Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Großbritannien Uber gibt Fahrern einen „Mitarbeiter-Status light“

Uber folgt in Großbritannien einem Gerichtsurteil und macht Fahrer zu Mitarbeitern. An der Bezahlung dürfte das wenig ändern – zur Freude der Aktionäre.
17.03.2021 Update: 17.03.2021 - 10:20 Uhr Kommentieren
Der Fahrdienstleister reagiert jetzt auf ein Urteil des obersten britischen Gerichts zu Arbeitnehmerrechten. Quelle: AP
Uber-Schild

Der Fahrdienstleister reagiert jetzt auf ein Urteil des obersten britischen Gerichts zu Arbeitnehmerrechten.

(Foto: AP)

Hamburg Im Dauerstreit mit den britischen Behörden hat der Taxi-Konkurrent Uber eine neue Lösung vorgelegt. Einen Monat nach einem Gerichtsurteil, das die Festanstellung für die Fahrer im Vereinigten Königreich verlangt, will der Fahrdienst sein Geschäftsmodell mit einigen Anpassungen retten. Die Fahrer bekommen dabei den Mindestlohn – allerdings nur, während sie unterwegs sind. Das kündigte Uber an. Da Wartezeiten nicht bezahlt werden, dürften sich die Mehrkosten in engen Grenzen halten.

Uber fährt in Großbritannien weitgehend nach dem Ursprungsmodell. Der US-Konzern vermittelt dabei seine App an Fahrer, die auf eigene Rechnung mit eigenen Autos unterwegs sind. Gewerkschaften, Regulierer und Richter bemängeln seit Jahren, Uber unterlaufe damit Arbeitnehmerrechte. Daher passt der Fahrdienst seine Modelle je nach Rechtslage an. In Deutschland beispielsweise arbeitet Uber mit Dienstleistern, die die Fahrer anstellen.

In London will das US-Unternehmen so weit nicht gehen. Allerdings wird Uber seinen 70.000 Fahrern in Großbritannien gemäß der Ankündigung künftig eine Art bezahlten Urlaub anbieten. Das Urlaubsgeld liegt laut „Financial Times“ bei 12,07 Prozent des durchschnittlichen Verdienstes. Zudem soll ein Rentenplan aufgesetzt werden.

Für das Einkommen der Fahrer dürfte die Neuregelung trotzdem wenig Auswirkungen haben: Zwar soll ihnen künftig der Mindestlohn nach Abzug von Kosten garantiert werden. Allerdings gilt das nur für die Zeit der Anfahrt zu einem Kunden und der eigentlichen Fahrt. Im Taxigeschäft sind aber die Wartezeiten zwischen den Fahrten oft länger als die eigentliche Fahrt. Fahrer für den Essenslieferdienst Uber Eats sind von der Neuregelung ohnehin ausgenommen.

Ob Uber damit die Bedingungen des Arbeitsrechts erfüllt, kann möglicherweise erst ein weiteres Gerichtsverfahren klären. Das Urteil vom vergangenen Monat bezieht sich nämlich konkret auf das Jahr 2016. Die Richter stellen fest, die Fahrer seien damals in einem arbeitnehmerähnlichen Abhängigkeitsverhältnis von Uber gewesen.

Inzwischen hat der Anbieter seinen Zugriff aber gelockert – anders als damals gibt es für Fahrer beispielsweise keine Abzüge mehr, wenn sie Fahrten ablehnen. Das Gerichtsurteil räumt ein, dass bei deutlichem Wettbewerb andere Bedingungen gelten könnten. Das ist inzwischen der Fall: Anbieter wie Bolt und Ola machen Uber starke Konkurrenz. Viele Fahrer lassen sich Fahrten über mehrere Apps vermitteln – daher erscheint es unrealistisch, dass etwa Uber allein ihnen die Wartezeit zahlt.

Andere Lösung als in Deutschland

In Deutschland umschifft Uber die rechtlichen Probleme mit einer anderen Lösung: Hier setzt der Fahrdienst auf zwischengeschaltete Mietwagenunternehmen, die mit mehreren Apps wie Uber und Free Now kooperieren. Diese Fahrdienste können daher auch für die Wartezeit bezahlen und reguläre Schichten anbieten.

Hauptpartner für Uber in Deutschland ist das drei Jahrzehnte alte Berliner Unternehmen Safedriver. Die eigenen 760 Mitarbeiter sind fest angestellt und erhalten nach Firmenangaben 14 Euro je Stunde – also deutlich mehr als den Mindestlohn. Allerdings hat Firmengründer Thomas Mohnke derzeit alle festen Fahrer in Kurzarbeit geschickt, weil wegen der Pandemie deutlich weniger Geschäftsreisende unterwegs sind – für Uber eine große Kundengruppe in Deutschland. Auch in Deutschland kam die Regelung erst auf Druck der Gerichte zustande.

In Großbritannien liegt der Mindestlohn ab April bei 8,91 Pfund, umgerechnet 10,43 Euro. Uber argumentiert, diese Summe könne nur dann auch für Wartezeiten gezahlt werden, wenn die Zahl der zugelassenen Fahrer drastisch reduziert werde.

Tatsächlich sind in London offensichtlich viel mehr Fahrer je Einwohner für Uber unterwegs als etwa in Berlin. Die Wartezeit in der britischen Hauptstadt beträgt oft nur ein bis zwei Minuten – in Berlin oft deutlich mehr. Durch die Vielzahl an Fahrern gebe es lange unbezahlte Wartezeiten, kritisieren die britischen Gewerkschaften. Uber dagegen gibt an, dass die Fahrer während ihrer Touren im Schnitt 17 Pfund je Stunde nach Kosten verdienen.

Die Fahrer würden auch nach der neuen Regelung 40 bis 50 Prozent unterbezahlt, kritisieren die zwei Kläger, die einst selbst für Uber am Steuer saßen. Der Fahrdienst müsse mit den Gewerkschaften kooperieren und Daten offenlegen. Weitere Verfahren sind wahrscheinlich – zumal Uber auch noch in einen Umsatzsteuerstreit mit den britischen Finanzämtern verwickelt ist.

Analysten sind optimistisch

Das Unternehmen weist die Kosten der Maßnahme nicht aus. Es gibt allerdings Anhaltspunkte, dass sich die finanziellen Auswirkungen in Grenzen halten: So hält Uber an dem Ziel fest, bis Ende des Jahres ein Quartal mit bereinigtem operativen Gewinn (Ebitda) zu erreichen. Ohnehin sind die Auswirkungen des britischen Markts begrenzt: Er steht für 6,4 Prozent der Fahrten. Die britische Neuregelung dürfte keine Auswirkungen auf das Geschäft in anderen Ländern haben.

An der Börse sind die Analysten in Bezug auf Uber derzeit sehr optimistisch. Sie erwarten, dass mit den Impfkampagnen das Geschäft weltweit wieder deutlich anzieht. 33 von 37 Analysten empfehlen laut dem Finanzdienst Bloomberg die Aktie zum Kauf. „Wir sehen Uber weiterhin als eine der besten Geschichten im Internet“, schrieben etwa die Analysten der Deutschen Bank zuletzt.

Mehr: 1,50 Euro pro Kilometer: Dieses US-Start-up will Fliegen billiger machen als eine Taxi-Fahrt in Berlin

Startseite
Mehr zu: Großbritannien - Uber gibt Fahrern einen „Mitarbeiter-Status light“
0 Kommentare zu "Großbritannien: Uber gibt Fahrern einen „Mitarbeiter-Status light“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%