Griechenland vor dem Referendum Propaganda-Schlacht um Athen

Tsipras‘ Anhänger und Euro-Gegner kleben eifrig Plakate und verteilen Flugblätter. Sie werben für ein „Nein“ beim Referendum. Wahlhilfe kommt sogar aus Venezuela. Aber auch die „Ja“-Kampagne hat prominente Unterstützer.
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Dieses Foto hat ARD/SWR-Hörfunk-Mann Michael Lehmann aus Athen getwittert. Gezeichnet ist das Plakat von „To Choni“ (Frei übersetzt: Die Flüstertüte), einer Syriza-nahe Sonntagszeitung.
Nein-Kampagne

Dieses Foto hat ARD/SWR-Hörfunk-Mann Michael Lehmann aus Athen getwittert. Gezeichnet ist das Plakat von „To Choni“ (Frei übersetzt: Die Flüstertüte), einer Syriza-nahe Sonntagszeitung.

AthenAuch der Lieblingsfeind darf nicht fehlen: Wolfgang Schäuble. Sein strenger Blick prangt auf einem der Plakate der „Nein“-Kampagne. Drei Tage vor dem Referendum hat in die Griechenland die Propaganda-Schlacht begonnen. Und die Aktivisten der Regierungspartei Syriza kleben besonders eifrig.

Im ganzen Land tauchen ihre Plakate auf. Sie verteilen Flugblätter. „OXI“ – „Nein“ – steht in Großbuchstaben auf ihren Zetteln. Sie wollen, dass die Mehrheit der Griechen bei der Volksabstimmung am Sonntag gegen die Angebote der Gläubiger von IWF, EZB und EU stimmt und den Kurs der Regierung von Premier Alexis Tsipras stützt.

Plakat der Anhänger von EPAM
Euro-Gegner

Plakat der Anhänger von EPAM

Diejenigen, die in der europäischen Gemeinschaftswährung den Hauptgrund für die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands sehen, sind besonders laut. Abends versammeln sich Euro-Gegner der Organisation „EPAM“ (Vereinte Volksfront) vor dem Parlamentsgebäude. Die betont patriotischen Anhänger der Bewegung wollen raus aus dem Euro und die Drachme wieder einführen. „Wir schenken euch eure Fahne und euren Euro“, steht auf einem ihrer Plakate.

Auch der Staatsapparat kommt nun auf Touren: Das Gesundheitsministerium habe per E-Mail die Direktoren der staatlichen Kliniken angewiesen, ihr Personal auf Nein-Linie zu bringen, berichten griechische Medien – Gesundheitsminister Panagiotis Kourouplis spricht von einer „Informationsmail“.

Botschaft am Finanzministerium. Quelle: dpa
Nein-Kampagne

Botschaft am Finanzministerium.

(Foto: dpa)

An der Fassade des griechischen Finanzministeriums am Athener Syntagmaplatz hing am Mittwoch ein riesiges Plakat: „Nein zu Erpressung und Austerität“ steht in Englisch und Griechisch darauf. Das Plakat ist wohl nicht zufällig vom 6. Stock aufgehängt worden – dort befindet sich das Büro von Finanzminister Yanis Varoufakis.

Der hat auch für seinen Blog noch einmal in die Tasten gegriffen und in sechs kurzen Punkten beschrieben, warum seine Regierung ein „Nein“ am Sonntag für richtig hält. Er schreibt beispielsweise, dass der IWF und viele Regierungen der Meinung sind, dass ein Schuldenschnitt nötig sei. Ein Punkt, der von den europäischen Gläubigern abgelehnt wird. Auch auf Twitter verbreiten Varoufakis und Tsipras ihre Botschaften mit Verve.

„Es wird schlimmer - egal was Tsipras tut“

„Es wird schlimmer - egal was Tsipras tut“

Griechenlands Premier führt die Nein-Kampagne an. Ein „Nein“ bei der Volksabstimmung werde seine Verhandlungsposition gegenüber den Geldgebern stärken, sagte der Premier noch einmal in seiner Fernsehansprache am Mittwoch. Die Befürworter eines „Ja“ widersprechen: Wenn die Griechen das Finanzierungsangebot und die Reformauflagen der Gläubiger ablehnten, sei das der Abschied vom Euro, warnen sie.

Die „Ja“-Kampagne hat viele Gesichter. Zu ihnen gehören der populäre parteilose Bürgermeister von Thessaloniki, Giannos Boutaris, der Athener Oberbürgermeister Giorgos Kaminis, der frühere Premier Kostas Simitis, der das Land Ende der 1990er-Jahre mit Reformen und einer Haushaltskonsolidierung in den Euro führte und der konservative Ex-Premier Konstantinos Mitsotakis. Trotz seiner 97 Jahre begab sich der griechische Polit-Methusalem diese Woche zur Kundgebung der „Ja“-Befürworter auf den Athener Syntagmaplatz.

