Handelskrieg mit China „Wie du mir, so ich dir“

Im Vorfeld des deutsch-chinesischen Gipfels kritisiert Pekings Top-Ökonom Xu Hongcai Brüssels Handelspolitik und kündigt Vergeltung an. Berlin müsse einen Handelskrieg verhindern.
10 Kommentare
China will fährt im Handelskrieg die Krallen aus.

China will fährt im Handelskrieg die Krallen aus.

PekingHerr Xu, die EU hat Zölle auf Solar- und Netzwerkprodukte aus China angekündigt. Droht nun ein Handelskrieg?
Es besteht durchaus die Möglichkeit. Das wäre allerdings sehr bedauerlich.

Peking hat seinerseits angekündigt, Zölle auf nahtlose Stahlrohre zu prüfen. Ist das als Warnung zu verstehen?

China folgt in der Handelspolitik dem Motto: "Wie du mir, so ich dir." Die Regierung in Peking hält sich jedoch bis jetzt noch sehr zurück und hofft auf eine gütliche Lösung.

Und wenn die sich nicht findet?

Das ist noch nicht ganz klar. China hat jedoch die Möglichkeit zu einem Gegenschlag, wenn die EU hart bleibt. Dann droht ein Teufelskreis von immer höheren Handelshürden auf beiden Seiten. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage wäre das sehr ungünstig. Der Handel zwischen der EU und China ist im vergangenen Jahr bereits gesunken und seit Jahresbeginn erneut zurückgegangen. Der Handel mit den USA, Afrika und anderen Ländern ist dagegen gewachsen.

Welche Motive vermuten sie zu diesem Zeitpunkt hinter dem Konflikt?

Gerade im Falle der Netzwerkausrüster ist mir das Verhalten der EU ein Rätsel. Weder Huawei noch ZTE sind Staatsunternehmen. Von ungebührlichen Subventionen war bisher nichts bekannt. Diese Firmen sind innovativ und verfügen in China über eine kostengünstige Produktionsbasis. Daran ist jedoch nichts verboten. Beide Firmen schaffen auch in Europa Arbeitsplätze.

Der deutsche Wirtschaftsminister hat sich klar gegen die Zölle ausgesprochen. Wie wirkt das Verhalten der europäischen Länder auf Sie?

Es scheint große Systemprobleme zu geben, wenn Brüssel und die großen Mitgliedsländer wie Deutschland und Frankreich nicht mit einer Stimme sprechen. Aus unserer Sicht ist eine EU-Entscheidung dann legitimiert, wenn zumindest Deutschland und Frankreich an einem Strang ziehen. Aber Brüssel scheint zu eigenwilligen Alleingängen zu neigen.

„Deutschland sollte Freihandel unterstützen“
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10 Kommentare zu "Handelskrieg mit China: „Wie du mir, so ich dir“"

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  • Wie auch sonst, wer den Wachstum eines Staates mit Zollschranken bestraft, sollte sich nicht wundern wenn die sich wehren.

  • @geostratege

    Es kommt immer auf den Kontext an, lieber geostratege.
    Es nützt nichts einfach zu sagen, noe - is ja nich wahr.
    Und sich Export nur im eigenen nationalen Duktus anzusehen, und nicht im Gesamtzusammenhang, ist genauso kurz gedacht, wie sie es anderen unterstellen.
    Der eigene Exportüberschuß ist der Importüberschuß anderer. Und diese Wechselwirkungen wieder zurück auf die eigene Volkswirtschaft Jahre später, wird man sich schon angucken müssen.
    Auch wenn das nicht in Ihr Bild von der Welt paßt - kann ja vorkommen.

  • @Netshadow: Können Sie nur nichtssagende Kommentare in Massen verfassen und nicht lesen und denken?
    Meine rhetorische Frage war: "Seit wann ist ein Handelsdefizit innerhalb eines Gesamthandelsüberschusses ein Verlust für die Volkswirtschaft? "
    Danach erübrigt sich jede Rechnung!

  • Zölle auf ausgewählte Produkte sind nötig, um bestimmte Industrien nicht ganz sterben zu lassen.
    Historisch ist bereits viel "gestorben" und neu Industrien werden aus China extrem aggressiv subventioniert - mit Gewinnen aus anderen Erlösen.

    Europa hat es so bei neuen Industrien extrem schwer und lebt von den Produkten, die noch ganz gut exportiert werden können.

    Es bringt auch nichts, wenn sich nun Branchen gegeneinander ausspielen. Es müssen jeweils Einzelbranchen betrachtet werden. Die Branchen die heute gegen Zölle lärmen, sind später die Lautesten, die Zölle einfordern, wenn es ihre Produkte betrifft und von chinesischen Importen aufgemischt werden.

    Volkswirtschaften müssen sich "breite Mindestkerne" erhalten, um nicht alles Wissen und Fähigkeiten zu verlieren. Lokale Fabriken zu schließen geht fix - gleiche Branchen wieder anzusiedeln, klappt dagegen nicht.

    Natürlich kann nicht alles überleben, wenn die Herstellungskosten große Unterschiede auf der Welt aufzeigen. Aber es können schon "Mindestkerne" geschützt werden - auch durch Zölle.

