Handelsblatt-Umfrage Mehrheit der Deutschen für ESC- und EM-Boykott

Dürfen Politiker den Song-Contest in Baku oder EM-Spiele in der Ukraine besuchen? Die Deutschen haben dazu eine klare Meinung. Das gilt auch für die Frage, wie sich Sportler oder Künstler verhalten sollten.
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Häftling mit Handschellen: Darf man feiern, wenn die Opposition unterdrückt wird? Quelle: dpa

Häftling mit Handschellen: Darf man feiern, wenn die Opposition unterdrückt wird?

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Diskussion kommt zuverlässig vor jeder Großveranstaltung in einem autoritären Staat auf: Sollten sportliche oder kulturelle Ereignisse in einem Regime stattfinden, das gegen Menschenrechte verstößt? Kritiker befürchten, dass Diktatoren und Potentaten von dem Glanz profitieren, den eine Fußball-Europameisterschaft, Olympische Spiele oder der Eurovision-Song-Contest einem Land bringen können. Befürworter von Großereignissen in autoritären Regimen verweisen dagegen darauf, dass solche Veranstaltungen durch die große mediale Aufmerksamkeit nicht nur dem Regime, sondern auch der unterdrückten Opposition eine Bühne bieten können.

Auch im Vorfeld des Eurovisison-Song-Contests (ESC) in Aserbaidschan gab es heftige Diskussionen - und vehemente Kritik von Menschenrechtlern. „Der ESC ist für die Mehrheit der Bürger in Aserbaidschan kein Glück“, sagte etwa die prominente Bürgerrechtlerin Lejla Junus und verwies auf Festnahmen von Regierungskritikern. Außerdem seien dutzende Menschen zwangsenteignet worden, um Platz für die eigens errichteten pompösen Neubauten zu schaffen.

Ähnlich wie Junus sieht auch eine Mehrheit der Deutschen kulturelle oder sportliche Großveranstaltungen in Autokratien kritisch. 69 Prozent lehnen es generell ab, solche Veranstaltungen an autoritär regierte Länder zu vergeben. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Mafo exklusiv für Handelsblatt Online erhob. Noch deutlicher war die Meinung der 1000 Befragten in der Debatte, ob westliche Politiker Großereignisse in autoritären Regimen besuchten sollten: 71 Prozent würden es lieber sehen, wenn ihre Volksvertreter zu Hause blieben.

Die Möglichkeit, zu Hause zu bleiben, haben Sportler und Künstler nicht. Doch auch sie müssen sich der Frage stellen, ob sie sich bei ihren Auftritten in autoritären Staaten für Menschenrechte starkmachen wollen, oder ob sie sich aus politischen Fragen heraushalten. Der Hip-Hopper Thomas D, Jurypräsident bei der deutschen Vorentscheidungsshow „Unser Star für Baku“, hatte sich im Vorfeld des ESC gegen eine zwanghafte Politisierung des Wettbewerbs ausgesprochen. „Wenn nicht der Künstler selber sagt, ich bin ein politischer Musiker, dann soll er auch nicht zum Instrument der Politik werden“, hatte der 43-Jährige gesagt.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen sieht das anders: 89,9 Prozent sind laut der Handelsblatt-Online-Umfrage der Meinung, dass Sportler und Künstler sehr wohl für Menschenrechte Position beziehen sollten, wenn sie in autoritären Ländern auftreten.

Auch bei der Frage nach Wirtschaftssanktionen gibt es ein klares Stimmungsbild: 77 Prozent der Befragten halten es grundsätzlich für richtig, wenn dieses Instrument eingesetzt wird, um Menschenrechte zu stärken.

