Griechische Hängepartie Zweites Hilfspaket wird wahrscheinlicher

Athen darf auf neue Hilfsgelder hoffen. Die Bedingungen der Euro-Gläubiger kann die Papademos-Regierung laut Medienberichten wahrscheinlich erfüllen. Auch das umstrittene Sperrkonto hat das Kabinett offenbar geschluckt.
Update: 18.02.2012 - 16:55 Uhr 60 Kommentare
Schwierige Verhandlungen in Griechenland: Ministerpräsident Lukas Papademos muss bald liefern. Quelle: AFP

Schwierige Verhandlungen in Griechenland: Ministerpräsident Lukas Papademos muss bald liefern.

(Foto: AFP)

Berlin/AthenGriechenland ist in den Verhandlungen über ein zweites Rettungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) trotz teils scharfer Rhetorik offenbar zu weitgehenden Zugeständnissen bereit. Athen akzeptiere ein Sperrkonto, auf das Zins und Tilgung für die neuen Kredite fließen sollen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat trotzdem keine Hoffnung auf eine Erholung der griechischen Wirtschaft, solange das Land im Euro verbleibt.

Der zur Bewilligung weiterer Hilfen notwendige Prüfbericht der Troika-Beobachtermission aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) solle zwar erst nächste Woche vorgelegt werden, hieß es in der „Welt“. Bis dahin werde Athen aber die meisten Bedingungen erfüllt haben. „Der Schuldenstand wird mit den neuen Maßnahmen und nach dem Schuldenschnitt bei den privaten Gläubigern Athens unter 125 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 liegen“, zitierte das Blatt einen Gewährsmann. Die Schuldenquote liege damit nahe an den 120 Prozent, die die Troika als Maßstab für die Schuldentragfähigkeit des Landes gewählt hat.

Mit dem Sperrkonto würde Athen einen Teil seiner Haushaltssouveränität abgeben. Dies hatte Griechenland zuletzt zu vermeiden versucht und sich mit zunehmender Schärfe gegen Einmischungen der europäischen Partner gewehrt. Zielscheibe waren dabei vor allem die Bundesrepublik und deutsche Politiker.

Vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung der Euro-Finanzminister am Montag arbeitet Athen derweil weiter an der verlangten Umsetzung der Sparbeschlüsse. Ministerpräsident Lucas Papademos berief sein Kabinett am Samstag zu einer Sondersitzung ein, auf der ein Anwendungsgesetz für die jüngsten Sparvorhaben verabschiedet werden sollte.

Athen will die Partner in der Eurozone auf diese Weise von seinem Sparwillen überzeugen und erreichen, dass die Minister am Montag den Weg zu weiteren Milliarden-Hilfen für Griechenland freimachen. Die griechische Regierung wollte auf ihrer Kabinettssitzung laut Medienberichten darüber entscheiden, auf welche Weise das Sparpaket in die Tat umgesetzt werden soll, das im Parlament vor knapp einer Woche gebilligt worden war. Es sieht Einsparungen von über drei Milliarden Euro für dieses Jahr vor.

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60 Kommentare zu "Griechische Hängepartie: Zweites Hilfspaket wird wahrscheinlicher"

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  • Sie müssen nur zuhören, was die Kanzlerin sagt: der Euro ist alternativlos, Griechenland muss im Euro bleiben. Dann wissen Sie auch wies weitergeht.

  • das war zu erwarten. Die Kanzlerin und ihr Finanzminister werden trotz der katastrophalen Meldungen aus Athen nicht zögern, die neuen Milliarden nach Griechenland zu pumpen. Nach uns die Sintflut.

  • @ Karstenwanger
    Recht haben Sie, aber es bringt wenig, sich nur in Kommentarfunktionen zu echauffieren. Man sollte sich der Aktion BÜNDNIS BÜRGERWILLE anschließen, um diesem unseligen Treiben unserer Politiker endlich ein Ende zu bereiten. Googeln !

  • Es ist leider so - wir haben seit Jahrzehnten ein Politikversagen - in der Hinsicht, dass immer weiter Schulden angehäuft werden und die EU zu schnell erweitert wurden. Ohne die dementsprechenden Supranationalen Organe/Rechte geschaffen zu haben.
    Um mir meine Rente für später zu sichern hab ich den Schritt in die Schweiz gemacht....wobei die wirkliche Bombe sitzt in den USA. Staatsverschuldung bei über 15Billionen!! Tendenz steigend....diese werden ohne Rücksicht auf Verluste ihre Schulden weginflationieren (müssen)....es ist bei logischem Sachverstand nicht mehr die Frage ob, sondern nur wann.

