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Handelsstreit Indonesien droht im Palmölstreit den Europäern mit Boykott

Die EU will den Verbrauch von Palmöl einschränken. Weltmarktführer Indonesien warnt die Europäer vor Konsequenzen – vor allem Airbus.
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Luftbild einer Palmölplantage in Indonesien. Die EU will den Verbrauch des Öls einschränken. Die indonesische Regierung droht mit dem Boykott von Airbus-Flugzeugen und anderer europäischer Waren. Quelle: dpa
Palmöl-Plantage in Indonesien

Luftbild einer Palmölplantage in Indonesien. Die EU will den Verbrauch des Öls einschränken. Die indonesische Regierung droht mit dem Boykott von Airbus-Flugzeugen und anderer europäischer Waren.

(Foto: dpa)

SingapurIndonesiens Trumpf im Palmölstreit mit der EU hat wirtschaftlich großes Gewicht. „Indonesiens Mittelschicht wächst rasant, wir werden in den nächsten 20 Jahren 2.500 neue Flugzeuge brauchen“, sagt der zuständige Minister Luhut Binsar Pandjaitan im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Maschinen könnte man beim europäischen Flugzeugbauer Airbus bestellen, ergänzt der Politiker.

Die mitschwingende Drohung lässt er unausgesprochen: Wenn man sich beim Palmöl nicht einig wird, dann kann Indonesien sein Geld auch woanders lassen. Luhut wählt einen drastischen Vergleich: „Wenn ihr unsere Leute tötet, dann müssen wir uns verteidigen.“

Im Gezerre um den umstrittenen Rohstoff macht sich Nervosität breit. Die Europäische Union steht kurz vor der Entscheidung in der Frage, ob sie den Verbrauch von Palmöl künftig kräftig einschränken will. Indonesien – der weltgrößte Hersteller von Palmöl – fürchtet massive Geschäftseinbußen. Mit einer Lobby-Initiative versucht die Regierung, die drohende Neuregelung abzuwenden – und setzt dabei auf ihr wirtschaftliches Gewicht.

Als Sondergesandter von Indonesiens Präsident Joko Widodo versuchte Minister Luhut vor wenigen Wochen in Brüssel Überzeugungsarbeit zu leisten. „Dort wusste man nicht viel über Indonesien. Ich habe erklärt, dass wir ein großes Land sind mit einer Billion-Dollar-Volkswirtschaft“, sagt Luhut über die Gespräche. „Ich habe den Politikern in Brüssel gesagt, dass wir das Wort Vergeltung nicht gerne verwenden. Aber sie drängen uns in eine Ecke.“

Indonesien befindet sich bei seinen EU-Kontakten im Krisenmodus, seit das EU-Parlament Anfang des Jahres beschlossen hat, Palmöl als Bestandteil von Biokraftstoffen künftig zu verbieten. Bisher werden diese Kraftstoffe zu rund einem Drittel aus Palmöl gewonnen. Aktivisten und Umweltpolitiker halten das für schädlich, weil sie davon ausgehen, dass für Palmölplantagen weiterhin großflächig Regenwälder zerstört werden.

Indonesiens Regierung weist diesen Vorwurf zurück. „Wir brauchen keine Belehrung über unsere Umwelt aus dem Westen“, sagt Luhut. Er verweist auf ein Moratorium, das in Indonesien bereits seit Jahren gelte und den Ausbau der Palmölplantagen verbiete. Umweltschutzorganisationen beklagen jedoch, dass es dennoch zu Abholzungen komme.

Zuletzt warf Greenpeace im April einem Palmölkonzern in Indonesien vor, 4000 Hektar Regenwald zerstört zu haben. Luhut widerspricht dem Bericht und ergänzt: „Ich sage nicht, dass unsere Umwelt zu 100 Prozent sauber ist. Aber man kann sehen, wie stark wir uns verbessert haben.“

Palmöl und seine Folgen
Eine illegale Plantage
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In den Hauptanbauländern Indonesien und Malaysia, erschweren lokale Machtstrukturen und Korruption die Umsetzung von Umweltauflagen.

