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Großbritannien Diese zehn Kandidaten schicken die Tories für den Parteivorsitz ins Rennen

Die Suche nach einem Nachfolger für die britische Premierministerin Theresa May hat begonnen. Diese Kandidaten sind nun offiziell nominiert.
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Der 54-Jährige setzt sich für einen kompromisslosen Brexit ein. Quelle: Reuters
Boris Johnson

Der 54-Jährige setzt sich für einen kompromisslosen Brexit ein.

(Foto: Reuters)

London In Großbritannien hat die Suche nach dem nächsten Premierminister offiziell begonnen. Am Abend veröffentlichte eine Untergruppe der konservativen Partei die Liste mit den Namen all derjenigen, die bis zum Ende der Meldefrist ihre Kandidatur angemeldet haben. Im Anschluss ein Überblick über die Briten, die sich Hoffnung auf das Amt des britischen Regierungschefs machen.

Der Favorit: Boris Johnson

Der 54-jährige Ex-Außenminister hatte bereits vor dem EU-Referendum 2016 für den Brexit geworben und ist seitdem einer derjenigen, die sich am lautesten für einen kompromisslosen Abschied aus der EU einsetzen. Im In- und Ausland hat sich Johnson wegen seiner häufig undiplomatischen und beleidigenden Äußerungen einen Ruf als „Enfant terrible“ erarbeitet.

Im Moment hält er sich aber zurück: Offenbar wurde ihm für seine Kandidatur zum Premierminister nicht nur von seinen Beratern eine Diät und eine neue Frisur verpasst, sondern auch Zurückhaltung gegenüber den Medien auferlegt.

Der mit dem Drogenskandal: Michael Gove

Er ist einer der Köpfe der Brexit-Bewegung. Quelle: dpa
Michael Gove

Er ist einer der Köpfe der Brexit-Bewegung.

(Foto: dpa)

Der 51-Jährige war vor dem EU-Referendum zusammen mit Boris Johnson einer der Köpfe der Brexit-Bewegung. Doch nachdem er seinem Freund Johnson 2016 die Unterstützung versagt und selbst für das Amt des Premierministers kandidiert hatte, fiel er in Ungnade, galt als „Königsmörder“. Sein Geständnis, vor über 20 Jahren mehrfach Kokain konsumiert zu haben, sorgte am Wochenende für Aufruhr und könnte seine Chancen auf das Amt des Premierministers mindern.

Der vielleicht lachende Dritte: Jeremy Hunt

Er will den Brexit-Deal nachverhandeln. Quelle: AP
Jeremy Hunt

Er will den Brexit-Deal nachverhandeln.

(Foto: AP)

Der amtierende Außenminister hatte 2016 für den Verbleib in der EU geworben, sich im Laufe der Zeit aber auf die Seite der Brexiteers geschlagen. Diese Kehrtwende ist heikel – schon Theresa May hatten Brexit-Hardliner vorgeworfen, nicht „mit ganzem Herzen“ hinter dem Brexit zu stehen.

Am Wochenende versuchte der 52-jährige, derartige Vorwürfe zu entkräften, und betonte, er wolle in Brüssel den Brexit-Deal nachverhandeln, zur Not aber auch ohne Deal ausscheiden. Schlagzeilen machte sein Kommentar, die EU müsse aus der Geschichte der Sowjetunion lernen und dürfe die Europäische Union nicht „in ein Gefängnis verwandeln“.

Der junge Herausforderer: Dominic Raab

Der 45-Jähige will beim Brexit keine Kompromisse eingehen. Quelle: dpa
Dominic Raab

Der 45-Jähige will beim Brexit keine Kompromisse eingehen.

(Foto: dpa)

In seiner gerade einmal vier Monate langen Amtszeit als Brexit-Minister hatte der ehrgeizige 45-Jährige klargemacht, dass er beim EU-Austritt keine Kompromisse eingehen möchte. Allerdings bot der Brexit-Hardliner seinen Kritikern immer wieder Angriffsfläche, etwa als er unbekümmert zugab, die Bedeutung des britischen Hafens Dover unterschätzt zu haben.

Die Kompromisslose: Esther McVey

Die ehemalige TV-Moderatorin gilt als Außenseiterin. Quelle: Reuters
Esther McVey

Die ehemalige TV-Moderatorin gilt als Außenseiterin.

(Foto: Reuters)

Die ehemalige Arbeitsministerin war nach nicht einmal einem Jahr von ihrem Amt zurückgetreten aus Protest gegen den Brexit-Kurs der Regierung, wodurch sie bei Brexit-Hardlinern punkten konnte. Die 51-jährige Ex-TV-Moderatorin verfügt über wenig Regierungserfahrung – aber auch Theresa Mays Aufstieg 2016 hatte viele Briten überrascht. Esther McVey gilt dennoch als Außenseiterin. Sie kündigte unter anderem an, Brexit-Gegner aus ihrem Kabinett rauszuschmeißen.

Die ewige Zweite: Andrea Leadsom

Sie kandidiert bereits zum zweiten Mal für das Amt der Premierministerin. Quelle: Reuters
Andrea Leadsom

Sie kandidiert bereits zum zweiten Mal für das Amt der Premierministerin.