  • Die beste Lösung ist und bleibt für GR; raus aus EU und Euroraum, abwerten der Drachme.
    Wenn man sich anschaut, daß jetzt 130 Mill. dort hingepumpt werden, und nach der Wahl dort wahrscheinlich noch aufgesattelt wird, muß man entgegen stellen, daß man mit nach heutigem Wert etwa 71 Mill. Euro nach dem 2. WK halb Europa wieder aufgebaut hat. Mir fehlen da die Verhältnisse. Laßt den Laden endlich pleite gehen!

  • Dumm, dümmer, am dümmsten.
    Aber was will man von Computer-Nerds erwarten, die mitten in der Nacht Stuss schreiben.....

  • Na ja, der ganze Apparatschik incl. Presse-Overload (und die Öffentlich Rechtlichen Zwangsgebühreneintreiber) will ja gefüttert und gepampert werden - also versuchen diese natürlich alle zusammen (!), die kranke Mühle so lange wie möglich am Laufen zu halten! Eigentlich gehören die alle auf Grönländisches Schmelzwasser getackert!

  • Bitte noch mehr nachdenken. Die Rezession in Griechenland ist zwingend notwendig und auch erfreulich. Es wäre wünschenswert wenn die Rezession noch um einiges tiefgreifender wäre. Das ist ein gutes Zeichen. Ich weiß das hört sich komisch an aber das ist so. Ein nicht unerheblicher Teil der griechischen Volkswirtschaft beruht darauf importierte Güter im Inland unters Volk zu bringen. Griechenland importiert ca 3 bis 4 mal soviel wie es exportiert. Der Importüberschuss macht ca 10% bis 15% des griechischen BIP aus. Vermutlich ist das ungefähr soviel wie der gesamte Produktionswert der griechischen Industrie. Nahezu alles was in Griechenland an Industriegütern verkauft wird ist importiert und das auf Pump. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Jeder musste wissen, dass man auf Dauer eine ausgeglichene Leistungsbilanz braucht. Griechenland lebt seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse. Der innergriechische Handel mit den importierten Gütern trug zum griechischen BIP bei. So hat der griechische Autoverkäufer im BMW Autohaus zwar gearbeitet und auch eine entsprechende Leistung erbracht aber er hat sein Geld damit verdient ein auf Pump importiertes Auto zu verkaufen. Dieser Teil des griechischen BIPs muss zwingend wegfallen. Das ist eine gute Entwicklung weil es einfach nicht gerecht ist wenn Deutschland Griechenland mit Gütern versorgt, Griechenland dafür aber nicht bezahlt. Damit muss endlich schluss sein. Das ProKopfBIP in Griechenland sollte zumindest auf das Niveau von Polen sinken, besser noch darunter. Dafür werden noch einige Jahre Rezession nötig sein. Man kann nur hoffen, dass die Löhne schnell genug gesenkt werden, damit in Griechenland eine wettbewerbsfähige Industrie entstehen kann. Damit Griechenland in Zukunft Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaften kann, dann bekämen Länder wie Deutschland auch endlich mal ihr Geld zurück.

  • "ihn" abladen natürlich .....

  • Unsinn! Nicht Griechenland wurde ausgesaugt sondern die Länder die ständig mehr Waren nach Griechenland exportiert haben als von dort bekommen haben. Deutschland ist wie der Otto Versand und Griechenland ist wie ein Versandhauskunde. Der Kunde hätte gerne ein Auto, das bestellt es bei Otto. Der Kunde kann es aber nicht bezahlen. Otto räumt dem Kunden einen Kredit ein und mit dem Geld bezahlt dann der Kunde das Auto. So geht das über Jahrzehnte. Der Kunde konsumiert und Otto liefert. Der Kunde verschuldet sich immer stärker. Irgendwann kann bzw. will der Kunde nicht mehr zahlen, er hat Otto über seine finanzielle Lage auch jahrelang belogen. Die Ware hat der Kunde längst erhalten und auch schon verbraucht. Nur bezahlt worden ist die Ware nie. Otto bleibt auf den Forderungen gegenüber dem Kunden sitzen. Der Kunde hat in Saus und Braus gelebt ohne dafür bezahlt zu haben. Ausgesaugt wurde Deutschland und nicht Griechenland. Auch jetzt liefern wir immer noch mehr Produkte nach Griechenland als wir von dort beziehen.

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