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Großbritannien-Wahlen Radikales Wahlprogramm – Jeremy Corbyn ist der größte Verlierer der Wahl

Premier Boris Johnson gewinnt die Wahl – Jeremy Corbyn ist der große Verlierer. Der Labour-Chef steht vor dem Ende seiner politischen Karriere.
13.12.2019 - 12:10 Uhr Kommentieren
Der Labour-Chef steht vor dem Ende seiner politischen Karriere. Quelle: dpa
Jeremy Corbyn

Der Labour-Chef steht vor dem Ende seiner politischen Karriere.

(Foto: dpa)

London Nur kurz huscht ein Lächeln über das sonst starre Gesicht von Jeremy Corbyn, als in der Wahlnacht die Zahl der für ihn abgegeben Stimmen in seinem Wahlkreis Islington verlesen wird. Hier, im Norden Londons, wo der Labour-Politiker seit fast vierzig Jahren lebt, hielten ihm die Wähler die Treue: Mit 34.603 Stimmen lag der 70-Jährige weit vor seinen Konkurrenten.

Im Rest des Landes aber erzielte seine Partei das schlechteste Ergebnis seit Anfang der 1980er Jahre. Den Schuldigen an dieser Misere hatten die enttäuschten Labour-Mitglieder und -Wähler rasch ausgemacht: Corbyn. Der kündigte an, nach „einer Phase der Reflektion“ zurückzutreten. Er will die Partei nicht in der nächsten Wahl vertreten.

Für die Labour-Partei könnte damit eine Zäsur bevorstehen – wenn sich die Kritiker des Parteichefs diesmal durchsetzen. Schon seit langem ist die Partei tief gespalten, und das vor allem wegen Corbyn.

Er hatte seit seiner Wahl zum Labour-Chef im Herbst 2015 die Partei, die sich unter Tony Blair an der politischen Mitte orientiert hatte, wieder auf traditionell linke Werte ausgerichtet. Der Mann mit dem fusseligen Bart gilt als Altlinker, EU-Skeptiker.

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    Er ist Atomwaffengegner, befürwortet Verstaatlichungen und lässt sich nur allzu gern feiern als Kämpfer für die Armen. Das kommt vor allem bei jungen Wählern an, die sich in einer eigenen Pro-Corbyn-Bewegung namens Momentum zusammengeschlossen haben und seit seinem Aufstieg an die Parteispitze in Scharen der Labour-Partei beigetreten sind.

    Seine Kritiker verfolgten diese Entwicklung gleichwohl mit Grauen. Corbyns Ideen sind ihnen zu radikal, sie werfen ihm blinden Idealismus vor. Seine politischen Gegner in der Partei versuchten mehrfach, den Parteichef zu stürzen, scheiterten aber an seiner treuen Basis.

    Doch mit dem Fiasko in den aktuellen Wahlen hat sich das Blatt gewendet. Unter Corbyns Führung hatte die Partei ein radikales Wahlprogramm vorgeschlagen: Es sollte die Viertagewoche eingeführt und Mitarbeiter großer Firmen am Gewinn beteiligt werden.

    Die Staatsausgaben wollte die Partei erhöhen, er plante die Verstaatlichung von Energieversorgern, Bahn, Post und dem Breitbandnetz der British Telecom. Selbst ihm gewogene Wähler hielten diese Versprechen für zu schön um wahr zu sein, für eine Illusion.

    Dazu kamen in den vergangenen Wochen lang schwelende Vorwürfe wieder auf, Corbyn gehe nicht konsequent genug gegen Antisemitismus in den Reihen der Partei vor. Sein größter Fehler im Wahlkampf war es aber, sich beim Thema Brexit von seinem Gegner Boris Johnson vorführen zu lassen.

    Während der Regierungschef mit plakativen Slogans („wir ziehen den Brexit durch, ohne wenn und aber“) Wähler überzeugte, wirkte Corbyn unentschlossen. Seine Ankündigung, bei einem Wahlsieg zunächst den Brexit-Deal mit der EU nachzuverhandeln und diesen dann dem Volk zur Abstimmung vorzulegen, sorgte für Spott – zumal er nicht sagen wollte, wie er selbst in diesem Referendum stimmen würde.

    Langjährige Abgeordnete zogen kurz vor den Wahlen ihre Kandidatur zurück und empfahlen ihren Wählern, für den politischen Gegner zu stimmen. Weder konnte die Labour-Partei so ausreichend Brexit-Gegner aus den Reihen der konservativen Regierungspartei anlocken, noch ausreichend Brexit-Befürworter in der eigenen Wählerschaft halten. Sogar die traditionellen Labour-Wähler in Mittelengland wandten sich von der Partei ab und wechselten zu „Brexit-Boris“.

    Angesichts dieser Wahlniederlage konnte Corbyn seine Kritiker nicht mehr ignorieren. Nun hat er seinen Abschied eingeleitet. Noch ist aber unklar, wann er geht und wer ihm folgt.

    Mehr: Nach der Unterhaus-Wahl feiern vor allem die Tories und die schottischen Nationalisten. Ein Blick auf die interessantesten Zahlen des Wahlabends.

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