Handelsblatt Insight: Joseph Stiglitz: „Wir erleben eine Krise in einer völlig neuen Dimension“
Der Ökonom sieht die Weltwirtschaft vor einer Zäsur.
Foto: Imago, Reuters, BloombergJoseph Stiglitz liebt es zu reisen. Lange Zeit hinderte die Pandemie den wohl bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler der USA daran. Jetzt zieht es den Ökonomie-Nobelpreisträger wieder zu den Menschen – vor allem auch jenseits der amerikanischen Grenzen. Derzeit ist Stiglitz in Europa mit Stationen in Brüssel und Paris. Er ist damit auch näher am Krieg in der Ukraine, der von den USA aus betrachtet doch weit weg ist.
Dass ein Krieg in Europa 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt noch möglich ist, das schockiert den New Yorker. Auch die Folgen für die Weltwirtschaft ließen sich in ihren Dimensionen noch gar nicht abschätzen. Die Risiken vor allem auch für die Schwellenländer seien enorm.
Herr Stiglitz, wir haben die Folgen der Pandemie noch nicht überwunden, nun folgt der Krieg in der Ukraine. Was bedeutet das für die Weltwirtschaft?
Nun, die gute Nachricht ist: Die russische Wirtschaft ist klein und nicht sehr integriert in die globalen Lieferketten – mal abgesehen von den Energie-Exporten und ein paar anderen Rohstoffen wie Nickel. Wir sind also nicht besonders abhängig von Russland. Produkte aus Russland können zumindest in den USA schnell und einfach durch andere ersetzt werden. Außerdem können Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Venezuela und der Iran ihre Ölförderung deutlich ausbauen und den Wegfall der russischen Lieferungen kompensieren.