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Griechenland Vorzeitige Tilgung von IWF-Krediten leitet Schuldenwende in Athen ein

Der griechische Finanzminister hatte die vorzeitige Rückzahlung von IWF-Krediten beantragt. Die wurde nun vom Direktorium des ESM bewilligt.
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Der griechische Ministerpräsident hat noch einen langen Weg vor sich, um Griechenland aus dem Schuldensumpf zu führen. Quelle: AFP
Kyriakos Mitsotakis

Der griechische Ministerpräsident hat noch einen langen Weg vor sich, um Griechenland aus dem Schuldensumpf zu führen.

(Foto: AFP)

Athen Der griechische Nationalfeiertag am 28. Oktober erinnert daran, dass Athen an diesem Tag im Jahr 1940 ein Ultimatum des italienischen Faschisten Benito Mussolini zurückwies. „Ochi-Tag“ wird das Datum genannt, der „Tag des Nein“.

Diesmal warteten die Griechen am „Ochi-Tag“ auf ein Ja. Es kam am Montagmittag aus Brüssel. Das Direktorium des Euro-Stabilitätsfonds ESM gab grünes Licht für die vom Athener Finanzminister Christos Staikouras beantragte vorzeitige Rückzahlung von Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Es geht um Darlehensraten von 2,18 Milliarden Sonderziehungsrechten (2,7 Milliarden Euro), die planmäßig in den Jahren 2020 und 2021 zur Tilgung anstehen. Mit der vorzeitigen Rückzahlung kann das Land Zinskosten von rund 33 Millionen Euro einsparen. Wichtiger noch ist die Signalwirkung an die Finanzmärkte: Mit der Tilgung leitet Griechenland eine Schuldenwende ein. Erstmals seit Beginn der Krise soll die Staatsschuldenquote in diesem Jahr wieder organisch sinken.

Insgesamt überwies der IWF in den Krisenjahren 2010 bis 2014 Hilfskredite von knapp 32 Milliarden Euro nach Athen. Davon haben die Griechen den Großteil bereits zurückgezahlt. Aktuell schuldet das Land dem Währungsfonds noch rund 8,4 Milliarden Euro, die in mehreren Teilbeträgen bis 2024 fällig werden.

Die jetzt zur vorzeitigen Tilgung vorgesehenen Kredite sind besonders teuer, weil sich die Höhe der Zinsen an denen im Dollar-Raum orientiert. Der IWF berechnet für die Darlehen fast fünf Prozent. Am Kapitalmarkt kann sich Griechenland inzwischen viel günstiger refinanzieren. Anfang Oktober platzierte die staatliche Schuldenagentur PDMA eine zehnjährige Anleihe im Volumen von 1,5 Milliarden Euro am Markt. Die Ausgaberendite der fast vierfach überzeichneten Emission betrug 1,5 Prozent.

Die Rendite des zehnjährigen Bonds fiel zeitweilig unter die Marke von 1,2 Prozent. Das ist der niedrigste Stand überhaupt, seit Griechenland 2001 den Euro einführte.

Schuldentragfähigkeit von Griechenland wird verbessert

Der Stabilitätsfonds ESM und sein Vorgänger EFSF hätten als größte Gläubiger Griechenlands bei einer vorzeitigen Tilgung der IWF-Kredite eigentlich Anspruch darauf, dass Athen einen analogen Anteil seiner Schulden beim ESM und EFSF ebenfalls zurückzahlt. Das wären 52,2 Milliarden Euro. Mit dem am Montag vom Direktorium ausgesprochenen sogenannten „Waiver“ verzichtet der Stabilitätsfonds auf diese Zahlung. Auch der Bundestag musste der außerplanmäßigen Tilgung zustimmen, was er bereits am 7. Oktober getan hat.

Die vorzeitige Tilgung der IWF-Kredite sei „von Vorteil für Griechenland und den ESM“, erklärte ESM-Chef Klaus Regling. Damit erziele Griechenland Einsparungen beim Schuldendienst. Das verbessere die Schuldentragfähigkeit des Landes und sollte „an den Finanzmärkten positiv aufgenommen werden“, meint der ESM-Chef. Nach Berechnungen des ESM sinkt Griechenlands Staatsschuldenquote dadurch langfristig um drei Prozentpunkte.

Während der Finanzkrise ist Griechenlands Schuldenberg stetig gewachsen, von 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2008 auf 190 Prozent 2018. In den Krisenjahren ging die Quote nur zwei Mal zurück, was aber Einmaleffekten geschuldet war: 2012 fiel die Quote infolge des Schuldenschnitts, bei dem die privaten Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten mussten, von 170 auf 160 Prozent.

Der Effekt war aber bereits 2014 wieder verpufft. 2015 verzeichnete die Quote infolge der Erstattung von Kursgewinnen der Europäischen Zentralbank mit griechischen Staatsanleihen erneut einen leichten Rückgang.
Jetzt will Griechenland die Schuldenwende einleiten.

Weg aus dem Schuldensumpf ist noch lang

In diesem Jahr hat Athen 7,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufgenommen, wird aber bis Jahresende Schulden in Höhe von 13,9 Milliarden Euro getilgt haben, einschließlich der vorzeitig zurückgezahlten IWF-Kredite. Unter dem Strich wird sich die Schuldenlast von 358 Milliarden Euro Ende 2018 auf rund 352 Milliarden verringern.

Griechenlands Weg aus dem Schuldensumpf ist aber noch lang und beschwerlich. Nach Berechnungen der EU-Kommission wird die Schuldenquote erst 2050 unter die 100-Prozent-Schwelle fallen. An der Tilgung der Hilfskredite von insgesamt 289 Milliarden Euro, die zwischen 2010 und 2018 nach Athen flossen, werden die Griechen noch lange zu tragen haben. Die Rückzahlung erstreckt sich über ein halbes Jahrhundert. Die letzten Raten sollen 2070 getilgt werden.

Mehr: Die Ratingagentur S&P stuft das Rating für Griechenland hoch. Die Staatsanleihen werden damit allerdings weiterhin als spekulative Anlage betrachtet.

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