaaten" die Skepsis wächst. Die Griechen selbst sind natürlich nicht mit dem "Sparkurs" der Regierung einverstanden - wie denn auch! Man kann nicht innerhalb von 1 oder 2 Jahren glattbügeln, was der Staat seit 10 oder 20 Jahren "versaubeutelt" hat. Das wird niemals klappen. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere lieben "Südeuropäer" ziemlich gut im generalstreiken sind (eine herrliche Art der politischen Kultur, die leider in Deutschland seit den Montagsdemos von Leipzig nicht mehr gepflegt wurde...). Nach statistischen Berechnung hat bis dato jder Grieche bereits ein bis zwei Monatsgehälter an Einkommen verloren (statistisch und im Durchschnitt; manche haben ihren "ganzen" Job verloren...). ES WIRD NICHT FUNKTIONIEREN!!! Es wäre besser, man hätte bereits im Mai 2010 über eine "richtige" Lösung nachgedacht, statt erst mal einen "Rettungsschirm" aufzubauen, der ggf. die Lage noch verschlimmern wird. Warum?? Na, weil jetzt die Risiken z. B. bei der EZB liegen (also beim Steuerzahler), die massenhaft die Scheine gekauft hat. Hätte man sofort gesagt, Griechenland tritt aus dem Euro aus und Rettung "is nicht", wären die Kurse für Staatsanleihen gen 0% gerauscht. Dann hätte man über einen Schuldenschnitt verhandeln können und das Land wieder auf die Füsse gestellt (siehe Argentinien wo ca. 70% der Forderungen gestrichen wurden und es heute "blühende Landschaften" gibt (BIP +7% p.a.)). Nochmal: ES WIRD NICHT FUNKTIONIEREN!!!

  • Das Dilemma ist furchtbar.

    Denn egal wie man vorgeht, man muss Griechenland dazu bringen sich selbst zu reformieren, d.h. Staatsquote abbauen, Steuerhinterziehung und Korruption bekämpfen.

    Aber hierzu gibt es nur die Möglichkeit des Bankrotts und einer anschließenden Isolation (d.h. keine anschließenden Hilfskredite), sodass die Griechen gezwungen sind im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Lösungen zu finden.

    Oder aber eine ewig fortlaufende Subvention per Hilfskredit und Transferzahlung, die dann aber verbunden ist mit einem externen Reformzwang durch Brüssel.

    Der politische Weg ist daher klar. Man wird so lang wie möglich versuchen Griechenland mit Variante 2 zu wichtigen Reformen zu zwingen. Sobald das wichtigste umgesetzt wurde, wird man das Land in die Insolvenz schicken, dann aber nicht Variante 1 durchziehen, sondern das Land moderat subventionieren.

    Ich halte das zwar für einen ziemlich wackligen Weg, da man zunächst laufend die Bevölkerung belügen muss um die Angst vorm Bankrott aufrecht zu erhalten, aber die Politik ist gut hierin. Daher könnte es funktionieren.