Handelsstreit EU wird wohl ihre Wachstumsprognose wegen Trumps Strafzöllen nach unten korrigieren

Neue Importzölle gegen China könnten Europas Wachstum bremsen. Was Europa besonders beunruhigt, ist die Tatsache, dass kein Ende des Konflikts absehbar ist.
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Erst vergangenen Freitag trat die erste Tranche amerikanischer Importzölle gegen China in Kraft. Quelle: dpa
USA-China

Erst vergangenen Freitag trat die erste Tranche amerikanischer Importzölle gegen China in Kraft.

(Foto: dpa)

Washington, Peking, BrüsselTeilweise liest sich die Liste chinesischer Waren, die mit US-Strafzöllen belastet werden sollen, kurios. Betroffen sind Handtaschen, Hundeleinen, Alarmanlagen, Fernseher, Fischstäbchen oder Dachshaar. Doch die Sammlung aus 6.031 Kategorien ist der bislang härteste Schlag der US-Regierung gegen China.

Die Produkte könnten ab Ende August mit Zöllen von zehn Prozent belegt werden. Der Gesamtwert des gigantischen Pakets: 200 Milliarden Dollar.

US-Präsident Donald Trump zeigt damit, dass er bereit ist, den Handelskrieg eskalieren zu lassen. Erst vergangenen Freitag trat die erste Tranche amerikanischer Importzölle gegen China in Kraft. Die zweite folgt demnächst, zusammen umfassen sie 50 Milliarden Dollar. China reagierte mit Gegenzöllen in gleicher Höhe. Auch jetzt will Peking nicht zurückweichen.

Die geplanten neuen Zölle seien „vollkommen inakzeptabel“, teilte das chinesische Handelsministerium mit. Man werde Vergeltung üben und Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) einlegen.

Die EU-Kommission fürchtet, dass sich die aggressive US-Handelspolitik gegenüber China negativ auf die europäische Wirtschaft auswirkt. „Wir sind besorgt“, sagte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis. Das Wirtschaftswachstum in Europa drohe sich zu verlangsamen, warnte Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici.

EU-Diplomaten zufolge wird die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose an diesem Donnerstag nach unten revidieren.

Was Europa und andere Handelspartner besonders beunruhigt, ist die Tatsache, dass kein Ende des Konflikts absehbar ist. Trump setzt nicht auf Gespräche, sondern zieht eine Barriere nach der nächsten hoch.

Mit den Zöllen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar, die Washington seit Jahresbeginn verhängt hat, und den angedrohten weiteren in Höhe von 200 Milliarden Dollar sind 13 Prozent aller US-Importe betroffen, rechnet die Denkfabrik Peterson Institute vor. Bald könnten Autozölle dazugekommen, die besonders Deutschland hart treffen würden. Die Entscheidung soll im Juli oder August fallen.

Preisanstieg droht

Während Washington Peking unfaire Handelspraktiken und den Diebstahl geistigen Eigentums vorwirft, ist aus chinesischer Sicht Amerika der Aggressor. „China hat angeboten, mehr zu kaufen und sich zu öffnen. Aber die Amerikaner haben ihr Wort gebrochen“, sagte Liang Ming von der Chinesischen Akademie für Internationalen Handel und Wirtschaftszusammenarbeit. China sei offen für Gespräche.

„Die einfachste Möglichkeit, China den Stecker zu ziehen, ist die Zölle anzuheben“

„Die einfachste Möglichkeit, China den Stecker zu ziehen, ist die Zölle anzuheben“

Bis die Strafzölle in Kraft treten, hätte man zwei Monate Zeit. In früheren Treffen erzielten die Delegationen aus Washington und Peking jedoch keine Einigung.

China kann auf die nächste Runde der US-Strafzölle nicht mehr in gleicher Höhe reagieren. Im vergangenen Jahr exportierte China Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar in die USA. Also müsste China alternative Maßnahmen finden, um sich zu rächen, meint die Chefökonomin der ING-Bank, Iris Pang. Dazu gehören Schließungen von US-Geschäften und eine Begrenzung der in die USA reisenden Touristen.

Zudem könne Peking eine gewisse Anzahl von US-Anleihen verkaufen und somit den Zins hochtreiben. Laut des Asien-Leiters der Economist Intelligence Unit, Duncan Innes-Ker, könnten vor allem US-Firmen wie General Motors, Apple und Caterpillar unter einem Gegenschlag leiden.

Da die geplanten Einfuhrabgaben viele populäre Alltagsprodukte treffen, könnten Trumps Anhänger ablehnend reagieren, hofft man in China. Sollte das 200-Milliarden-Paket greifen, dürften amerikanische Verbraucher tatsächlich steigende Preise erleben. Der Branchenverband National Retail Federation sprach von einer „faktischen Steuererhöhung”. Zölle für ein „derart breites Produktspektrum werden vieles teurer machen“.

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