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Tourismus in Griechenland

Die Akropolis wurde wegen der Hitze vor wenigen Tagen kurzzeitig geschlossen. Vor allem deutsche Urlauber steigern die Einnahmen der Tourismusindustrie.

(Foto: dpa)

Griechischer Tourismus Deutsche Urlauber bescheren Griechenland einen neuen Reise-Rekord

Der Tourismus zieht Griechenland immer mehr aus der Krise. Aber die schwache Währung des Konkurrenten Türkei macht den Hoteliers zu schaffen.
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Athen Warteschlangen vor der Akropolis, Andrang an den Stränden, ausgebuchte Hotels: Der Tourismus in Griechenland boomt – bereits im sechsten Jahr in Folge. „Wir sind jetzt schon bis weit in den Oktober belegt“, sagt Charalambos Stefanidis, der auf der Kykladeninsel Paros eine Familienpension betreibt. „Vergangenes Jahr lief schon sensationell, aber 2018 wird es noch mal besser“, freut sich der Hotelier.

Auch die Brände in der Umgebung der griechischen Hauptstadt, bei denen im Athener Vorort Mati Anfang der Woche mindestens 88 Menschen starben, beeinträchtigen den Tourismus bisher nicht. Es gebe wegen der Brandkatastrophe keine Stornierungen, heißt es bei Reiseveranstaltern.

In den ersten sechs Monaten 2018 stieg die Zahl der ankommenden Passagiere auf den griechischen Flughäfen um 10,5 Prozent. Davon profitiert auch der Flughafenbetreiber Fraport, der im Frühjahr 2017 das Management auf 14 griechischen Regionalflughäfen übernommen hat.

Nachdem im vergangenen Jahr 27,2 Millionen ausländische Urlauber in Griechenland gezählt wurden, dürfte in diesem Jahr erstmals die 30-Millionen-Marke überschritten werden. Rechnet man die an Land gehenden Kreuzfahrttouristen hinzu, die sich 2017 auf 4,6 Millionen beliefen, könnte sogar die Zahl von 35 Millionen Besuchern erreicht werden.

Noch stärker als die Gästezahlen steigen die Einnahmen aus dem Tourismus. Nach Angaben der Bank von Griechenland brachten die ausländischen Urlauber im Mai fast 1,5 Milliarden Euro ins Land, ein Anstieg von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Geldstrom ließ die traditionell defizitäre griechische Zahlungsbilanz mit einem Überschuss von 192 Millionen Euro ins Plus drehen. Für die ersten fünf Monate ergibt sich nach den Zahlen der Zentralbank bei den Tourismuseinnahmen ein Anstieg von 22 Prozent.

Dieser Anstieg geht vor allem auf das Konto der deutschen Besucher, die 65 Prozent mehr Geld ins Land brachten. Nachdem Griechenland schon 2017 auf dem deutschen Markt das Trendziel Nummer eins war, melden Reiseveranstalter Tui, Thomas Cook und Neckermann jetzt einen nochmaligen Zuwachs gegenüber dem bereits sehr starken Vorjahr. Auch DER Touristik erwartet für Griechenland ein weiteres Rekordjahr.

Bestseller sind die großen Inseln Kreta, Rhodos und Kos.

Der Tourismus wird immer mehr zur Lokomotive, die Griechenlands Wirtschaft aus der achtjährigen Rezession zieht. Steuerte der Fremdenverkehr zu Beginn der Krise 2010 noch 15,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, waren es nach einer Berechnung der griechischen Alpha Bank 2017 bereits 19,6 Prozent.

Nach einer Prognose des World Travel & Tourism Council (WTTC) wird der Anteil des Tourismus am BIP in diesem Jahr auf 20,7 Prozent steigen. Bis 2027 setzt der WTTC für den Griechenland-Tourismus durchschnittliche Wachstumsraten von 4,6 Prozent an, mehr als das Doppelte des EU-Durchschnitts. Nach dieser Prognose würde der Beitrag des Tourismus zur Jahreswirtschaftsleistung in zehn Jahren fast 55 Milliarden Euro erreichen, was knapp 24 Prozent des BIP entspräche.