    Einen freien Handel existiert nicht. Auch in China nicht. Der freie Handel beginnt erst in China zu wirken, wenn es China nützt und nicht schädigt. Vorher ist China gegen jeglichen "freien Handel" und gegen "Schutzgesetze geistigen Eigentums". China denkt dort frei, wo es Technologien (noch) benötigt.

    Bei Solarzellen gleich von einem Handelskrieg zu sprechen, ist purer Schwachsinn und von großem Kleinkindegoismus geprägt. Europas Zölle fallen sehr verhalten aus. Das Instrument wird sorgsam und sehr verhalten eingesetzt.

    Ein bißchen muss Europa auch bleiben, damit die Volkswirtschaften der EU die vielen Importe aus China bezahlen können. Nur auf Pump ist ein Konsumleben nicht finanzierbar. Auch dass muss Asien bedenken.

  • und wo ist Ihre Gegenrechnung?

  • Jammern und nach Freihandel rufen aber....

    "Agrarprodukte sind ein Schlüsselaspekt. Europas Landwirtschaft ist sehr stark. Auf lange Sicht wird China seinen Agrarmarkt öffnen, aber das wäre ein langer Prozess."

    "Finanzstabilität ist für China und die Welt sehr wichtig. China muss hier sehr vorsichtig handeln, weil Chinas Finanzmarkt noch nicht reif ist."

    Zum ersten mal kann ich mich fuer die Bruessler-Bande, zumindest ein wenig, begeistern. Gut, wenn endlich harte Bandagen aufgezogen werden. Freier Wettbewerb ist fuer die Chinesen ein Fremdwort.

  • Ganz selten habe ich einen solchen Oberquatsch über China Export-Import Berechnung gelesen!
    Seit wann ist ein Handelsdefizit innerhalb eines Gesamthandelsüberschusses ein Verlust für die Volkswirtschaft? Bitte verschonen Sie uns HB-Leser zukünftig mit derartigen (vorsichtig ausgedrückt!) "Milchmädchenrechnungen" und/oder überlassen Sie das den ebenso unwissenden per Zeilen bezahlten "Redukteuren" des HB!

  • Gut, dass sich das die Chinesen nicht bieten lassen. Die Preistreiberei der letzten Jahrzehnte innerhalb der EU ist in einem globalen Markt eben nicht ohne Folgen, zumal die Auswirkungen wieder die eigenen Reihen trifft. Aber am meisten trifft's den wehrlosen Bürger bei uns. Die Unternehmen, könnte ich mir vorstellen, werden wohl von der Teuerungsrate wieder befreit, so wie die Stromgrossverbraucher von der EEG-Umlage.

  • "Zum Vergleich: Deutschland zahlt - nach Medienberichten - an Griechenland in 2013 gerade mal 0,733 Mrd. Euro Finanzhilfe. Der Handel mit China ist also ca. dreizehn Mal verlustbringender als die „Solidarität“ mit Griechenland."

    Danke!
    War mir schon lange klar das der deutsche Export-Fetisch auf jeden Fall geschützt werden muß.
    Nicht nur das, alle sollen im Rahmen der "Globalisierung" gefälligst auf diesen Zug aufspringen. Warum eigentlich?
    Um die paar Prozent für die Staatsanleihen durchzureichen?
    Ich kaufe lieber eine Anleihe von einem Land welches in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Lohnstück-Kosten, my ass, Lohndrückerei hat noch kein Land reich gemacht, aber den Ausverkauf von Know-How macht ein Land auf die Dauer arm, zumindest die Bürger selbst, die Exporteure wohl eher nicht.
    Hoffentlich dringt das noch mehr zur EU durch, erstmal den eigenen Stall aufräumen und dann den Schwerpunkt auf Exporte legen, und dann auch zum Wohle aller Beteiligten.
    Alles geht nur bis zu einem gewissen Punkt, wenn geben und nehmen nicht mehr die Waage hält.

  • Das jährliche Handelsdefizit mit der VRC beträgt laut Bericht für Deutschland in 2012 ca. 10 Mrd. Euro. Wenn man sich die lange Zeitreihe - seit 1971 - beim Statistischen Bundesamt anschaut, hat Deutschland im China-Handel einen Verlust von ca. 185 Mrd. Euro „erwirtschaftet“.
    Man kann daher sagen: Mehr Freihandel führt zu mehr Wohlstand, in China!
    Eine rationale Außenwirtschaftspolitik müsste die Handelsbeziehungen aus nationalem Interesse sofort einstellen, da Deutschland als Volkswirtschaft Verluste macht, oder aber zumindest durch Zölle einen Null-Saldo erzwingen, um weiteren Schaden abzuwenden.
    Für die EU als ganzes sehen die Zahlen noch schlechter aus. Es ist daher verständlich, wenn die EU nach Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung sucht.
    Es ist übrigens „interessant“, dass die Deutsche Politik und Medienöffentlichkeit diese Zahlen seit Jahrzehnten ignorieren, die Finanzhilfen für Griechenland aber in reißerischer Weise thematisiert werden. Zum Vergleich: Deutschland zahlt - nach Medienberichten - an Griechenland in 2013 gerade mal 0,733 Mrd. Euro Finanzhilfe. Der Handel mit China ist also ca. dreizehn Mal verlustbringender als die „Solidarität“ mit Griechenland.

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