Cabrios in Gefahr

BMW wird Schätzungen zufolge in diesem Jahr weniger als 16.000 Cabriolets in den USA verkaufen.

(Foto: obs)

Handelsstreit Deutsche Cabrios sind durch Trumps Zölle bedroht

Die von US-Präsident Trump angedrohten Auto-Zölle könnten deutsche Cabrios von den US-Straßen fegen. Die Verkaufszahlen gehen ohnehin stark zurück.
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Detroit/FrankfurtVor seiner Präsidentschaft war Donald Trump stolzer Besitzer diverser deutscher Luxuskarossen. Doch mittlerweile lässt er keine Gelegenheit aus, um auf die deutschen Autobauer zu schimpfen und droht im Handelsstreit mit der EU mit saftigen Zöllen auf Autoimporte aus Europa. Das könnte vor allem den Absatz teurer Cabriolets in den USA abwürgen.

„Sollten die Zölle tatsächlich in Kraft treten, würde dies das Geschäft für viele Nischenmodelle, die wir derzeit in den USA verkaufen, infrage stellen”, sagt ein führender Manager eines Autobauers der Nachrichtenagentur Reuters. „Vor allem Cabrios bereiten uns derzeit Kopfschmerzen. Der Brexit und die US-Tarife könnten diesen Markt weiter schrumpfen lassen.”

Die USA, Großbritannien und Deutschland sind Cabrio-Nationen und die aussichtsreichsten Wachstumsmärkte für die Spaßkarossen. In Asien kommt das offene Fahren wegen Hitze und Smog dagegen nicht gut an. Der US-Handelsstreit und mögliche Zölle im Zuge des EU-Austritts Großbritanniens könnten daher das gesamte Geschäftsmodell zerstören, wenn es um hochpreisige Modelle geht.

Dazu zählen etwa der 88.200 Dollar teure Mercedes SL Roadster oder das S5 Cabriolet von Audi. Die Rechnung ist einfach: Wenn wegen der hohen Preise die Nachfrage sinkt, lohnen sich die Entwicklungs- und Ingenieurkosten einfach nicht mehr für immer kleinere Stückzahlen.

Die Hersteller haben nur eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken: Sie müssen die Herstellungskosten senken, durch Kooperationen oder der Entwicklung preisgünstigerer und massentauglicher Cabrio-Modelle, sagt der Manager. Für Ron Harbour, Berater bei Oliver Wyman, ist eine höhere Flexibilität in der Produktion der Autobauer allerdings erforderlich, um zu bestehen. „Diejenigen, die das nicht haben, werden leiden.”

Der Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) hat sich in den vergangenen Tagen verschärft. Trump drohte am Freitag erneut via Twitter, dass die USA auf europäische Autos einen 20-prozentigen Einfuhrzoll erheben werden, sollte die EU ihre Handelsbarrieren nicht abbauen. Die Europäer hatten zuvor Zusatzzölle auf US-Produkte wie Jeans, Erdnussbutter, Whiskey oder Motorräder verhängt und damit ihrerseits auf die von den USA erhöhten Zölle auf Stahl- und Aluminium reagiert.

Cabrio-Absatz sinkt auch ohne Zölle

„Wir gehen davon aus, dass der Cabrio-Absatz durch höhere Importzölle stark beeinträchtigt wird”, sagt auch Jeff Schuster vom Marktforschungsinstitut LMC Automotive. Nach LMC-Daten geht der Cabrio-Absatz in den USA ohnehin seit längerem zurück: Von 177.000 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2012 auf 127.000 im vergangenen Jahr. Unabhängig von den Einfuhrzöllen erwarten die Experten bis 2019 einen weiteren Rückgang auf 113.000 Stück.

Mercedes wird in diesem Jahr nach Schätzungen von LMC rund 20.000 Cabriolets in den USA verkaufen, BMW weniger als 16.000. Zusammen mit Audi gehören die beiden Konzerne zu den weltweit führenden Cabrio-Herstellern. Sie betreiben Montagewerke im Südosten der USA. Dort gehen aber vor allem Volumenmodelle wie SUVs und Mini-SUVs vom Band wie auch einige Limousinen. Cabrios werden vor allem in Europa produziert - der Mercedes SL Roadster etwa in Bremen, das Audi S5-Cabrio in Neckarsulm.

Dass BMW oder Mercedes die Produktion ihrer Cabrios oder anderer Nischenmodelle von Übersee in die Vereinigten Staaten verlagern könnten um die Zölle zu umgehen, gilt als unwahrscheinlich. „Niemand in diesem Geschäft kann leicht eine Auto-Linie nehmen und sie woanders hin verschieben”, sagt ein US-amerikanischer Produktionsberater, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Sie müssten Ihre Logistikinfrastruktur und ihre Zulieferbasis komplett erneuern.”

Weitere Gefahren durch US-Handelsstreit mit China

Die deutschen Autobauer stehen zusätzlich unter Druck wegen des Handelsstreits der USA mit China, erklärt Autoexpertin Kristin Dziczek von Center for Automotive Research. Die Handelsbarrieren könnten die Konzerne hart treffen, da sie in den USA produzierte Fahrzeuge auch nach Asien exportieren. Hinzukommen höhere Rohstoffpreise als Folge der von Trump verhängten Importzölle auf Stahl und Aluminium.

Ein BMW-Sprecher erklärte, die Entwicklungen würden genau beobachtet und strategische Optionen geprüft. Allerdings spreche die kontinuierliche Erweiterung der Modellpalette im US-Werk in Spartanburg in Süd-Carolina „für die Fähigkeiten und die Flexibilität der Anlage”. In einer Stellungnahme von Daimler hieß es: „Wir glauben an die Vorteile von Freihandel und Wettbewerb.”

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