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Handelskonflikt Indien kontert Donald Trump mit neuen Zöllen

Indien und die USA überziehen sich gegenseitig mit neuen Zöllen. Dabei versuchen eigentlich beide Länder, gemeinsam ein Gegengewicht zu China zu bilden.
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Zwischen Indien und den USA bahnt sich ein Handelsstreit an. Quelle: AP
Narendra Modi (links) und Donald Trump

Zwischen Indien und den USA bahnt sich ein Handelsstreit an.

(Foto: AP)

Bangkok Mandeln, Äpfel, Walnüsse – die Warenliste aus Indien klingt wie das Rezept für einen Obstkuchen. Doch hinter ihr verbergen sich in Wahrheit die Zutaten für einen handfesten neuen Handelsstreit.

In diesen Produktkategorien ist Indien für US-Hersteller nämlich einer der größten Abnehmer. Doch die guten Geschäfte stehen nun vor einem spürbaren Dämpfer. Die Regierung in Neu-Delhi hat am Sonntag Sonderzölle für Lieferungen aus Amerika in Kraft gesetzt – auch 25 weitere Gütergruppen sind davon betroffen.

Hintergrund ist ein neuer Handelskonflikt, mit dem die Amerikaner nun in Asien zu kämpfen haben. Während die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Hoffnung schürt, beim G20-Gipfel Ende des Monats eine Annäherung mit China zu erzielen, geht der Streit mit Indien erst richtig los.

Der Versuch des kürzlich wiedergewählten indischen Regierungschefs Narendra Modi, die schwächelnde Wirtschaft des Subkontinents wiederzubeleben, wird dadurch schwieriger. Dennoch scheint Modi nicht vorzuhaben, den Amerikanern einfach nachzugeben.

Auslöser der aktuellen Zuspitzung: Trumps Entscheidung, Anfang Juni bislang geltende Zollvergünstigungen für Indien zu streichen, nach denen der Subkontinent Waren im Wert von knapp sechs Milliarden Dollar zollfrei in die USA einführen durfte. Trump begründete dies mit seinem Vorwurf, Indien würde unfaire Hürden für amerikanischen Unternehmen bei Geschäften auf dem Subkontinent aufstellen – jüngstes Beispiel dafür sind Regeln, die US-Konzerne wie Amazon oder Visa deutlich stärker treffen als lokale Firmen in Indien.

Die indische Regierung nannte die Entscheidung der USA bedauernswert und betonte, die nationalen Interessen bei Handelsfragen nicht aufgeben zu wollen. Die nun eingeführten Sonderzölle sind zwar zumindest offiziell keine unmittelbare Reaktion auf diesen Schritt. Dass sie nur wenige Tage nach dem Auslauf der US-Vergünstigungen erhoben werden, weckt aber klar den Eindruck, dass es sich um Vergeltung handelt.

Ursprünglich hatte Indien die Zölle bereits im vergangenen Jahr angedroht, nachdem Trump die Importabgaben für Stahl und Aluminium aus Indien erhöht hatte. Ein Jahr lang verzichtete Modi aber darauf, sie in Kraft zu setzen – offenbar um guten Willen bei Handelsgesprächen zu zeigen.

Wirtschaftliche Auswirkungen überschaubar

Die Zeit des guten Willens scheint nun vorüber. Ein echter Handelskrieg ist die Auseinandersetzung aber noch nicht – wohl eher ein Scharmützel. Denn die wirtschaftlichen Auswirkungen sind derzeit noch überschaubar. Indiens Handelsminister Piyush Goyal hatte bereits betont, dass es sich bei den Maßnahmen der USA um keine Frage von Leben und Tod handle. Und auch die nun verhängten Zölle der Inder sind noch zurückhaltend.

Lokalen Medien zufolge werden die Zusatzeinnahmen für die Staatskasse in Neu-Delhi auf rund 220 Millionen Dollar geschätzt – verglichen mit dem Handelsvolumen von zuletzt 142 Milliarden Dollar zwischen den beiden Staaten sind diese Zolleinnahmen eine relativ geringe Summe.

Dennoch wird die Entwicklung punktuell sicher spürbar sein. Indien ist mit Abstand der weltweit größte Abnehmer von Mandeln aus den USA. Das Land erwarb zuletzt ein Volumen im Wert von mehr als einer halben Milliarde Dollar und damit die Hälfte der Gesamtexporte. Bei Äpfeln ist Indien der zweitgrößte Abnehmer.

Indiens Wirtschaft wiederum erwischt der Gegenwind durch Zölle in einer ohnehin bereits schwierigen wirtschaftlichen Phase. Die Arbeitslosigkeit liegt so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Wirtschaftswachstum war im jüngsten Quartal auf den tiefsten Wert seit fünf Jahren eingebrochen.

Die USA und Indien haben bis Ende des Monats nun gleich zwei Möglichkeiten, an einem Ausweg zu arbeiten: Am 24. Juni wird US-Außenminister Mike Pompeo zu Gesprächen in Neu-Delhi erwartet. Kurz darauf sollen Narendra Modi und Donald Trump beim G20-Gipfel in Japan die Möglichkeit zu einem bilateralen Treffen haben.

„Wir sind weiter offen für einen Dialog und hoffen, dass unsere Freunde in Indien ihre Handelshürden fallen lassen und ihrer eigenen Wettbewerbsfähigkeit vertrauen“, sagte Pompeo in einer Rede am Mittwoch. Er hat auch ein sicherheitspolitisches Interesse daran, dass sich der Konflikt mit Indien nicht weiter ausdehnt: Denn die USA sehen den Subkontinent als zentralen Partner in ihrer Indo-Pazifik-Strategie, mit der sie in Asien ein Gegengewicht zu China bilden wollen.

Diese Partnerschaft nicht zu vergessen, fordern auch die indischen Ökonomen Vivek Dehejia und Pravin Krishna: „Indiens langfristige wirtschaftliche und strategische Interessen gehen klar mit einer engeren Bindung an die USA einher“, schreiben sie in einem Zeitungskommentar und kritisieren unbegründeten Protektionismus. Die Entscheidung der indischen Regierung, in den vergangenen Jahren willkürlich Zölle auf bestimmte Güter anzuheben, hätten die Liberalisierungsarbeit der vergangenen Jahrzehnte beschädigt.

Sie verlangen stattdessen Kompromissbereitschaft und sprechen sich dafür aus, Indiens Zollaufschläge einseitig abzubauen. „Das ist gut für die indische Wirtschaft und wird auch bei unseren Handelspartnern gut ankommen – vielleicht sogar bei dem jähzornigen Donald Trump.“

Mehr: Die Handelshemmnisse nehmen weltweit dramatisch zu – das liegt nicht nur an den USA. Unternehmen sollten verstärkt ausländische Märkte erschließen, meint EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström.

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  • Der gute Wille endet, wenn man feststellen muss, dauerhaft ueber den Tisch gezogen zu
    werden.

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