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Großbritannien Briten feiern ihre Rückkehr ins Pub

Britische Pubs durften am Samstag erstmals seit dem Corona-Lockdown wieder öffnen. Viele fürchteten einen Exzess – doch der blieb am Ende aus. Und das aus gutem Grund.
05.07.2020 - 11:09 Uhr Kommentieren
Menschen trinken vor einem Pub am Borough Market. Nach mehr als drei Monaten Schließung wegen der Corona-Pandemie haben die Pubs in England wieder geöffnet. Quelle: dpa
Plastik-Pints und gute Laune

Menschen trinken vor einem Pub am Borough Market. Nach mehr als drei Monaten Schließung wegen der Corona-Pandemie haben die Pubs in England wieder geöffnet.

(Foto: dpa)

London Am Samstag ist Großbritannien zu Stufe 3 des britischen Corona-Bekämpfungsplans übergangen: Pubs, Restaurants, Friseure und Kinos durften in England nach 104 Tagen Zwangspause wieder öffnen.

Viele Briten hatten dem „Super-Samstag“ entgegengefiebert – so sehr, dass sich die Polizei schon Sorgen machte. In den vergangenen Wochen war es im Vereinigten Königreich immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, als die Polizei versucht hatte, Versammlungen in Parks oder Straßen aufzulösen. Besonders die Tatsache, dass die Pubs am Wochenende wieder öffnen durften, hatte Kritik hervorgerufen.

Doch der befürchtete Exzess bliebt aus – nicht zuletzt, weil viele Briten doch zu Hause und viele Pubs freiwillig geschlossen blieben. Auch das Wetter war nicht eben einladend: Der Himmel war grau, und es wechselten sich Nieselregen und heftige Windschauer ab.

Vor dem „Millers“ in der Nähe der Bahnstation Kings Cross in London, einem früher vor allem samstags gut besuchten Pub, montieren ein paar Männer die Holzplanken ab, die seit Monaten die Fenster der geschlossenen Gaststätte geschützt hatten. „Wir machen erst Dienstag auf“, sagt einer. „Den Stress heute tun wir uns nicht an.“ Seit sechs Uhr morgens hätten sie ausschenken dürfen – die Regierung hatte damit versucht, denjenigen Barbetreibern einen Strich durch die Rechnung zu machen, die bereits um eine Minute nach Mitternacht öffnen wollten.

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    „Meine Freunde wollten nicht mitkommen“

    Der „Star of Kings“ im Norden Londons hat den Lockdown um 12 Uhr mittags beendet. „Wir freuen uns, endlich wieder zurück zu sein“, sagt Pub-Manager James Chitty, während er ein Pint Cider zapft. „Wir haben viele Änderungen vorgenommen, damit sich unsere Gäste sicher fühlen.“ So kleben überall Sticker mit der Aufforderung, Abstand zu halten, und die Gäste werden mit Pfeilen auf dem Boden durch die Gaststätte zu ihren Tischen gelotst, auf denen keine Ketchup-, Essig- oder Senfflaschen stehen – dafür aber Pappschildchen mit den Namen der Gäste, die diesen Platz reserviert haben.

    „Es haben mehr Leute reserviert als erwartet“, nickt Chitty. „Aber ich habe auch von vielen Pubs gehört, die noch nicht geöffnet haben.“ Der „Star of Kings“ dürfte bis ein Uhr nachts ausschenken, an diesem Samstag geht aber bereits um 23 Uhr das Licht aus.

    An einem Tisch draußen sitzt ein glatzköpfiger Mann im dunkelblauen Jogginganzug allein vor einem Pint Guinness. „Meine Freunde wollten nicht mitkommen“, erzählt der 39-jährige Rob. „Auch meine Freundin ist lieber zu Hause geblieben.“ Aber er wollte endlich wieder ein frisch gezapftes Bier trinken, „aus der Dose schmeckt es einfach nicht so gut“. Er arbeite am Bau, erzählt er, und sei in Kurzarbeit geschickt worden. „Ich bin auch gar nicht so scharf drauf, schnell wieder zurückzukehren. Ich kann mir gut vorstellen, dass es zu einer zweiten Welle kommt.“

    Corona-Chaos an Englands Stränden

    Laut Statista geht jeder Brite alle 14 Tage mindestens einmal in eines der rund 48.000 Pubs im Land, rund zwölf Prozent der Briten sogar mehr als einmal die Woche. Fast eine Million Arbeitsplätze schafft die Branche und generiert nach Angaben der Branchenvereinigung „British Beer and Pub Association“ einen Umsatz von 22,4 Milliarden Pfund (24,9 Milliarden Euro).

