„Günther Jauch“ zu Russland „Ermordete Putin-Freunde haben wir keine gefunden“

Günther Jauch diskutierte ein weiteres Mal über Russland und Putin – dieses Mal mit der Tochter des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow. Die Sendung war alles andere als befriedigend – was nicht verwunderte.
21 Kommentare
Die Gäste in der „Günther Jauch“-Show. Quelle: Screenshot
Die Runde bei Jauch

Die Gäste in der „Günther Jauch“-Show.

(Foto: Screenshot)

Berlin„Das Putin-Interview – wohin steuert der Kreml-Chef?“, „Putins Machthunger – Wie weit wird Moskau gehen?“, und so weiter: Solche Talkshows gab es in großer Zahl im deutschen Fernsehen. „Wie gefährlich ist Opposition gegen Putin?“ lautete aus Anlass des Mordes am Politiker Boris Nemzow am vergangenen Mittwoch erst Anne Wills Thema. Am Sonntagabend legte Günther Jauch mit Zhanna Nemzowa, einer Tochter des Ermordeten, unter dem Titel „Putins Russland – Auf dem Weg zur Diktatur“ nach.

Es war eine manchmal fast quälende, aber produktiv quälende Sendung, in der unterschiedliche Meinungen unversöhnbar aufeinander trafen. Das ließ die Stimmungslagen in Russland und unter Russen eindrucksvoll deutlich werden. „Wir dürfen uns der Mühe einer Differenzierung auch in schwierigen Zeiten nicht verweigern“, forderte Matthias Platzeck, als Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums einer der sachlicheren „Putin-Versteher“. Diese Mühe leistete die Sendung – und bereitete sie ihrem Publikum.

Zu Nemzowas Fernsehauftritt wurde auf Twitter der Vorwurf diskutiert, sie „anderthalb Wochen nach dem Mord für die Quote vor die Kamera zu zerren“. Doch die junge Frau, die seit kurzem in Deutschland ist und Mitte März nach Russland zurückzukehren plant, zeigte sich im Einzelinterview trauernd und in begreiflicher Anspannung, dabei aber souverän.

„Es gibt bereits eine Diktatur in Russland“, antwortete sie auf Jauchs Titel-Frage. Bevor sie sich ins Publikum setzte, einige weitere Male aber gefragt wurde, sagte sie noch, dass „die komplette russische Medienlandschaft“ gegen ihren Vater gewesen sei.

Das war brisant, weil mit Vladimir Kondratiev, dem Ex-Deutschlandkorrespondenten des Senders NTW, ein russischer Fernsehjournalist in Jauchs Runde saß. „Die staatlichen Fernsehkanäle terrorisieren unsere Bevölkerung“, ergänzte Nemzowa später. Sie sollten in die Sanktionsliste der EU und der USA aufgenommen werden, habe ihr Vater gefordert. Inwieweit sich das auf Kondratiev bezog, blieb unklar – NTW gehört zum Gazprom-Konzern.

Kondratiev referierte in Russland kursierende Thesen, wonach Nemzow von Ukrainern ermordet worden sein könnte, die einen „Märtyrer schaffen“ wollten, oder von Islamisten wegen Äußerungen, die er über Karikaturen der französischen Zeitschrift „Charlie Hebdo“ gemacht haben soll. In diese Richtung würden die aktuellen Verhaftungen deuten.

Dagegen nannte Ina Ruck, bis 2014 Leiterin des ARD-Studios in Moskau, den Mord-Tatort „die Hochsicherheitszone des Landes“: „Wenn man dort eine Fernsehkamera hinstellt, ist in 20 Sekunden ein Sicherheitsmann da.“ Insofern müssen die Behörden nach dem Mord entweder versagt oder aber ihn gebilligt haben. „Das wäre mir zu skurril“, entgegnete der SPD-Politiker Platzeck. Gerade, „wenn jemand aus dem Machtapparat“ hinter dem Mord steckte, „hätte man ihn nicht an der Kremlmauer durchgeführt“.