In den vergangenen zwei Jahren profitierte die griechische Reisebranche von der Tourismuskrise in der benachbarten Türkei. Die Angst vor Terroranschlägen, der Putschversuch und die Massenverhaftungen vertrieben viele Urlauber aus Istanbul und von den türkischen Stränden.

Hinzu kamen die Spannungen mit Russland. Nach dem Abschuss eines russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe über Syrien verhängte Kremlchef Wladimir Putin im November 2015 Sanktionen gegen Ankara. Dazu gehörte auch ein Reiseboykott. Hunderttausende russische Mittelmeer-Urlauber wichen nach Griechenland und Zypern aus.

Billige Türkeireisen

Jetzt kehren sie ebenso massenhaft in die Türkei zurück. Das Land lockt mit günstigeren Preisen denn je. Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn gegenüber Euro und Dollar mehr als ein Fünftel ihres Werts verloren, im Vergleich zum Sommer 2017 sogar rund ein Drittel. Die Abwertung ermöglicht es den Veranstaltern, Türkeireisen billiger anzubieten. Auch der Besuch im Restaurant und der Kauf von Andenken sind günstiger geworden.

Das spüren vor allem viele Hoteliers in Nordgriechenland, wo die Russen in den vergangenen Jahren vielerorts die größte Besuchergruppe stellten. „Mit dem gleichen Geld, das ausländische Urlauber bei uns für eine Vier-Sterne-Hotel ausgeben, können sie in der Türkei in einem Fünf-Sterne-Haus wohnen“, sagte der Präsident der Hotelierskammer auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki, Grigoris Tasios, dem Webportal voria.gr.

Manche griechische Hoteliers nehmen ihre Preise, die sie wegen des Andrangs der vergangenen Jahre erhöht hatten, bereits wieder etwas zurück.

Und sie suchen neue Gäste. Zu einem vielversprechenden Markt für die griechische Fremdenverkehrswirtschaft entwickelt sich China. Griechenland spielt für Chinas Seidenstraßen-Projekt „One Belt, One Road“ eine besondere Bedeutung: Der Hafen von Piräus, an dessen Betreibergesellschaft der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco seit 2014 zwei Drittel der Anteile hält, ist eine wichtige Drehscheibe für den Warenverkehr zwischen Ostasien und Europa.

Damit ist Griechenland für viele Chinesen auch als Reiseziel und als Tor nach Europa interessanter geworden. Zu den Projekten, die Cosco in Piräus plant, gehört auch ein neues Kreuzfahrtterminal. Überdies richtete die Fluggesellschaft Air China eine direkte Flugverbindung zwischen Peking und Athen ein. In Griechenland sind die chinesischen Gäste gern gesehen, denn sie geben deutlich mehr Geld aus als jede andere Nation.

Weil die chinesischen Urlauber weniger an Strand- und Badeurlaub interessiert sind, könnten sie auch helfen, die griechischen Hotels im Winter besser auszulasten. Die Ausdehnung der bisher auf die Sommermonate konzentrierten Reisesaison ist ein strategisches Ziel der griechischen Tourismus-Politik.

500.000 chinesische Gäste bis 2020

Nachdem die Zahl der Urlauber aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr um 35 Prozent stieg, erwartet Tourismus-Ministerin Elena Kountoura für 2018 einen Zuwachs um 50 Prozent. Im Oktober soll sich ein Kongress im nordgriechischen Thessaloniki mit den touristischen Perspektiven des Seidenstraßen-Projekts beschäftigen, kündigt Kountoura an.

Noch sind die absoluten Zahlen relativ klein: Von den 27 Millionen Griechenland-Besuchern kamen gerade mal 120.000 aus China. 2020 erwartet man aber bereits 500.000 Gäste aus China. Und das soll erst der Anfang sein: „Das Potenzial ist riesig“, sagt die Tourismus-Ministerin.

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