Großoffensive gegen IS Iraks Armee und Schiiten greifen Tikrit an

Tikrit hat für die irakische Regierung hohe strategische Bedeutung. Nun läuft erneut ein Versuch, die Stadt vom Islamischen Staat zurückzuerobern. Die Hilfe von Schiiten-Milizen hierbei könnte jedoch in Rache umschlagen.
Update: 02.03.2015 - 13:45 Uhr Kommentieren

Militäroffensive: IS entscheidend zurückgedrängt

BagdadDie Bilder aus dem Irak ähneln sich. Schon einmal begann die irakische Armee im vergangenen Sommer eine Offensive, um die Stadt Tikrit aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu befreien. Auch damals verbreitete das Staatsfernsehen euphorisch Siegesmeldungen. Sogar Bilder aus angeblich befreiten Teilen der Stadt waren zu sehen. Sie entpuppten sich später als Propaganda. Alle Angriffe auf Tikrit scheiterten bisher.

Jetzt sind wieder Bilder von heftigen Kämpfen im Fernsehen und in Internetvideos zu sehen. Seit dem Wochenende versuchen irakische Streitkräfte erneut, Tikrit mit einer Großoffensive unter Kontrolle zu bringen. 30.000 Kräfte hat die Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi angeblich im Umland der Stadt zusammengezogen.

Zwar erhält die irakische Armee seit einigen Monaten Hilfe von US-Militärberatern. Ein Sieg in Tikrit ist dennoch ungewiss. Beide Seiten würden „hart und aggressiv“ kämpfen, sagte der irakische Militärexperte Muajid al-Windawi. Er rechnet mit vielen Opfern.

Dabei wäre ein Erfolg in dem Feldzug wichtig, soll die sunnitische IS-Terrormiiz im Irak eines Tages besiegt werden. Tikrit ist nicht irgendeine Stadt in dem Land. Sie liegt an einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen Bagdad und der nordirakischen IS-Hochburg Mossul.

Als Heimatort des früheren Langzeitdiktators Saddam Hussein gilt sie zudem als Zentrum sunnitischer Regierungsgegner, von denen sich viele mit den Extremisten verbündet haben. Vor allem aber stellt die Schlacht um Tikrit einen Testfall dar, ob die Kräfte der Armee irgendwann in der Lage sein könnten, auch die IS-Hochburg Mossul zu befreien.

Eigentlich soll der Vormarsch auf die inoffizielle Hauptstadt der Extremisten im Irak noch vor dem Fastenmonat Ramadan in diesem Sommer beginnen – so erklärte es zumindest vor Kurzem ein Sprecher des US-Zentralkommandos. Sollte Iraks Armee jedoch in Tikrit scheitern, dürfte ein baldiger Angriff auf Mossul unwahrscheinlich sein.

Tikrit wird auch wegweisend sein für das schwierige Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten im Land. Iraks Armee ist nur deshalb zum Angriff auf die Stadt in der Lage, weil sie massive Hilfe von schiitischen Milizen bekommt. Diese schützten bisher vor allem Bagdad und die schiitischen Regionen im Süden des Landes mit ihren religiösen Heiligtümern. Jetzt greifen sie immer stärker auch in die Kämpfe in den sunnitischen Gebieten des Iraks ein.

Die schiitischen Milizen sind berühmt-berüchtigt für ihre rücksichtslose Gewalt, mit der sie schon gegen die US-Truppen kämpften. Sunniten werfen ihnen immer wieder Massaker vor. Mit dem IS-Vormarsch ist der Einfluss der Milizen noch größer geworden.

Rachegedanken der Schiiten
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