„Was heißt Hetze?“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

21 Kommentare zu "„Günther Jauch“ zu Russland: „Ermordete Putin-Freunde haben wir keine gefunden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wer ist Nemzow? Nemzow ist ein radikaler Privatisierer aus Jelzins Zeiten, Milliardär und ehemaliger Freund des Verbrechers Chodorkowski. Chodorkowski hatte versucht, zwei große russische Energiekonzerne zu fusionieren und dann an US-ameriknische Konzerne über die Börse zu verkaufen. Dafür erhielt er Schmiergelder. Ferner finanzierte dieser Chodorowski den Wahlkampf für Nemzow. Damit sind wir kurz im Bilde, um welchen Kämpfer für Freiheit und Demokratie es hier geht. So, und da Putin mal beim KGB war, da ist ihm ja alles zuzutrauen. Bush war zwar mal Chef der CIA, aber das interessiert ja keinen. Auch ein paar Folterlager und Drohnenmorde interessieren keinen sowie die Überfälle und die Kriege in Ex-Jugoslawien, Afghanistan und im Irak. Ein paar Millionen Tote. Das sind nur einige Beispiele für die Werte, für willfährigen Journalisten aus den think tanks werben.

  • Putin ehrt Kadyrow und Lugowoi mit Orden
    ----------------
    Russlands Präsident Putin hat zwei umstrittene Männer ausgezeichnet: Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow und den Hauptverdächtigen im Mordfall Litwinenko, Andrej Lugowoi.

    Einen hohen Orden hat der russische Präsident Wladimir Putin dem tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow zuerkannt, wie der Kreml mitteilte. Die Auszeichnung wird nach Äußerungen Kadyrows zum Attentat auf den russischen Regierungskritiker Boris Nemzow kritisch gesehen.

    Kadyrow hatte einen aus Tschetschenien stammenden Verdächtigen im Mordfall Nemzow als "tief religiösen Mann" gelobt. Einen weiteren Verdächtigen, der sich offenbar in Tschetschenien selbst in die Luft gesprengt hatte, bezeichnete Kadyrow als "mutigen Krieger". Insgesamt sitzen inzwischen fünf Verdächtige aus Tschetschenien wegen des Mordes an Nemzow in Haft.

    Dass die Ehrung nur gut eine Woche nach der Ermordung Nemzows erfolgte, wertete Putins Sprecher Dmitri Peskow als Zufall und begründet, derartige Auszeichnungen hätten einen mehrmonatigen Vorlauf.

    Quelle: Zeit
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/russland-putin-kadyrow-nemzow

  • "Doch eine brisante, aufschlussreiche Sendung ist Jauch gelungen. Die Mühe der Differenzierung hat sie geleistet, (...)"
    Mehr kann man ja eigentlich auch von einer guten Diskussion nicht erwarten.
    Nämlich dass sie den Zuschauer aus erster Hand, LIVE und von allgemein als verlässlich und kompetent anerkannten Gästen mit unbequemen Fakten konfrontiert, ohne dabei irgendjemanden in seiner evtl. vorgefassten Meinung zu bestätigen (bzw. zu "befriedigen").
    Zu Ergebnissen kann man ohnehin erst dann kommen, wenn möglichst jeder - gerade auch mithilfe solch hilfreicher Diskussionen - Gelegenheit hatte (und sie auch genutzt hat), sich ein auf soliden Erkenntnissen und Informationen beruhendes eigenes Bild der Lage zu machen.

  • Ich bin ein "Putin-Troll!
    ---------------
    Ich arbeite für "Russia Today in Deutschland".
    Warlord Putin bezahlt mich dafür gut.
    Ich screibe dafür Arikel, dass es bei der "Heimholung der Krim" keine russischen Soldaten auf der Krim gegeben hat.
    Ich schreibe natürlich auch, dass es in Donezk, Luhansk, Debalzewe und Mariupol weder russische Soldaten noch russische Panzer gibt/gab.
    Das ist alles "westliche Propaganda"!

  • Gute Nachricht für alle Putin-Versteher! Russland ist ein riesiges Land und heißt alle gleichgesinnten Genossen herzlich willkommen. Wenn Sie dazu über so viel Kleingeldchen wie M. Depardieu verfügen, erwartet Sie ein ganz spezieller Empfang. Nur bitte kein Exemplar von 'Charlie Hebdo' und kein T-shirt mit dem Motiv 'je suis Charlie' mitbringen. Das könnte unseren Vasallen in Grozny nicht gefallen. T-shirts mit dem Motiv - I love Putin, sind jedoch erlaubt !

