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Handelsbeziehungen Der Streit zwischen China und Australien eskaliert – was Deutschland daraus lernen kann

Durch einen Tweet erreicht die Beziehung der Länder einen Tiefpunkt. Experten raten Deutschland und der EU, Konfrontationen überlegt anzugehen.
30.11.2020 - 15:17 Uhr 1 Kommentar
China liegt mit mehreren Staaten im Clinch. Quelle: dpa
Passant in Peking

China liegt mit mehreren Staaten im Clinch.

(Foto: dpa)

Peking Am Montag ist der Konflikt zwischen China und Australien weiter eskaliert. Grund war ein Tweet des Sprechers des chinesischen Außenministeriums. Er hatte ein manipuliertes Foto eines australischen Soldaten getwittert, der lachend einem Mädchen mit Kopftuch eine blutige Klinge an den Hals hält. Auf dem Bild die Zeile: „Keine Angst, wir kommen, um Frieden zu bringen.“

„Schockiert von der Ermordung afghanischer Zivilisten und Gefangener durch australische Soldaten“, schrieb der chinesische Außenamtssprecher zu dem Bild.

Australien reagierte empört. Premierminister Scott Morrison verlangte eine Entschuldigung von Peking. Der Tweet sei „widerlich“, sagte Morrison am Montag vor Reportern in Canberra. „Die chinesische Regierung sollte sich für diesen Beitrag sehr schämen“, so Morrison. Der Tweet werde Chinas Ansehen in der Welt schmälern.

Worum es bei dem Streit geht

Schon seit Jahren gibt es immer mehr Differenzen zwischen Australien und seinem wichtigsten Exportzielland China. Bereits im Jahr 2018 verschlechterten sich die Beziehungen, als Canberra das chinesische IT-Unternehmen Huawei vom Bau seiner 5G-Netze ausschloss.

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    Ein Vorstoß Australiens Anfang dieses Jahres ließ die Situation jedoch eskalieren: Canberra forderte als erstes Land eine unabhängige Kommission zur Untersuchung des Ursprungs des Coronavirus. Obwohl sich auch andere Staaten später dieser Forderung anschlossen, sah die chinesische Regierung das australische Vorgehen als Affront und überzieht das Land seitdem mit Handelsbarrieren für seine Produkte.

    Warum der Streit auch für Deutschland relevant ist

    Auch zwischen Deutschland und China nehmen die Konflikte zu. So verurteilt Berlin Pekings Vorgehen in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong sowie die heftigen Menschenrechtsvergehen an der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Region Xinjiang. Zudem stört sich die Bundesregierung an dem noch immer fehlenden fairen Marktzugangsbedingungen für deutsche Unternehmen in China.

    Das, was derzeit zwischen Australien und China passiere, zeige, so Hanns-Günther Hilpert, Leiter der Forschungsgruppe Asien bei der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), dass eine politische Konfrontation mit China schmerzliche ökonomische Folgen haben könne. „China zeigt brachiale Entschlossenheit in der Bereitschaft, die eigene wirtschaftliche Macht für politische Zwecke einzusetzen“, so Hilpert.

    Erst Ende November hat Peking Anti-Dumping-Maßnahmen gegen australischen Wein verhängt und Weinimporte mit einem Zoll von mehr als 200 Prozent belegt. China ist der größte Exportmarkt für australischen Wein. Auch gegenüber Deutschland hat China bereits mit Konsequenzen für die deutsche Autowirtschaft gedroht, sollte Huawei nicht das deutsche 5G-Netz ausstatten können.

    Was Deutschland aus dem Vorfall lernen kann

    Auch wenn Experten Chinas Reaktion kritisieren, sehen sie Fehler im australischen Vorgehen. James Laurenceson, Professor für Wirtschaft und Direktor des Australia-China Relations Institute (ACRI) an der University of Technology in Sydney, wirft Canberra „ungeschickte Diplomatie“ bei der Forderung für eine unabhängige Untersuchung des Ursprungs des Coronavirus vor.

    „Hätte Australien abgewartet und am Vorschlag der Europäischen Union mitgearbeitet, der schließlich auf der Weltgesundheitsversammlung (WHA) auf ungeteilte Zustimmung stieß“, so Laurenceson, „hätte es dasselbe politische Ziel erreichen können, ohne die Beziehungen zu China weiter zu belasten“.

    Auch SWP-Asien-Experte Hilpert rät Deutschland und Europa dazu, aus den Ereignissen zu lernen. „Wollen Deutschland und Europa sich nicht einschüchtern lassen und weiterhin eigene Interessen gegenüber China verfolgen, sollten sie (notwendige) Konfrontationen beziehungsweise Auseinandersetzungen mit China überlegt angehen“, so Hilpert. Das bedeutet: Ein Streit sollte nicht begonnen werden, um der öffentlichen, china-kritischen Meinung zu gefallen.

    Auch sollte, so Hilpert, nicht der Anschein entstehen, man lasse sich durch die USA instrumentalisieren. Vielmehr sei klar zu kommunizieren und auch zu belegen, dass es sich um deutsche oder europäische Interessen und Werte handele, für die man gegen China auftritt.

    Wichtig sei auch die Schlussfolgerung, so Hilpert, dass es besser ist, China nicht isoliert gegenüberzustehen. Wichtig sei eine gemeinsame europäische Haltung. „Wenn es um gemeinsame Interessen geht, sollte auch der Schulterschluss mit den USA, möglichst auch mit gleichgesinnten G20-Staaten gesucht werden“, so Hilpert.

    Mehr: Was die neue asiatische Freihandelszone für deutsche Unternehmen bedeutet

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    1 Kommentar zu "Handelsbeziehungen: Der Streit zwischen China und Australien eskaliert – was Deutschland daraus lernen kann"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • „China zeigt brachiale Entschlossenheit in der Bereitschaft, die eigene wirtschaftliche Macht für politische Zwecke einzusetzen“, so Hilpert. Mal im Erst und frei jeder ideologischen Verbrämung: Ist das bei den USA Stichwort in Bezug auf Deutschland nur z.B. Nordstream II, ansonsten gibt es hunderte Stichwörter, anders?

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