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Grigori Surkis Über diesen Oligarchen stürzte DFB-Präsident Reinhard Grindel

Die Luxus-Uhr, wegen der der DFB-Boss zurückgetreten ist, kam von einem ukrainischen Geschäftsmann. Seine Spur führt in Kreise der Mafia und des Kremls.
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Der umstrittene Geschäftsmann brachte den DFB-Präsidenten Grindel zu Fall. Quelle: IMAGO
Grigori Surkis

Der umstrittene Geschäftsmann brachte den DFB-Präsidenten Grindel zu Fall.

(Foto: IMAGO)

BerlinGrigori Surkis heißt der Mann, der DFB-Präsident Reinhard Grindel mit dem Geschenk einer teuren Uhr zu Fall brachte. Am Dienstag bestätigte Grindel seinen Rücktritt in einer persönlichen Erklärung, nachdem er durch Medienberichte über umstrittene Nebeneinkünfte unter Druck geraten war.

Der DFB-Präsident soll 2017 unter anderem die Luxus-Uhr eines ukrainischen Oligarchen angenommen haben. Dessen Identität steht nun fest. Surkis gilt als ein umstrittener Unternehmer. Zwischen 1998 und 2006 war er Parlamentsabgeordneter in der Ukraine. Bis Februar 2019 war er Vizepräsident des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Sein Bruder Ihor (60) ist Präsident von Dynamo Kiew, des nach Schachtar Donezk zweitwichtigsten ukrainische Profifußballklubs. Ihor Surkis steht bei der Uefa auf der schwarzen Liste, weil ein Schiedsrichter nach dem Spiel von Dynamo Kiew gegen Panathinaikos Athen 1995 zugegeben hatte, mit zwei Nerzmänteln und 30.000 Dollar bestochen worden zu sein.

Mit Blaulicht durch Kiew

Das Vermögen der beiden Surkis-Brüder war zuletzt stark gefallen. Mitte der 2000er-Jahre wurden sie zusammen auf fast eine Milliarde Dollar taxiert. Allerdings sollen die beiden allein durch die Verstaatlichung der „Bank Privat“, des größten Geldhauses des Landes, rund 300 Millionen Dollar verloren haben.

Der 69-jährige Surkis nimmt sich selbst so wichtig, dass er sich mit einer Eskorte aus mehreren schwarzen Limousinen und Geländewagen durch Kiew kutschieren lässt – mit Blaulicht. Die Polizei stoppte ihn wegen illegalen Einsatzes des Blaulichte schon einmal.

Mit seiner 1993 gegründeten Finanzgruppe „Slawutitsch“ wurde der zu Sowjetzeiten zum Lebensmittelingenieur ausgebildete Surkis, der immer mehr ins staatliche Baugewerbe drang, reich. Parallel wurde er Präsident von Dynamo. In ukrainischen Medien wird er als „krimineller Geschäftsmann“ bezeichnet, der Gelder für zwei Gruppen der organisierten Kriminalität gewaschen haben soll.

Das auf Reichen-Rankings spezialisierte Magazin „Forbes“ schätzt Surkis’ Vermögen auf 76 Millionen Dollar – dank seiner A-Bank, dem Energieerzeuger Ukrenergoconsulting, einem Spezialstahlhersteller und eben Dynamo Kiew. An fast allen diesen Firmen sind die Gebrüder Surkis beteiligt.

Der „Slawutitsch“-Konzern soll laut ukrainischen Medien mit Geldern von Anlegern, die über ein Schneeballsystem um ihre Einlagen gebracht worden sein sollen, an sein Kapital gekommen sein.

Verbindungen zum Kreml

Politisch dabei immer eng an der Seite der Gebrüder Surkis: Wiktor Medwetschuk, der „graue Kardinal“ und Administrationschef des langjährigen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma. Zusammen sollen sie mit vier anderen gleich nach dem Zerfall der Sowjetunion eine „Die Große Sieben“ genannte Bande aufgebaut haben, die im Umfeld Kutschmas und seines Vorgängers Leonid Krawtschuk Milliardenwerte verschoben hat.

Grigori Surkis war auch für Medwetschuks Partei Abgeordneter in der Werchowna Rada, dem Parlament der Ukraine. Medwetschuk verfügt bis heute über die besten Drähte aller ukrainischen Politiker zum Kremlchef Wladimir Putin, der sogar Pate einer Medwetschuk-Tochter ist – wie auch die Frau des russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew.

Medwetschuk hat die Umwandlung des Fußballklubs Dynamo Kiew in eine Aktiengesellschaft betrieben und war „Slawutitsch“-Gründer. Immer dabei: Surkis, der nun als der Gönner Grindels bekannt wurde.

Surkis war auch Trauzeuge Medwetschuks, gehörte zum inneren Zirkel der Macht in Kiew. Bis heute hält dieser Clan engste Kontakte zu Kremlchef Putin und dessen Ministerpräsident Medwedjew – obwohl Russland die ukrainische Halbinsel Krim okkupiert hat.

War der Fußball am Anfang noch Teil seines Geschäfts, hat sich Surkis vom Vereinspräsidenten über den Posten als Chef des ukrainischen Fußballverbands hochgedient bis in Führungspositionen der Uefa und der Fifa.

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