Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Griechischer Austritt Was deutsche Unternehmen zu befürchten haben

Deutsche Reiseanbieter befürchten Stornierungen und teure Umbuchungen. Als Exportmarkt spielt Griechenland allerdings keine große Rolle. Viele Unternehmer haben dennoch längst schon die Geduld verloren.
Kommentieren
Touristen in Athen. Quelle: Reuters

Touristen in Athen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt/Düsseldorf/BerlinStreiks auf den Flughäfen, Chaos an den Fähranlegern, gestrandete Urlauber - dieses Horrorszenario fürchtet die Tourismusbranche für den Fall, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt und bis zu einer Währungsumstellung keine Löhne und Gehälter mehr ausgezahlt werden. Unter den deutschen Unternehmen dürften die Reiseveranstalter deshalb wohl am stärksten leiden, falls das Ägäisland aus dem gemeinsamen Währungsraum ausschert.

Mit 2,6 Prozent Marktanteil an allen Urlaubsreisen stand Griechenland 2011 auf Platz sieben der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. "Doch derzeit liegen die Buchungen für griechische Reiseziele unter den Vergleichszahlen des Vorjahres", als sie um zehn Prozent nach oben schossen, sagt Hans-Gustav Koch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes. Die Urlauber meiden das Chaos.

Während die Reiseanbieter Stornierungen oder Kosten für teure Umbuchungen fürchten, sieht Tui eine Umstellung auf die Drachme gelassen. Der Marktführer hat in den Verträgen mit griechischen Hoteliers schon vorgesorgt und darf im Fall der Fälle die Hotelrechnungen in der neuen Währung begleichen. Bei Verfolger Rewe-Touristik (ITS, Meyer's, Dertour) und bei Alltours laufen die Verträge für die Sommersaison bis Oktober dagegen noch auf Euro. "Kehrt die Drachme im September zurück", sagt ein Alltours-Sprecher, "hätten wir für einen Monat ein Wechselkursrisiko."

Mit diesem Problem hätten andere deutsche Unternehmen wohl länger zu tun. Beispiel Deutsche Telekom: Deren griechische Tochter OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Dennoch ist die Telekom optimistisch, weil OTE vor allem mit dem Mobilfunk gutes Geld verdient. Die operative Rendite (Ebitda) liegt mit knapp 38 Prozent deutlich über der des Gesamtkonzerns. Damit, so die Hoffnungen der Telekom, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen.

Unternehmen haben mit Athen die Geduld verloren

Rund 4,2 Milliarden Euro hat der Bonner Konzern seit 2008 für seinen Anteil von heute 40 Prozent am größten griechischen Telekomanbieter auf den Tisch gelegt. Der Großteil davon ist inzwischen abgeschrieben, rund eine Milliarde Euro allein 2011. Derzeit stehen noch rund 700 Millionen Euro in den Büchern. Die meisten Risiken hat die Telekom also verbucht und ist sicher, auch den Rest wegstecken zu können. Man habe alle Krisenszenarien durchgespielt und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass OTE nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei.

Für Hochtief kommt die Griechen-Krise dagegen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn der Baukonzern will sich von seinen Minderheitsbeteiligungen an Flughäfen trennen. Teil des Pakets ist der Airport Athen, an dem das Essener Unternehmen rund 40 Prozent hält.

Rechtzeitig verabschiedet hat sich Thyssen-Krupp. Bis 2011 waren die an Griechenland gelieferten U-Boote noch nicht bezahlt, zudem hielt der Ruhrkonzern eine Beteiligung an der Werft Hellenic Shipyards (HSY). Die offenen Rechnungen sind inzwischen - auch dank Vermittlung durch die Bundesregierung - beglichen, HSY ist an die arabische Werften-Gruppe Abu Dhabi Mar verkauft.

Insgesamt dürften sich die Folgen für die deutsche Wirtschaft in Grenzen halten, falls Griechenland die Euro-Zone verlässt. So lieferten hiesige Exporteure 2011 nur Waren für 5,1 Milliarden Euro auf den Peloponnes - 0,5 Prozent der Gesamtausfuhren. Trotzdem haben viele Unternehmer längst die Geduld mit Athen verloren: "Griechenland rast sehenden Auges auf den Staatsbankrott zu und ist derzeit nicht regierungsfähig", schreibt der Präsident des Verbandes "Die Familienunternehmer", Lutz Goebel, in einem Brief an alle Abgeordneten des Bundestages, der dem Handelsblatt vorliegt. "Damit ist die Geschäftsgrundlage jeder weiteren Stützungsmaßnahme entfallen."

Brexit 2019
Startseite

0 Kommentare zu "Griechischer Austritt: Was deutsche Unternehmen zu befürchten haben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote