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Großbritannien Jo Johnson verweigert Bruder Boris die Gefolgschaft – Der Staatssekretär gibt sein Amt auf

Einen schlechteren Start hätte der britische Premier nicht hinlegen können. Vier Niederlagen im Unterhaus, die Partei in Aufruhr – und nun tritt auch noch sein Bruder zurück.
05.09.2019 - 15:29 Uhr Kommentieren

Jo Johnson: „Hin und her gerissen zwischen Familienloyalität und nationalem Interesse“

London Der britische Premierminister Boris Johnson verliert sein erstes Kabinettsmitglied – und es ist ausgerechnet sein kleiner Bruder. Jo Johnson, 47, erklärte am Donnerstag seinen Rücktritt als Staatssekretär für Hochschulen. Auch sein Abgeordnetenmandat will er nach neun Jahren niederlegen. Er sei in den vergangenen Wochen hin- und hergerissen gewesen „zwischen der Familienloyalität und dem nationalen Interesse“, twitterte der Proeuropäer.

Der darin enthaltene Vorwurf, dass der Premierminister gegen das nationale Interesse handele, löste große Aufregung aus. Er verstärkt den Eindruck, dass der ältere Johnson die Partei und das Land auf einen Kurs der Selbstzerstörung gesetzt hat.

Jo Johnson hatte die Entscheidung seinem Bruder am Mittwochabend in einem längeren Telefonat mitgeteilt. Der Premierminister bat ihn laut britischen Medienberichten, noch einmal drüber zu schlafen. Seine Mitarbeiter in der Downing Street informierte der Regierungschef nach dem Telefonat nicht, sie wurden am Donnerstag von der Mitteilung überrascht.

Johnsons Rücktritt zeigt den wachsenden Widerstand bei den Tories gegen den No-Deal-Kurs der Regierung. Er ist bereits der 24. Abgeordnete, der dem Premier diese Woche die Gefolgschaft aufkündigte. Auch die Abgeordnete Caroline Spelman kündigte am Donnerstag an, bei Neuwahlen nicht mehr antreten zu wollen. Weitere Rücktritte werden erwartet.

Der Auslöser für Johnsons Schritt war offenbar das harte Vorgehen des Premiers gegen die 21 Tory-Rebellen am Dienstag. Boris Johnson hatte die Abgeordneten kurzerhand aus der Fraktion ausgeschlossen, nachdem sie zusammen mit der Opposition den Weg für ein Gesetz gegen den No-Deal-Brexit bereitet hatten. Darunter waren konservative Urgesteine wie Kenneth Clarke, einst Minister unter drei verschiedenen Premierministern, Churchill-Enkel Nicholas Soames und eine Reihe weiterer ehemaliger Minister und Staatssekretäre.

In der Partei macht sich nun Unwohlsein breit, dass solche verdienten Parteifreunde keinen Platz mehr bei den Konservativen haben sollen. Mehrere Minister sollen Premier Johnson gedrängt haben, den Ausschluss wieder rückgängig zu machen.

Jo Johnson war immer ein leidenschaftlicher Proeuropäer. Vor seiner Politikerkarriere hatte er bei der „Financial Times“ gearbeitet. Er ist verheiratet mit der „Guardian“-Journalistin Amelia Gentleman, die sich stark für die Rechte der EU-Bürger in Großbritannien einsetzt. Zuletzt war er ein führender Kopf der Bewegung für ein zweites EU-Referendum.

Viele Brexit-Gegner waren daher enttäuscht, als er im Juli ins Kabinett seines Bruders eintrat. Der Rücktritt wurde nun als Rückkehr zu seinen Prinzipien begrüßt.

Mehr: Das britische Parlament stimmt gegen Neuwahlen – wie es dennoch dazu kommen kann.

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