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Griechische Anleihen Abschreibungen waren zu niedrig

Die EU-Marktaufsicht kritisiert europäische Banken: Einige von ihnen haben offenbar zu wenig die griechischen Staatsanleihen abgeschrieben. Vor allem eine französische Bank steht im Fokus.
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Handelsraum der BNP Paribas: Kritik an Abschreibungen. Quelle: Reuters

Handelsraum der BNP Paribas: Kritik an Abschreibungen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEinige europäische Banken und Versicherer haben offenbar zu wenig auf die griechischen Staatsanleihen in ihren Büchern abgeschrieben. Das für Europa zuständige Bilanzierungs-Gremium IASB kritisierte in einem Brief an die EU-Marktaufsicht ESMA die uneinheitliche Praxis bei den Abschreibungen, die von 21 bis zu 50 Prozent reichten. Im Mittelpunkt der Kritik stehen französische Banken wie BNP Paribas. Deutsche Institute sind nach Ansicht ihrer Bilanzprüfer nicht betroffen.

Wer die Papiere auf den - drastisch gesunkenen - Marktwert wertberichtigt habe, könne womöglich schon im laufenden dritten Quartal wieder Zuschreibungen und damit Extra-Gewinne verbuchen, sagte Klaus-Peter Feld vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW). Das International Accounting Standards Board (IASB) rangelt derzeit mit seinem US-Pendant FASB um einen weltweiten Standard und kann daher keine Unstimmigkeiten im eigenen Zuständigkeitsbereich dulden.

Der eigentlich vertrauliche Brief an die ESMA wurde im Internet-Auftritt des IASB dokumentiert. Die größten europäischen Banken haben mehr als drei Milliarden Euro auf ihre griechischen Staatsanleihen abgeschrieben, dabei aber sehr unterschiedliche Ansätze gewählt.

Die Wertkorrekturen orientieren sich an dem Verlust, den die Institute bei der Umschuldung Griechenlands einkalkulieren müssen - sind aber unabhängig davon, ob sich eine Bank daran selbst beteiligt. Frankreich war nach den Worten Felds aber in einem Punkt ausgeschert. Die Praxis dort habe den internationalen Regeln (IAS 39) widersprochen, auch wenn sie wirtschaftlich durchaus vernünftig sei.

IASB-Chairman Hans Hoogervorst kritisierte in dem Brief - ohne ein Land oder eine bestimmte Bank zu nennen - den französischen Ansatz, bestimmte Papiere nicht auf den Marktwert, sondern pauschal um die mindestens geforderten 21 Prozent abzuschreiben, weil es dafür Ende Juni keinen Markt gegeben habe.

„Auch wenn das Handelsvolumen mit griechischen Staatsanleihen zurückgegangen ist, gibt es immer noch Transaktionen“, heißt es in dem Brief. BNP Paribas und der in einem Bericht der „Financial Times“ ebenfalls genannte französische Versicherer CNP Assurances wiesen die Vorwürfe zurück. Die Abschreibungen seien in Abstimmung mit den Wirtschaftsprüfern und den Aufsehern vorgenommen worden. BNP Paribas hatte nur 21 Prozent auf die Papiere abgeschrieben, und zwar nur auf solche, deren Laufzeit nicht über 2020 hinausgeht. Insgesamt waren das rund 500 Millionen Euro.

Deutsche Wirtschaftsprüfer "sehr entspannt"

Nach einer Studie der Citigroup-Analysten hätten die 19 am stärksten betroffenen Banken zusammen weitere 6,6 Milliarden Euro abschreiben müssen, wenn sie sich für die Marktwerte entschieden hätten - allein auf BNP wären 2,1 Milliarden Euro zugekommen, auf die Commerzbank 959 Millionen.

Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde hatte bereits am Wochenende Alarm geschlagen, dass Europas Banken zu wenig Kapital haben könnten, um mit den neuen Marktverwerfungen fertigzuwerden.

In Deutschland hatte das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) eine Abschreibung von mindestens 21 Prozent verlangt, den Instituten aber die Wahl gelassen, die Staatsanleihen auch auf den - niedrigeren - Marktwert abzuschreiben. „Aus deutscher Sicht sehe ich die Äußerungen von Hoogervorst sehr entspannt“, sagte Feld.

Die Deutsche Bank, die das Griechenland-Rettungsspaket federführend mit ausgehandelt hatte, entschied sich für die 21 Prozent, auf die die Banken nach dem Plan verzichten. Die Commerzbank nahm höhere Wertkorrekturen vor und schrieb gut 700 Millionen Euro ab. Die Allianz und Münchener Rück schrieben bis zu 50 Prozent ab. Die Versicherer können die Belastungen zum Teil auf ihre Kunden abwälzen.

Brexit 2019
  • rtr
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