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Volkswagen-Produktion in Mexiko

Die Marke VW baut in Mexiko jährlich bis zu 420.000 Fahrzeuge verschiedener Modelle.

(Foto: dpa)

Handelspolitik Für VW und BMW könnte der Deal zwischen den USA und Mexiko massive Folgen haben

Das überarbeitete Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko setzt die deutschen Autobauer unter Druck. Zudem lässt es Kanada außen vor.
28.08.2018 Update: 29.08.2018 - 01:09 Uhr Kommentieren

Mit dem zwischen den USA und Mexiko abgeschlossenen Handelsabkommen ist es wie mit einem Gebrauchtwagenkauf: Auf den ersten Blick glänzt der herausgeputzte Nachfolger des nordamerikanischen Freihandelsvertrages Nafta. Auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch die überlackierten Roststellen.

So sind denn auch die Kursgewinne an den Börsen und Devisenmärkten nach Meinung von Analysten eher Ausdruck der Erleichterung. „Das Abkommen verhindert einen Handelskrieg, bedeutet in der Summe aber ein gewisses Zurückdrehen der Globalisierung, zumindest in der Industrie“, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. Als Folge dürften etwa nordamerikanische Autos teurer werden. Das werde den Export von US-Autos erschweren.

Tatsächlich versucht Donald Trump, mit dem neuen Abkommen mit Mexiko die globalen Lieferketten im Sinne seiner protektionistischen „America first“-Politik zu verändern. Der US-Präsident drängt darauf, das 24 Jahre alte Nafta-Abkommen neu auszuhandeln, um die Handelsdefizite der USA mit den beiden Nachbarn abzubauen sowie Produktionsstätten und Jobs nach Amerika zurückzuholen.

Dabei ist noch völlig unklar, ob Trump für seinen Mexiko-Deal überhaupt die Zustimmung des US-Kongresses bekommt, was insbesondere dann unsicher ist, wenn Kanada außen vor bleiben sollte.

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    Wirtschaft bleibt skeptisch

    Entsprechend verhalten fallen deshalb auch die Reaktionen der deutschen Wirtschaft aus. Die Einigung wurde begrüßt, aber die Skepsis bleibt. „Bricht der Dreierpakt zwischen den USA, Mexiko und Kanada auseinander, würde dies auch die deutschen Unternehmen in Nordamerika treffen. Denn diese haben dort in Milliardenhöhe investiert und über Jahre umfassende Lieferketten aufgebaut“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

    Grafik

    „Hier herrscht zunächst Unsicherheit statt Erleichterung“, warnte er mit Blick auf Kanada, das dem Deal noch nicht zugestimmt hat. „Die Wertschöpfungsketten in den drei Ländern sind eng verflochten“, sagte auch Bernhard Mattes, der Präsident des Automobilverbandes VDA.

    Die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland brach ihre Europa-Reise ab und flog am Dienstag zu Verhandlungen nach Washington. „Wir werden nur einem neuen Nafta-Vertrag zustimmen, der gut für Kanada ist“, ließ Freeland mitteilen.

    Als Erfolg verbucht Trump die politischen Vorgaben für „local content“ in der Automobilindustrie. Der Mindestanteil für die Wertschöpfung aus Mexiko und den USA soll von 62,5 auf 75 Prozent heraufgesetzt werden. Diese neue Hürde schaffen die deutschen Premiumhersteller heute nicht: Zurzeit liegen Daimler und BMW bei Werten zwischen 60 und 70 Prozent.

    Daimler und BMW am Zug

    Das liegt vor allem daran, dass BMW und Daimler anders als der VW-Konzern keine Motoren im Nafta-Raum produzieren. Die Antriebe beider Premiumhersteller werden in Europa gebaut und in die USA verschifft. Die neuen Vorgaben dürften also auch darauf abzielen, Daimler und BMW zu Investitionen in Motorenwerke in den USA zu zwingen, hieß es aus Branchenkreisen.

    Daimler und BMW produzieren bereits Autos in den USA und errichten zurzeit zusätzlich Werke in Mexiko. Zwar dürften beide Hersteller in den USA die neue Forderung erfüllen, wonach 40 bis 45 Prozent der geleisteten Arbeitsstunden zu einem Durchschnittslohn von 16 Dollar pro Stunde vergütet werden müssen, um in Zukunft weiter Zollfreiheit zu genießen.

    In den in Bau befindlichen Werken in Mexiko dürfte diese Vorgabe aber schwieriger einzuhalten sein. Der Durchschnittslohn beträgt in Mexiko rund zehn Dollar. Das gilt auch für die Zulieferkonzerne wie Bosch oder Continental, die südlich des Rio Grande große Werke unterhalten.

    Noch stärker als die deutschen sind die japanischen Hersteller von der Einigung betroffen. Mit mehr als 1,5 Millionen Autos „made in Mexico“ sind sie die größten Investoren beim südlichen US-Nachbarn. Toyota zeigte sich „sehr erfreut“ über die Einigung, Nissan „ermutigt“.