    Aber wie eine Umfrage von Opinium zeigte, sind 52 Prozent der befragten Briten der Meinung, dass Pubs und Restaurants nun zu früh wieder aufmachen. 73 Prozent erwarten einen zweiten Ausbruch. Eine andere Umfrage von Redfield & Wilton Strategies ergab, dass rund die Hälfe der Briten bis zum Herbst belebte Orte vermeiden will.

    Massenarbeitslosigkeit befürchtet

    Genau diese Zurückhaltung bereitet Wirtschaftsexperten Sorgen. Denn die wirtschaftlichen Folgen der wochenlangen Zwangspause werden immer deutlicher sichtbar. Wie in der abgelaufenen Woche vermeldet wurde, fiel die Wirtschaftsleistung Großbritanniens in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,2 Prozent – das größte Minus seit mehr als 40 Jahren. Im März fiel das Bruttoinlandsprodukt um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Zudem wird befürchtet, dass nach Auslaufen des Kurzarbeitsprogramms der britischen Regierung Tausende Briten arbeitslos werden. Allein in den vergangenen Tagen hatte eine Reihe Unternehmen – Einzelhandelsunternehmen wie das Nobel-Kaufhaus Harrods, aber auch Firmen aus anderen Wirtschaftszweigen wie Accenture, Easyjet und Airbus – Entlassungen angekündigt.

    Bislang zahlt die Regierung mehr als neun Millionen Briten im Zuge ihres Kurzarbeitsprogramms 80 Prozent ihres Gehalts. Diese Unterstützung soll aber schrittweise reduziert und im Oktober vollständig beendet werden. Nachdem aktuell die Arbeitslosenquote bei rund vier Prozent lag, könnte sie bis über zehn Prozent steigen, befürchten Experten.

    Im Stadtteil Soho sind viele Menschen zur Wiedereröffnung gekommen. Quelle: dpa
    Trinken mit Distanz

    Im Stadtteil Soho sind viele Menschen zur Wiedereröffnung gekommen.

    (Foto: dpa)

    Sogar die Regierung versuchte deswegen, die Briten für ein Pint Bier zu begeistern. Premierminister Boris Johnson appellierte aber, verantwortungsvoll zu sein. Man müsse sich dessen bewusst sein, „dass immer ein Risiko besteht“, sagte er am Freitag in einem Radiointerview mit dem Sender LBC. „Lasst es uns jetzt nicht vermasseln, Leute, lasst uns den Sommer verantwortungsbewusst genießen.“

    Corona hat Großbritannien sehr viel härter getroffen als die meisten anderen europäischen Länder. Aktuellen Zahlen zufolge geht man von mehr als 55.000 Todesfällen im Zuge der Pandemie aus. Zwar sinkt die Zahl der Todesfälle stetig, aber erst vor einer Woche wurde ein lokaler Infektionsausbruch in Leicester publik. Für die 300.000-Einwohner-Stadt wurden deswegen wieder striktere Maßnahmen eingeführt. Mediziner warnen, dass es noch zu früh sei, landesweit die Einschränkungen aufzuheben. Und je später es wurde am Samstag, desto weniger achteten viele Pub-Gäste auf den noch immer geltenden Mindestabstand.

    Die Aufhebung der meisten Lockdown-Einschränkungen gilt vorerst nur in England, in Schottland und Wales müssen die Menschen noch etwas länger warten, bevor sie wieder in das Pub gehen können. In Großbritannien entscheidet jede Regionalregierung selbst über ihre Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie.

    Mehr: Ende des „nationalen Winterschlafs“: Johnson lockert englische Corona-Regeln

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