Neuste Umfragen sagen ein spannendes Rennen voraus: 47,1 Prozent der Befragten würden demnach am 5. Juli für „Ja“ und damit für eine Zustimmung zu den unlängst von den internationalen Gläubigern des Landes vorgeschlagenen Reformmaßnahmen stimmen. 43,2 Prozent wären dagegen, ergab die aktuellste Befragung im Auftrag der konservativen Zeitung „Eleftheros Typos“.

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49 Kommentare zu "Griechenland vor dem Referendum: Propaganda-Schlacht um Athen"

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  • Hallo Herr Queri,
    mit dem 70% Nein-Tip sind Sie nahe an meinem Tip dran.
    Vor allem weil: zu was soll den "Ja" gesagt werden? Die Frist ist doch rum, da gibt es doch gar nix zum ja-sagen.
    Nein kann jeder Trotzkist noch sagen, dann kann er stolz erhobenen Hauptes von der Wahlurne schreiten.
    Eine dämlichere Fragestellung lässt sich wohl kaum finden. Und was man aus diesem "Ergebnis" zu schließen hätte: das wäre bestenfalls bei einem "Ja" problematisch, weil keiner wüsste zu was da ja gesagt wurde.

  • @ Max Mustermann
    << Verursacht wurde das ganze finanzielle Deasaster von Griechenland selber, in dem es über Jahre hinweg deutlich über seine finanzielle Verhältnisse lebte und sich das notwendige Kapital dafür lieh. Die Mitgliedschaft im EURO hat das natürlich erst ermöglicht, ändert aber nichts daran, wer Verursacher ist. >>

    So? Sie haben ja (im Gegensatz zu einigen anderen) schon mal richtig erkannt, dass ohne den extrem niedrigen Zinsen des Euro (de facto mit D als Bürgen) GR nicht in diese Verschuldungssituation gekommen wäre, die wir heute beklagen. Und was bedeutet das? Die damaligen Machthaber in GR (nicht Tsipras!) sind dem Euro-Raum beigetreten, um an das billige Geld zu kommen. Unsere "Experten", die wir überall zu sitzen haben, und die sich ständig ungefragt zu Wort melden, sollen das nicht erwartet haben?
    Man kann niemandem vorwerfen, Geschenke, die ihm angeboten werden, auch anzunehmen. Im Fall von GR haben sich diese Geschenke allerdings als giftig herausgestellt. Tsipras versucht jetzt das aufzuräumen, was die EU-Verbrecher (auch die aus GR selbst) diesem Land angetan haben.
    Dass die sog. "Troika" zudem GR auch noch teilweise deindustrialisiert hat und dem Land gewissermaßen "den Rest gegeben hat" (ähnlich der Treuhand in der ehem. DDR) sei diesmal nur am Rande erwähnt.
    Die EU-Bonzen haben GR damals in den Euro gelockt. Wobei ich mit Bonzen ausrücklich auch die aus GR meine. Und das ganze Land ist dadurch in Folge in die Armut gerutscht.

  • ich sehe das nicht als Drohung, sondern als Versprechen. Allerdings hoffe ich im Interesse der einfachen griechischen Bürger, das nicht Game over ist, sondern das Griechenland endlich mal Politiker bekommt/wählt (sie sind schon verhanden), die eine für die Bürger sinnvolle Politik betreiben. Das kann man auch durch die EU vernünftig fördern. Nicht durch sinnlose Projekte, bei denen gottweiswer verdient. Kredite darf es aber nicht mehr geben.

  • Die Basler Zeitung (Schweiz) schreibt:
    „Laut einer aktuellen Umfrage liegen die Nein-Sager mit 46 Prozent derzeit vor den Befürwortern des Gläubiger-Angebots mit 37 Prozent. Viele Griechen sind aber noch unentschlossen. Beobachter rechnen mit einem knappen Abstimmungsergebnis.“
    (http://bazonline.ch/ausland/europa/Wartet-Merkel-nur-auf-Tsipras--Scheitern/story/28984469)

    Die BILD-Zeitung schreibt: „Denn einer neuen Umfrage zufolge zeichnet sich in Griechenland ein knappes Rennen bei der Volksabstimmung am Sonntag ab. 47,1 Prozent der Befragten würden demnach am 5. Juli mit „Ja“ und damit für eine Zustimmung zu den unlängst von den internationalen Gläubigern des Landes vorgeschlagenen Reformmaßnahmen stimmen. 43,2 Prozent wären dagegen, ergab die Befragung im Auftrag der konservativen Zeitung „Eleftheros Typos”.“
    (http://www.bild.de/politik/ausland/grexit/finanzminister-droht-mit-ruecktritt-41608842.bild.html)

    Wer LÜGT?!

  • Na klar, dann kommt auch nicht auf wer die ganzen Kreditversicherungen (CDS) abgeschlossen hat. Ein neuer AIL Fall würde nämlich die USA nicht verkraften....

  • @ Herr Jürgen Jantschik

    >> Der Tenor von Herrn Kauder >>

    Dass man diese Nasen-Jongleur-Fratze dem Deutschen Bürger bei Talk-Shows zumutet ist eine Frechheit !

    Das ist ein H. Breschnew der CDU, Betonkopf, Demagoge, Arroganter Dilettant, ekelhafte Fratze ohne Manieren !

