Großbritannien May feuert Vize-Premier Damian Green

Showdown vor Weihnachten: Die britische Premierministerin Theresa May hat ihren Stellvertreter Damian Green zum Rücktritt gezwungen. Sie verliert einen Vertrauten, der ihr zerstrittenes Kabinett zusammengehalten hat.
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Der 61-Jährige galt als engster Verbündeter der britischen Regierungschefin Theresa May. Quelle: AFP
Damian Green

Der 61-Jährige galt als engster Verbündeter der britischen Regierungschefin Theresa May.

(Foto: AFP)

LondonAls ob dieses Jahr in Großbritannien nicht turbulent genug gewesen sei, setzt Theresa May nun noch einen finalen Paukenschlag. Am Mittwochabend feuerte die britische Premierministerin ihren Vize Damian Green, weil er gegen ministerielle Standards für Ehrlichkeit verstoßen haben soll. Gegen ihn lief seit einigen Monaten eine Untersuchung, nachdem ihm eine junge Journalistin Belästigung vorgeworfen hatte. Der offizielle Grund für seine Entlassung sind aber seine Erklärungen zu Pornofunden auf seinen Bürocomputern.

Green schrieb in einem Brief an May, er bedauere, dass er zum Rücktritt aufgefordert wurde. Er blieb bei seiner Darstellung, dass er die Pornos, die 2008 in seinem Parlamentsbüro gefunden worden waren, weder heruntergeladen noch angeschaut habe. Er räumte aber ein, „irreführende Statements“ abgegeben zu haben. Als die Funde kürzlich Thema wurden, hatte er sie öffentlich bestritten und der Polizei eine Schmierkampagne vorgeworfen.

Der 61-Jährige entschuldigte sich auch bei der 31-jährigen Journalistin, die ihm vorwirft, ihr die Hand aufs Knie gelegt und eine anzügliche Nachricht zu einem Korsett-Foto geschickt zu haben. Sie hatte Green, den Vater zweier erwachsener Töchter, über ihre Eltern kennengelernt. „Ich erkenne die Vorfälle nicht an, die sie in ihrem Artikel beschrieben hat, aber sie hat sich meinetwegen unwohl gefühlt, und dafür entschuldige ich mich“, schrieb er. Die Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Darstellung der Journalistin „plausibel“ sei.

Mit Green verliert May einen langjährigen Weggefährten und vielleicht ihren einzigen Vertrauten im Kabinett. Die beiden kennen sich seit den gemeinsamen Uni-Tagen in Oxford, später zogen sie gemeinsam ins Parlament ein. Als May Innenministerin wurde, holte sie Green als Staatssekretär. Als sie Premierministerin wurde, machte sie ihn erst zum Minister und dann zu ihrem Vize. Hinter den Kulissen wirkte er als Moderator und vermittelte in dem zerstrittenen Kabinett, das in zwei Brexit-Lager geteilt ist.

Als im Zuge des Belästigungsskandals in Westminster die Vorwürfe gegen Green auftauchten, schien die Regierung kurzzeitig ins Wanken zu geraten. May setzte eine Untersuchung ein, beließ aber Green im Amt und ließ sich sogar im Parlament von ihm vertreten. Da galt er manchem Beobachter schon als unhaltbar.

Dass sie ihn nun kurz vor Weihnachten entlässt, ist geschicktes Timing. So kann sich jegliche Debatte über ihre Regierung über die Feiertagspause totlaufen. Und im neuen Jahr geht es wieder um den Brexit. Sie sei „extrem traurig“, dass sie ihn entlassen müsse, schrieb May. Das dürfte ehrlich gemeint sein.

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