  • @Herr Daniel Mayr

    Wenn gar nichts mehr geht, kommt die Bezahlung ins Spiel.
    Hochdotierte "Russland-Trolle" schreiben hier, glaubt der Schlaue, hahaha.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Troll@ Weissenfels, alias @Herr Daniel Mayr

    >> dass die hohen Zustimmungswerte für Putin nur auf der Kontrolle der Medienlandschaft und der total einseitigen Berichterstattung beruhen. >>

    Ich schätze mal, dass sie noch >KEINE EINZIGE Talk-Show aus Russland gesehen haben, labern aber die üblichen Klischees der Propagandisten ungefiltert nach.

    Zu empfehlen aus der Politregie der Russischen Talk-Shows wären :

    Werktags täglich von 13 Uhr 15 bis 14 Uhr 10 : " Die Zeit wird es richten " mit Tolstoj

    Sonntags, Donnerstags ab 20 Uhr : Talk-Show mit Wladimir Solowjow

    Die Politsendungen " Struktur des Momentes " und " Spezial-Korrespondent".

    Wenn sie mal in diese Sendungen hineinschauen, werden sie sich mit ihren Kommentaren ziemlich schäbig vorkommen, zumal dort permanent Gäste ( ca. 30 % der Eingeladenen ) von der Opposition und von den Opponenten einfinden.

    Die Opponenten kommen überwiegend aus der Ukraine, den USA, auch Gäste aus Deutschland und Polen sind öfters dabei.

    Lügen haben kurze Beine.

    Allerdings sollte man der Russischen Sprache mächtig sein, um die Polit-Tals zu kapieren.

    Bei Ihnen sehe ich schwarz.

  • >> „Was heißt Hetze?“ >>

    Diese Sendung, mit restlos überforderten Jauch ( für Politsendungen ist der Stuhlhocker des RTL nun mal absolut ungeeignet, zumal er ahnungslos nur in seinen Zetteln blättert, die ihm die Redaktion wohl auf den Weg gibt, Jauch ist ein Armutszeugnis der deutschen Tal-.Show-Politdilettanten ) war ein Paradebeispiel einer Propaganda-Jauche des übelsten Ausmaßes.

    Dem Deutschen Publikum 10 ermordeten Russen zu präsentieren, mit klarer Absicht diese Morde der politischen Führung Russlands unterzujübeln, ist quasi eine politische Provokation.

    Der Dilettantismus einer ARD-Korrespondentin mit 15-jähriger Russlandserfahrung sprengt dabei alle Grenzen.

    Ihre UNVERSCHÄMTE Behauptung, in den Russischen Medien werden niemals bei Livesendungen Opponenten zugelassen, ist eine propagandistische LÜGE !

    Im Russischen TV z.B. läuft ab 13 Uhr 20 bis ca. 14 Uhr 10 TÄGLICH die Livesendung "Die Zeit wird es richten ". An dieser Talk-Show nehmen permanent mindestens 30 % Opponenten aus der Ukraine, USA, Deutschland, Polen, etc. Teil.

    Und bekunden ganz offen ihre konträren Meinungen zum Ukraine-Konflikt.

    Die Tochter von Nemzow einzuladen, die keinen blassen Schimmer von der Realpolitik hat, war auch eine Unverschämtheit.

    Sie kann ja gar nicht unvoreingenommen von ihrem Vater berichten und somit hat sie sich auch auf Erfindungen der Ukrainischen Propaganda gestützt.

    Man hätte eher die Nobel-Nutte aus der Ukraine bemühen sollen, die eine Echte Zeugin darstellte.

    Kasparow ist auch ein Pseudo-Oppositioneller, so ähnlich wie Klitschko in der Ukraine. Vollmundig und ahnungslos.

    Die Gäste-Auswahl, bis auf den sachkundigen Platzek, war katastrophal.

    Auch die 2 eingeladenen Russen waren bei weitem nicht repräsentativ.

    Kondratjew, ein Urgestein der Sowjetunion und ein krimineller Neudieb und Neureicher Koch können ja nicht objektiv und qualifiziert die Situation in Russland einschätzen.

    Summasummarum :

    die Sendung war Propagandistischer Mist !

  • Was für ein Niveau! "Wir haben keine ermordeten Putinfreunde gefunden" Wo hast Du denn gesucht?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%