(Foto: Reuters)

Auch die 56-jährige Andrea Leadsom will für das Amt der Premierministerin kandidieren – nicht zum ersten Mal: Als 2016 David Cameron nach dem verlorenen EU-Referendum zurückgetreten war und die konservative Partei einen Nachfolger suchte, entschied sich das Rennen zwischen May und Leadsom.

Nach einer Bemerkung, die als böser Seitenhieb auf Mays kinderlose Ehe gewertet worden war, zog sich Leadsom aus dem Rennen zurück. Ihr Rücktritt als Fraktionschefin im vergangenen Monat wurde als Zeichen gesehen, dass die Regierung von Theresa May kurz vor dem Kollaps steht. Wenige Stunden nach Leadsoms Rücktritt musste auch May ihren Abschied verkünden.

Der Schlagkräftige: Sajid Javid

Der 49-Jährige versucht, als konservativer Hardliner zu punkten. Quelle: Reuters
Sajid Javid

Der 49-Jährige versucht, als konservativer Hardliner zu punkten.

(Foto: Reuters)

Der aktuelle Innenminister hat beim EU-Referendum ebenfalls für „Remain“ gestimmt, seine Meinung aber seitdem geändert. Der Sohn pakistanischer Einwanderer hat in den vergangenen Monaten versucht, als konservativer Hardliner zu punkten: Vor allem sein Umgang mit der ehemaligen IS-Anhängerin Shamima Begum, der Javid kurzerhand die Staatsbürgerschaft entzogen hatte, wurde kontrovers diskutiert.

Der 49-Jährige hat versprochen, als Premierminister mehr Geld in Erziehung und Polizei zu stecken. In Interviews erklärte er, als Kind immer wieder rassistisch beleidigt worden zu sein und deswegen auch mal zugeschlagen zu haben.

Der mit der Waffel: Matt Hancock

Ihm werden im Rennen um die May-Nachfolge wenig Chancen eingeräumt. Quelle: Reuters
Matt Hancock

Ihm werden im Rennen um die May-Nachfolge wenig Chancen eingeräumt.

(Foto: Reuters)

Als Matt Hancock am Montag für seine Kandidatur warb, teilte er zur Freude mancher Journalisten – ein kleines Päckchen zuckersüßer Waffeln aus. Das Gebäck hatte ihm heftige Kritik eingebracht, weil der 40-jährige Gesundheitsminister bei einer TV-Übertragung zu sehen war, wie er hektisch in eine derartige Waffel hineinbiss – nicht gerade ein vorbildliches Frühstück. Hancock selbst traut sich das Amt des Premiers zu, dürfte es aber schwer haben.

Der Umtriebige: Rory Stewart

Der 46-Jährige setzt sich für eine Kompromisslösung im Brexit-Streit ein. Quelle: Reuters
Rory Stewart

Der 46-Jährige setzt sich für eine Kompromisslösung im Brexit-Streit ein.

(Foto: Reuters)

Der Entwicklungsminister ist erst seit Kurzem im Regierungskabinett, hat in den vergangenen Wochen aber viel Medienpräsenz gezeigt. In Interviews berichtete er über seine Erfahrungen als Wanderer durch Afghanistan, mit einer auf einer Hochzeit gereichten Opiumpfeife und über seine Zeit als Privatlehrer der Prinzen William und Harry.

Medien bezeichnen Stewart als „Anti-Boris“, nicht zuletzt, weil der 46-Jährige selbst verkündete, dass er nicht im Kabinett von Johnson arbeiten würde. Stewart setzt sich für eine Kompromisslösung im Brexit-Streit ein.

Mark Harper

Der 49-Jährige ist für eine Verlängerung der Austrittsfrist. Quelle: Reuters
Mark Harper

Der 49-Jährige ist für eine Verlängerung der Austrittsfrist.

(Foto: Reuters)

Obwohl er als EU-freundlich gilt, akzeptiert Mark Harper das Brexit-Referendum. Er selbst sieht sich im Rennen um den Posten des Premierministers als Außenseiter. Der 49-Jährige wäre für eine kurze Verlängerung der Austrittsfrist über den 31. Oktober hinaus. Falls das nicht möglich sei, würde er auch einer Loslösung von der EU ohne Deal zustimmen.

Das Verfahren

Für ihre Kandidatur mussten die Politiker – neben der Mitgliedschaft in der konservativen Partei – die Unterstützung von acht Abgeordneten vorweisen. Bislang waren lediglich zwei notwendig, doch nachdem elf Politiker Interesse an dem Posten signalisiert hatten und noch weitere erwartet worden waren, verschärfte die Partei die Regeln, um so das Verfahren abzukürzen.

Schließlich tickt die Uhr: Am 31. Oktober soll der Brexit stattfinden. Ab Donnerstag stimmen die Abgeordneten in mehreren Wahlen ab, bei jeder Runde fällt der letztplatzierte Kandidat aus dem Rennen. Zudem müssen die Kandidaten in der ersten Runde mindestens 16, in der zweiten Runde mindestens 32 Stimmen erhalten, um weiterzukommen.

Sind nur noch zwei Kandidaten dabei, stimmen die rund 160 .000 Parteimitglieder per Briefwahl ab. Der Sieger dürfte um den 22. Juli feststehen, bis dahin bleibt Theresa May übergangsweise im Amt.

Mehr: Heute startet die Suche nach der May-Nachfolge. Die Kandidaten für das Amt des Premierministers legen zuvor notgedrungen Rechenschaft über ihre Drogenvergehen ab.

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