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11 Kommentare zu "Handelsblatt-Umfrage: Mehrheit der Deutschen für ESC- und EM-Boykott"

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  • Thomas D.sollte zugeben, dass er aus Geld- und Geltungsgeilheit nach Baku fährt! Er verhält sich zynisch mit der Bemerkung, wenn er von "zwanghafter Politisierung" spricht, wenn im gleichen Augenblick, wo er das sagt, Menschen niedergeprügelt und in Foltergefängnisse geschleift werden! Mein Vorschlag: Einfach nicht einschalten, wäre das nicht eine schöne Schlagzeile:
    "Einschaltquote 1 Prozent"??? Peter "Lupus" Wolff

  • Thomas D.sollte zugeben, dass er aus Geld- und Geltungsgeilheit nach Baku fährt! Er verhält sich zynisch mit der Bemerkung, wenn er von "zwanghafter Politisierung" spricht, wenn im gleichen Augenblick, wo er das sagt, Menschen niedergeprügelt und in Foltergefängnisse geschleift werden! Mein Vorschlag: Einfach nicht einschalten, wäre das nicht eine schöne Schlagzeile:
    "Einschaltquote 1 Prozent"??? Peter "Lupus" Wolff

  • ganz Ihrer Meinung!

  • Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und vor allem Olympia ist nach wie vor ein Treffen für die Funktionäre und deren Anhang. Was ist übrigens aus den Sportstätten von Olympia in Athen geworden? H at ehemals viel, sehr viel Geld gekostet.... WER hat bezahlt? Das gleiche auch bei den Sportstätten in Südafrika (Fußball WM). Wie lange soll der ganze Olympia Quatsch, der ja Milliarden verschlingt in dieser Dimension weitergehen? Ich habe nichts gegen WM`s, EM´s oder Olympia - aber ich habe generell etwas gegen die hohen Kosten, die diese Unternehmen verschlingen.

  • Schade ich hätte mich auf die Ankündigung zu Beginn der Partie gegen Polen um 17:45 Uhr am Nachtmittage gefreut.

  • Hat nix zu sagen. Die Mehrheit der Deutschen war auch gegen den Euro und gegen Invasionstruppen in Afghanistan und im Kosovo. Man redet sich bei den Großkopferten dann bei gegenteiligen Entscheidungen damit raus, daß das Volk ein großer dummer Lümmel sei, den man zum Glück zwingen muß. Und daß die Deutschen in der Mehrheit tatsächlich irgendwie pflegebedürftig sind, zeigen allein schon die Beliebtheitswerte der Kanzlerdarstellerin.

  • Deutschland sollte lieber den ESM boykottieren, das ist um Einiges wichtiger

  • Klingt schlüssig, wie Sie argumentieren. Aber leider sagen Sie nichts dazu, wenn womöglich berechtigte Boykott-Massnahmen auf den Rücken von Künstlern und Sportlern ausgetragen werden, die naturgemäß NICHT primär dazu da sind, sich nach aussen hin politisch aüssern zu müssen.

  • Sie sollten die Leser des Handelsblatts und darunter die Teilnehmer an (ziemlich sinnfreien) Online-Umfragen nicht mit einer repräsentativen Stichprobe verwechseln: Über die Meinung "Deutschlands" bzw. "der Deutschen" erfahren Sie so gar nichts. Ihre Überschrift empfinde ich als grob irreführend und die Schlußfolgerungen im Artikel ebenso. Haben Sie nichts Vernünftiges zu berichten?

  • Die Olympiade in China war eine Schande ! Als Konsument habe ich korrekt gehandelt. Audi hatte die Kampagne für Tibet finanziert. Fortan habe ich Audi aus der EInkaufliste gestrichen.
    Als Konsumenten müssen wir realisieren, was wir mit unseren Einkäufen oder Kaufverweigerungen erreichne können.
    Auf Politiker war und ist kein Verlass.
    ESC und EM müssen für Demokraten tabu sein !
    Nicht hinfahren, TV aus schalten und keine Fanartikel kaufen.
    Dann knicken die Werbeeinnahmen ein, die Hotels bleiben leer und die Investoren hätten sich verzockt.
    Nur so können diese Diktatoren lernen was Demokratie bedeutet.
    Allen Fussballfans empfehle ich als Ersatz ein Freundschaftspiel mit dem Nachbardorf zu organisieren.
    Das ist meine Bitte.

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