Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Großbritannien Warum die Queen sich in die Corona-Debatte einmischt

Die britische Königin wendet sich sehr selten ans Volk. In der Coronakrise hält sie eine TV-Ansprache aber für nötig: Die Ansprache kommt zu einem kritischen Zeitpunkt.
05.04.2020 - 13:53 Uhr Kommentieren
Die britische Königin wendet sich in einer ihrer seltenen TV-Ansprachen an ihre Bürger. Quelle: REUTERS
TV-Ansprache

Die britische Königin wendet sich in einer ihrer seltenen TV-Ansprachen an ihre Bürger.

(Foto: REUTERS)

London Erst viermal hat sich die Queen in ihren 68 Jahren auf dem Thron in einer Fernsehansprache ans Volk gewandt – von den jährlichen Weihnachtsbotschaften einmal abgesehen. Mal ging es dabei um Fragen von Leben und Tod, wie im Golfkrieg. Mal um eine nationale Feier wie ihr diamantenes Thronjubiläum im Jahr 2012. Stets jedoch musste etwas Außergewöhnliches passiert sein.

In der Coronakrise nun scheint der Regierung die Lage wieder dramatisch genug, um das Staatsoberhaupt vor die Kameras zu bitten. Am Sonntagabend wendet die Königin sich daher zur besten Sendezeit an die Bevölkerung. Laut den vorab veröffentlichten Redeauszügen wird sie die Briten zum Durchhalten aufrufen – und zum Befolgen der Ausgangsbeschränkungen.

Sie äußert ihre Hoffnung, dass Selbstdisziplin, Entschlossenheit und Nächstenliebe „immer noch dieses Land ausmachen“, und lobt Ärzte, Krankenpfleger und alle anderen Arbeitnehmer, die das Leben am Laufen halten.

Diese „Zeit der Disruption“ sei eine große Herausforderung für alle Briten, sagt die Queen. „Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren jeder stolz darauf sein kann, wie wir diese Herausforderung gemeistert haben. Und die, die nach uns kommen, werden sagen: Diese Generation ist so stark wie jede zuvor.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Ansprache kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Binnen einer Woche ist die Zahl der Toten in Großbritannien von tausend auf mehr als viertausend gestiegen - und sie wächst weiter rapide. Die Epidemiologen um Neil Ferguson vom Imperial College in London erwarten den Höhepunkt in zehn Tagen. Dank der Ausgangsbeschränkungen könne man die Zahl der Toten hoffentlich unter 20.000 halten. Im besten Szenario seien es am Ende 7000, schätzte er am Sonntag in einem BBC-Interview.

    Die Ausgangsbeschränkungen haben wie in Deutschland eine Debatte darüber ausgelöst, wann sie wieder gelockert werden – und nicht jeder hält sich daran. Am Wochenende gab es zahlreiche Beschwerden über Leute, die das schöne Wetter nutzen, um im Freien zu picknicken oder sich zu sonnen.

    Sonnenbaden sei gegen die Regeln, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag dem Sender Sky News. Erlaubt sei nur, einmal am Tag Sport zu betreiben. Es sei „unglaublich“, dass einige Leute sich nicht daran hielten. Der Minister warnte, dass man auch das Sportmachen verbieten werde, wenn die Leute die Regeln weiterhin missachteten.

    Die Coronakrise teilt die Nation in zwei Gruppen: Menschen mit Garten und Menschen ohne Garten. Die Briten legen traditionell Wert auf den eigenen Garten, selbst in Großstädten wie London dominieren die Reihenhäuschen mit einem umzäunten Stück Grün dahinter. Wer einen Garten hat, kann sich leicht über verzweifelte Wohnungsmieter empören, die aus der Enge ab und zu in den Park flüchten. Kritiker merken an, dass es auch eine Klassenfrage sei.


    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Die Polizei setzt derweil auf Überzeugung statt Strafen. Sie ist verstärkt in Parks und an Stränden unterwegs, um größere Gruppen aufzulösen. Insgesamt geben sich die Briten jedoch Mühe, sich an die Auflagen zu halten. Die Straßen in London sind verwaist, bei den langen Schlangen vor den Supermärkten wird auf den Zwei-Meter-Abstand geachtet. Auf der Straße machen die Leute einen großen Bogen umeinander.

    Noch halten Gesundheitssysteme stand

    Die verzweifelten Hilferufe aus den Krankenhäusern scheinen Wirkung zu zeigen. Immer wieder appellieren Ärzte und Krankenpfleger in den sozialen Netzwerken an ihre Mitbürger, bitte zu Hause zu bleiben. Drei Krankenpfleger und mehrere Ärzte sind bislang an Covid-19 gestorben.

    Das Gesundheitssystem könne den Patientenansturm bisher verkraften, sagt Experte Ferguson. Rund die Hälfte der Intensivbetten sei noch frei - und man baue neue Kapazitäten in provisorischen Krankenhäusern auf. Wenn die Zahlen weiter schnell steigen, könnte es jedoch bald an Beatmungsgeräten fehlen. Die Regierung strebe an, die Zahl der Beatmungsgeräte in den kommenden Wochen von aktuell 9000 auf 18.000 zu verdoppeln, sagte Gesundheitsminister Hancock.

    Der weitere Verlauf der Pandemie hänge nun ganz davon ab, wie sich die Briten verhalten, sagte Hancock. „Wenn die Leute zu Hause bleiben, sind wir schneller damit durch.“ Der frisch gewählte Chef der Labour-Opposition, Keir Starmer, stellte sich hinter die Regierung. Er werde alle notwendigen Maßnahmen unterstützen, sagte er der BBC.

    Vor diesem Hintergrund ist die Ansprache der Queen als weiterer Teil der Informationskampagne der Regierung zu sehen. Die bald 94-Jährige zählt auch selbst zur Risikogruppe. Zusammen mit ihrem 98-jährigen Ehemann Philip ist sie daher seit dem 19. März in Selbstquarantäne auf Schloss Windsor. Nur wenige enge Vertraute haben noch Zugang zu ihr. Die TV-Ansprache wurde von einem einzigen Kameramann aufgezeichnet – und der musste Mundschutz und Handschuhe tragen. Der Rest der Crew saß in einem Nebenraum.

    Ob die Queen auf Corona getestet wurde, nachdem ihr Sohn Prinz Charles sich infiziert hatte, will der Palast nicht verraten. Der Thronfolger hat die Covid-19-Krankheit inzwischen hinter sich. Er eröffnete am Freitag das provisorische Krankenhaus im ExCel-Messezentrum in London.

    Mehr: Die Rufe nach einem Marshall-Plan für Europa werden laut.

    Startseite
    Mehr zu: Großbritannien - Warum die Queen sich in die Corona-Debatte einmischt
    0 Kommentare zu "Großbritannien: Warum die Queen sich in die Corona-Debatte einmischt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%