    Aber die Konzerne sorgen sich noch um die Details des Deals und die Folgen für ihre  Geschäfte. „Wir werden gründlich alle Konsequenzen der Veränderungen von Nafta studieren, inklusive der Local-content-Anteile, bevor wir überlegen, wie wir angemessen reagieren“, teilte ein Mazda-Sprecher mit.

    „Viel einfacher, viel besser“ – Das ist Trumps Freihandels-Deal mit Mexiko

    Die neuen Abmachungen würden zwar bessere Bedingungen für die USA herausschlagen wie einen höheren lokalen Anteil und eine größere Zahl höher bezahlter Arbeiter, urteilt Christopher Richter, Autoanalyst von CLSA in Tokio. Den Investitionen der Japaner in Mexiko sei damit aber noch nicht die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

    Am größten dürften die Sorgen in Kanada sein, das nach dem amerikanisch-mexikanischen Deal plötzlich isoliert ist. Mit den Vereinbarungen zur Autoindustrie – sowohl, was die Herkunft der Autoteile, als auch, was die Lohnvereinbarungen angeht – kann Kanada nach ersten Bewertungen leben. Flavio Volpe, Präsident des Verbandes der Autoteilehersteller Kanadas, meinte, sie seien „für die Industrie praktikabel“.

    Auch die von Kanada vehement abgelehnte Forderung der USA, eine „sunset clause“ von fünf Jahren in den Vertrag aufzunehmen, wurde deutlich abgeschwächt. Das überarbeitete Nafta-Abkommen würde 16 Jahre lang gültig bleiben.

    Nach sechs Jahren würden die Länder es überprüfen und entscheiden, ob es aktualisiert oder geändert werden müsse. Anschließend würden sie entweder beschließen, ein neues 16 Jahre dauerndes Abkommen einzuführen, oder der Pakt liefe aus. Das mag den Kanadiern nicht gefallen, ist aber vermutlich kein Grund, sich einem trilateralen Abkommen fernzuhalten.

    Kanada unter Druck

    Dennoch sieht Ottawa sich einem immensen Druck ausgesetzt, durch weitere Konzessionen eine Vereinbarung mit den USA zu erreichen. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sprach bereits mit Trump über die neue Lage.

    Kritik kam von der konservativen Opposition: „Kanada sieht von außen zu, während kanadische Arbeitsplätze in der Schwebe sind“, äußerte der Vorsitzende der Konservativen, Andrew Scheer, in einem Tweet. Der US-Präsident sitzt nach dem Deal mit Mexiko jetzt am längeren Hebel und hat bereits deutlich gemacht, wie er die Lage sieht: „Entweder wird es Zölle auf Autos geben, oder wir werden einen ausgehandelten Vertrag haben.“

    Damit unterstrich Trump seine Entschlossenheit, auf kanadische Autoexporte in die USA Strafzölle bis zu 25 Prozent zu erheben. Dies würde für die Autoindustrie vor allem in Ontario, die zum größten Teil für den US-Markt produziert, möglicherweise aber auch für Autoteileproduzenten in Kanada, die US-Hersteller beliefern, verheerende Folgen mit möglicherweise massiven Arbeitsplatzverlusten haben.

    Unklar ist auch, wie weit Ottawa die Vereinbarungen über Streitschlichtung akzeptieren kann, was Konflikte sowohl zwischen den beteiligten Staaten als auch zwischen Unternehmen und Nafta-Staaten angeht. Kanada hat sich für die Streitbeilegung durch Sondergerichte eingesetzt, die aber nun offenbar ganz oder teilweise abgeschafft werden sollen.

    Ferner dürften die USA den Druck auf Kanada verstärken, seine stark regulierte Milch- und Geflügelwirtschaft stärker zu öffnen. Trudeau signalisierte hierzu am Dienstag nur einen geringen Verhandlungsspielraum, in dem er einen dauerhaften Schutz der heimischen Milchindustrie versprach. „Meine Position, wenn es um Versorgungsketten geht, hat sich nicht verändert“, sagte Trudeau.

    US-Finanzminister Steve Mnuchin ist dennoch zuversichtlich, bis Ende der Woche auch eine Handelsübereinkunft mit Kanada zu erzielen. „Wir müssen Kanada jetzt schnell an Bord holen“, sagte er dem US-Sender CNBC.

    Trump ist hingegen bereits jetzt mit dem Ergebnis zufrieden und sprach von einem „großen Tag für den Handel“. Besonders scheint sich der US-Präsident darüber zu freuen, dass er den Namen „Nafta“ jetzt in den Papierkorb der Geschichte werfen kann. Hatte er seinen Wählern doch versprochen, dass verhasste Abkommen abzuschaffen.

    Wie beim Gebrauchtwagenkauf ist offenbar auch in der Handelspolitik manchmal das äußere Erscheinungsbild wichtiger als das, was unter der Motorhaube steckt.

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