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Hackerangriffe „Gegen Chinas böswillige Cyberaktivitäten“: USA schmieden Allianz mit Europa und Japan

Washington und die EU machen gemeinsam Druck auf Chinas Regierung, Hackerangriffe abzustellen. Die USA sprechen von wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe.   
19.07.2021 Update: 19.07.2021 - 13:11 Uhr Kommentieren
EU und USA schließen sich im Kampf gegen Cyberkriminalität zusammen. Quelle: dpa
US und EU-Fahnen

EU und USA schließen sich im Kampf gegen Cyberkriminalität zusammen.

(Foto: dpa)

Washington, Peking, Brüssel In den vergangenen Monaten hatten die USA vor allem russische Hackerangriffe scharf verurteilt und Sanktionen gegen Moskau verhängt. Jetzt rückt China in den Fokus des globalen Cyberkriegs: An diesem Montag verbündet sich Washington erstmals im Rahmen einer internationalen Koalition gegen chinesische Cyberattacken.

Teil des Bündnisses seien neben den USA die Europäische Union, die Nato und Japan, teilte das Weiße Haus mit. Die Länder der amerikanischen Geheimdienstallianz („Five Eyes“) - Australien, Neuseeland, Kanada und Großbritannien - hätten sich ebenfalls angeschlossen.

„Unsere Verbündeten und Partner schließen sich gegen Chinas böswillige Cyberaktivitäten zusammen“, sagte ein hochrangiger US-Regierungsbeamter am Sonntagabend. Die Angriffe, die die USA China vorwerfen, seien „eine große Bedrohung für die wirtschaftliche und nationale Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten“.

Sinn und Zweck der Koalition soll es sein, „den Informationsaustausch zu Cyberbedrohungen und zur Netzwerkabwehr zu verbessern und zu erhöhen“, erklärte der Beamte. „Die USA und unsere Verbündeten und Partner schließen weitere Maßnahmen nicht aus, um die Volksrepublik China zur Rechenschaft zu ziehen“, fügte er hinzu. Unklar blieb, welche konkreten Strafen damit gemeint sind. 

US-Präsident Joe Biden hatte zuletzt auf dem G7-Gipfel und dem EU-Treffen im Juni den diplomatischen Druck auf China erhöht. Das westliche Militärbündnis Nato erneuerte anschließend seine Leitlinien zur Cyberabwehr

US-Regierung macht China für Attacke auf Microsoft verantwortlich

Erstmals beschuldigte Washington offiziell und ausführlich das chinesische Ministerium für Staatssicherheit (MSS), für den Hackerangriff auf Microsoft im Frühjahr verantwortlich zu sein. Die Attacke sei „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ aus dem MSS gesteuert worden, so der Beamte des Weißen Hauses. „Das MSS setzt kriminelle Vertragshacker ein, um weltweite Cyberoperationen durchzuführen, teilweise zum eigenen finanziellen Gewinn.“

Die EU geht nicht so weit wie die Amerikaner. In einer Mitteilung des europäischen Rates heißt es, man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Attacken von chinesischem Territorium aus gesteuert wurden. Es sei dabei um Spionage und den Diebstahl geistigen Eigentums gegangen. Davon, dass ein Ministerium direkt für die Angriffe verantwortlich sei, steht in der EU-Mitteilung nichts.

China hat in der Vergangenheit stets bestritten, Cyberattacken gegen andere Staaten zu fahren und entsprechende Berichte als von den USA gesteuert dargestellt. „China ist eines der größten Opfer von Cyberangriffen und ein überzeugter Befürworter der Cybersicherheit“, sagte Liu Pengyu, ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington in einer per E-Mail an das Portal Cyberscoop. Chinesische Staatsmedien beschuldigen ihrerseits die USA, Hackerangriffe gegen die Volksrepublik durchzuführen.

Die größten Hackerangriffe der vergangenen Monate, unter anderem auf die Colonial-Ölpipeline in den USA, wurden von russischen Cyber-Kriminellen verübt. Doch nach Angaben der US-Regierung richteten chinesische Hacker ebenfalls erheblichen wirtschaftlichen Schaden an: Das Weiße Haus sprach am Montag von „Milliarden von Dollar an verlorenem geistigem Eigentum, sensiblen Informationen, Lösegeldzahlungen und Schutzmaßnahmen."

Parallel kündigte das US-Justizministerium Anklagen gegen vier mutmaßliche Hacker aus dem MSS an. Ihnen wird unter anderem „Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen" sowie "Forschungserkenntnisse zum Ebola-Impfstoff" vorgeworfen. Damit hätten die Hacker auch die „öffentliche Gesundheit" gefährdet - ein Hinweis, der in der Covid-Pandemie zusätzliche Brisanz erhält.  

Ein großer Cyberangriff auf Microsoft und seine Email-Software traf offenbar zahlreiche Unternehmen, Schulen und Behörden – auch in Deutschland. Quelle: AP
Microsoft-Gebäude

Ein großer Cyberangriff auf Microsoft und seine Email-Software traf offenbar zahlreiche Unternehmen, Schulen und Behörden – auch in Deutschland.

(Foto: AP)

Im März hatten Hackergruppen die E-Mail-Software von Microsoft (Microsoft Exchange) angegriffen. Laut Chris Krebs, dem früheren CISA-Direktor, wurden dabei über 60.000 Organisationen in den USA und mindestens 280.000 Benutzer weltweit gehackt. Betroffen waren Militär-Vertragsunternehmen, Universitäten, Verwaltungen, Thinktanks, Wissenschaftler und Firmen vieler Branchen. 

Verschiedene US-Behörden, darunter die Bundespolizei FBI, die Cyberabteilung des Heimatschutzministeriums (CISA) und die Geheimdienstbehörde NSA, warnten am Montag in einem Gutachten vor „zunehmend raffinierten“ Aktivitäten Chinas. Chinesische Hacker hätten es „aggressiv“ auf westliche Verteidigungs- und Halbleiterunternehmen, medizinische Einrichtungen und Universitäten abgesehen, heißt es darin.

Sie würden sensible Firmendaten, geistiges Eigentum und personenbezogene Informationen stehlen. Die Aktivitäten seien gezielt gegen „Personen aus Politik, Wirtschaft, Militär, Bildung und kritischer Infrastruktur“ gerichtet. „Diese Cyberoperationen unterstützen Chinas langfristige wirtschaftliche und militärische Entwicklungsziele“, so die US-Behörden. 

Warnung an Privatwirtschaft

Die internationale Allianz und das Gutachten der US-Regierung sollen zum einen diplomatischen Druck gegen China aufbauen. Zugleich ist die Offensive als Unterstützung für Unternehmen gedacht, die von Hackerangriffen und Wirtschaftsspionage betroffen sind.

Die US-Regierung beschreibt in ihrem Gutachten „50 Taktiken, Techniken und Verfahren“, die von chinesischen „staatlich geförderten Cyberakteuren verwendet werden“, hieß es aus dem Weißen Haus weiter. Das solle potenziell betroffenen Firmen dabei helfen, sich besser gegen Hackerangriffe zu wappnen.  


Mehr: US-Regierung warnt vor Geschäften in der chinesischen Provinz Xinjiang

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