    Er und Schäuble verkörpern die DEKADENZ und STAGNATION dieser Partei, der die FDJ-Sekretärin noch den Todesstoß verpasst !

  • @ Herr Ben Zinka-Nister

    >> ich bitte euch, steht auch am Sonntag beim Referendum zu eurem Präsidenten und zu eurem Finanzminister. >>

    Die Griechen haben ja mit der Wahl ihrer Regierung im Januar den Aufstand geprobt, gegen die Kleptokraten anzugehen.

    Sie werden jetzt wohl kaum sich ins eigene Knie schiessen und Rentenabsenkungen, Wehrwertsteuererhöhungen, weitere Verschuldung, etc. mit einem "Ja" wählen....!

    So dumm sind die Griechen nicht....es wird ein mindestens 70 %-es "NEIN" geben !

    Es wird aber an der Sache nichts ändern....vom Joch der EU-Kleptokratie können sich die Griechen nur mit einem totalen GREXIT befreien. Und der bedeutet zwangsläufig eine Konkurserklärung Griechenlands mit totalem Schuldenschnitt.

  • Über solche Unterstützer können sich die Griechen wahrlich freuen - Tsipras, Maduro und die gesammelte deutsche Linke, letztere angeführt von dem "Ehepaar aus dem Saarland".
    Vorgehensweise und Argumentation der Vorgenannten und deren Follower sind dermaßen "schräg" das man nur hoffen, daß all diesen Akteuren am Sonntag die Förmchen weggenommen werden- und zwar, wohlverstanden, von der Mehrheit des griechischen Volkes.

  • Liebe griechische Normalbürger,
    ich bitte euch, steht auch am Sonntag beim Referendum zu eurem Präsidenten und zu eurem Finanzminister. Sie kämpfen für euch, um dem Spardiktat eine klare Absage zu erteilen.
    Es geht hier auch um die prinzipelle Frage, wie wir alle in Europa zukünftig zusammenleben wollen. Ob wir uns gegenseitig für Standortvorteile, bei Löhnen und Sozialleistungen in Grund und Boden konkurrieren, oder ob wir endlich solidarisch zusammenstehen und Europa zu einem lebenswerten Kontinent umgestalten, in dem alle Menschen friedlich zusammenleben und jeder seine individuellen Fähigkeiten einbringt, eigene Kultur und Lebensweise erhält. Wir hatten dies schonmal und es hat jahrzehntelang sehr gut und friedlich funktioniert. Also wer hat ein Interesse daran, alles zu zerstören? Ich als Deutscher bin nicht die Bundesregierung, die Exportindustrie oder die Großbank. Ich bin ein stinknormaler Bürger, dem es genau ergehen könnte wie euch Griechen. Auch in Deutschland wurde seit Jahren von unten nach oben umverteilt. Uns haben Sozialdemokraten verraten und verkauft, danach kam die schwarze Pest an Bord. Viele Deutsche sitzen mit euch, dem griechischen Volk im gleichen Boot. Leider schlafen viele meiner Landsleute immer noch, lassen sich von den Medien gelügen und aufhetzen. Liebe Griechen, wir werden euch trotzdem helfen, auch wenn ihr am Sonntag NEIN sagt zum EU-Diktatur der Finanz- und Großkonzernknechtschaft.

  • Ich glaube auch, dass die Situation in den anderen Krisen-Ländern schlechter ist, als es ein Herr Kauder in einer Talkshow darstellt. Letztlich ist das auch sein Job.

    Die Staatsverschuldung ist dafür allerdings kein besonders belastbares Argument. Da die Länder eine eigene Währung nicht abwerten können, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, war es ja Teil des Konzepts, ihnen mit Mitteln auszuhelfen, um einen Anpassungsprozess ertragbarer zu machen. Auch wenn ich diesem Konzept eher kritisch gegenüber stehe, kann ich die Tatsache, dass diese Schulden anschließend wie geplant vorhanden sein, nicht allein schon als Zeichen des Scheiterns werten.

    In den Ländern waren und sind tiefgreifende Veränderungen notwendig. Das führt zu erwartbar Arbeitslosigkeit. Wenn z. B. insbesondere Irland durchaus auf einem Weg der Besserung ist, heißt das nicht, dass künstlich- oder "blasen"-induzierte Höchststände am Vorabend der Krise unmittelbar wieder erreicht werden. Mit anderen Mitteln wäre es vielleich oder wohl auch wahrscheinlich schneller gegangen, aber komplett ohne solche Erscheinungen wäre es nie abgelaufen!

    Wichtig ist am Ende nicht so sehr der Schuldenstand, sondern vielmehr wie Wettbewerbsfähig der Volkswirtschaft. Und da gibt es definitiv noch große Probleme, nicht nur bei den "üblichen" Krisenländern sondern auch z. B. in Frankreich.

    Um so wichtiger ist es m. E. jetzt ein Zeichen dahingehend zu setzen, dass Reformbedarf angegangen werden muss und die Länder ihre Bürger nicht glauben lassen, dass das Geld schon von irgendwo her komme!

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