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Boris Johnson

Der britische Premier will mit der Trasse den Norden Englands wirtschaftlich stärken.

(Foto: AFP/Getty Images)

Großbritannien Boris, der Baumeister: Briten beschließen Europas größtes Infrastrukturprojekt

Die britische Regierung investiert Milliarden in eine Hochgeschwindigkeitstrasse. Der Nutzen des Projekts ist umstritten – die Symbolkraft nicht.
11.02.2020 - 17:30 Uhr Kommentieren

London Wenn es um große Ankündigungen geht, ist Boris Johnson in seinem Element. Großbritannien werde künftig ein Land sein, „in dem Hochgeschwindigkeitszüge zwischen unseren Städten gleiten, autonome Autos auf unseren Straßen fahren und Pendler glücklich auf Radwegen zur Arbeit strampeln“, sagte der britische Premierminister am Dienstag im Unterhaus.

Zentrales Element seiner Zukunftsvision ist die Hochgeschwindigkeitstrasse HS2, für die das britische Kabinett am Dienstag grünes Licht gab. Damit können die Bauarbeiten an Europas größtem Infrastrukturprojekt im Frühling beginnen. „Wir werden eine Verkehrsrevolution starten“, sagte Johnson. London sei die produktivste Region Europas, weil es ein fantastisches Verkehrsnetz habe. Dieses Instrument werde man nun auch im Rest des Königreichs anwenden, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Abkürzung HS2 steht für High Speed Rail 2. HS1 war der Eurostar, der die Londoner in zwei Stunden nach Paris und Brüssel bringt. HS2 soll nun die Anbindung Londons an die Midlands und den Norden Englands verbessern. Die Fahrzeit nach Manchester soll auf gut eine Stunde halbiert werden, die nach Birmingham auf 45 Minuten sinken. Man sei künftig schneller vom Flughafen Birmingham in der Londoner Innenstadt als mit der U-Bahn aus Heathrow, witzelte Johnson.

Kritiker bemängeln, dass eine halbe Stunde Zeitersparnis nach Birmingham die Milliardeninvestitionen nicht wert sei. Die Regierung solle besser das bestehende Bahnnetz modernisieren und ausbauen, meint etwa Verkehrsexperte Richard Wellings vom Londoner Thinktank „Institute of Economic Affairs“ (IEA). Es sei unwahrscheinlich, dass der Hochgeschwindigkeitszug den Norden so grundlegend verwandele wie versprochen.

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    Doch HS2 ist ein Projekt voller politischer Symbolik. Nicht nur will Johnson zum Kontinent aufschließen, wo ICE und TGV längst Standard sind. Der Superzug soll neue wirtschaftliche Dynamik in die abgehängten Industrieregionen zwischen Liverpool und Leeds bringen. Johnson steht unter Druck, weil er im Wahlkampf versprochen hat, die regionale Ungleichheit im Königreich zu reduzieren.

    Der Premierminister geht mit der Entscheidung ein politisches Risiko ein. Nicht nur sind die Abgeordneten der 70 Wahlkreise, die an der Strecke liegen, in Aufruhr. Das Projekt sei zu teuer, schlecht für die Natur und sinnlos, schimpft etwa der konservative Abgeordnete Michael Fabricant. Auch in der Downing Street gibt es die Sorge, dass das Projekt zum Milliardengrab werden könnte. Johnsons engster Berater Dominic Cummings hat von der Entscheidung abgeraten.

    Johnsons Projekte nicht immer erfolgreich

    Tatsächlich ist HS2 planungstechnisch das Pendant zum Berliner Großflughafen BER – weit über Budget und hinter Zeitplan. Auf den Weg gebracht hatte das Projekt bereits eine Labour-Regierung im Jahr 2009. Der erste Teilabschnitt nach Birmingham hätte schon dieses Jahr fertig sein sollen. Doch die Planungen zogen sich hin, und die Kostenschätzungen stiegen immer weiter – von ursprünglich 32,7 Milliarden Pfund auf zuletzt 106 Milliarden Pfund. Nun soll die Strecke nach Birmingham zwischen 2028 und 2031 eröffnet werden, die Verlängerung nach Manchester zwischen 2035 und 2040. Der britische Rechnungshof hält selbst diesen Zeitplan für zu optimistisch.

    Doch gibt es gute Argumente für die Hochgeschwindigkeitstrasse. Die Zahl der Bahnfahrten hat sich in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt, während das Schienennetz geschrumpft ist. Die Folge: Güter- und Personenverkehr, schnelle und langsame Züge fahren auf denselben Gleisen. Die Auslastung des Netzes liegt 60 Prozent über dem EU-Durchschnitt – ein Grund für die zahlreichen Verspätungen. Mit HS2 würde nun erhebliche neue Kapazität entstehen.

    Das Bauprojekt soll Tausende Arbeitsplätze schaffe, gilt bei der Planung aber als britischer BER. Quelle: AFP
    Baustelle in London-Euston

    Das Bauprojekt soll Tausende Arbeitsplätze schaffe, gilt bei der Planung aber als britischer BER.

    (Foto: AFP)

    Johnson sieht zunächst ganz praktisch den Vorteil, dass er sich bald beim ersten Spatenstich ablichten lassen kann. Auch wird die Großbaustelle Tausende Stellen schaffen. Um den Prozess zu beschleunigen, will der Premier einen Vollzeit-Staatssekretär für das Projekt abstellen. Zudem kündigte Johnson als Teil seines „Infrastrukturplans“ auch fünf Milliarden Pfund an Investitionen in Busse und Radwege in den kommenden fünf Jahren an.

    Für Großprojekte hatte er bereits als Londoner Bürgermeister ein Faible, jedoch nicht den besten Ruf. Etliche Vorhaben versandeten, bei anderen verschwendete er Millionen. Sein Vorschlag im Jahr 2012, statt einer weiteren Landebahn in Heathrow doch lieber einen neuen Flughafen auf einer „Boris-Insel“ in der Themse-Mündung zu bauen, wurde als zu teuer verworfen.

    Auch seine „Gartenbrücke“ über die Themse wurde nie gebaut, am Ende blieb die Stadt auf Planungskosten von 50 Millionen Pfund sitzen. Aktuell lässt Johnson die Idee prüfen, eine Brücke zwischen Schottland und Nordirland zu bauen, um die Einheit des Königreichs zu festigen. Auch dieser Plan gilt als Hirngespinst – nicht zuletzt, weil Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Seeboden nicht ausgelöste Munition versenkt hatte.

    Mehr: Boris Johnson auf Kamikaze-Kurs – der Brexit könnte richtig hart werden.

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