Palmölnüsse
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In tropischen Ländern werden für den Anbau von Ölpalmen riesige Flächen Urwald brandgerodet. Der extensive Anbau schädigt die Umwelt und auch die Arbeitsbedingungen der Landarbeiter sind immer wieder Gegenstand von Kritik.

Palmoelnuesse
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Ölpalmen benötigen viel weniger Platz als Alternativen, um dieselbe Menge Öl zu produzieren: Während sich auf einem Hektar Anbaufläche 3,3 Tonnen Palmöl gewinnen lassen, liegt der Ertrag von Raps-, Kokos- und Sonnenblumenöl bei nur 0,7 Tonnen. Aus Sojapflanzen lassen sich auf derselben Fläche sogar nur 0,4 Tonnen Öl produzieren. Das macht Palmöl mit 700 bis 1.200 US-Dollar pro Tonne auch günstiger als andere Öle.

Gesundheitliche Auswirkungen
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Um die rote Farbe und den unangenehmen Geruch der natürlichen Nuss zu beseitigen, wird das Öl auf über 200 Grad erhitzt, Dabei entstehen so genannte Glycidil-Ester. Die europäische Behörde für Lebensmittelschutz (efsa) gab im Mai eine Studie heraus: Glycidil-Ester und das bei der Verdauung daraus entstehende Glycidol, stufte sie darin als karzinogen und gentoxisch ein. Das heißt, Glycidol ist krebserregend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt deshalb, Palmöl so weit wie möglich zu vermeiden. Die europäische Kommission hat im Herbst deswegen erst einmal Grenzwerte für Glycidil-Ester festgelegt.

Orang-Utan Rettungsstation
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In der Quarantäne-Zentrum der Organisation Sumatran Orang Utan Conservation Program (SOCP) im Hinterland von Medan, hausen dutzende von Tieren in großen Stahlkäfigen, mitten im Urwald. Eine Gruppe von Wärtern füttert die Affen, pflegt sie bei Krankheit, versorgt ihre Wunden.

Orang Utan Baby
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Die Orang-Utans, die es nur auf Sumatra und Borneo gibt, brauchen nach wie vor dringend Hilfe: Obwohl sie schon seit mehr als 60 Jahren unter Schutz stehen, landen noch immer Tiere auf dem Schwarzmarkt. Manche von ihnen werden in Kleidchen gezwängt und wie Puppen behandelt, andere sogar als Sexsklaven missbraucht. Die Zerstörung ihres Lebensraumes für Palmölplantagen ist als Problem in den letzten Jahren hinzugekommen.

Vom Aussterben bedroht
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Die Öl-Plantagen fressen sich tief in den Regenwald und bedrohen den Lebensraum von Tieren, etwa dem Orang-Utan.

Den EU-Parlamentariern wirft er vor, die Lebensgrundlage von Millionen Bauern zu gefährden. „Palmöl hat uns geholfen, die Armut stark zu verringern“, sagt er. „Indem man den Weg abtötet, wie wir Armut reduzieren, wird die Armut befördert.“ Zudem sei es unfair, dass Palmöl herausgegriffen werde, es für Soja- oder Rapsöl aber keine Beschränkungen geben soll.

Sollte die EU die neuen Regeln tatsächlich umsetzen, wolle sein Land bei der Welthandelsorganisation WTO dagegen vorgehen. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie der Brüsseler Denkfabrik ECIPE stützt die Argumentation: Sie geht davon aus, dass die Pläne des EU-Parlaments gegen die internationalen Handelsregeln verstoßen.

Luhuts Kollegen auf der Regierungsbank warnen bereits mit rabiaten Tönen vor einem Handelskrieg. Handelsminister Enggartiasto Lukito drohte mit einem Boykott von EU-Produkten und nannte als Beispiel norwegischen Fisch. Vizepräsident Jusuf Kalla verwies ebenfalls auf Indonesiens Status als Großkunde von Airbus. Luhut glaubt, mit den Argumenten zu überzeugen: „Die EU ist eine reife Institution.“ Das gelte auch für Deutschland: „Die Deutschen haben Verständnis für unsere Interessen.“

Tatsächlich könnte der Plan des EU-Parlaments noch gekippt werden. Um die Beschränkung des Palmölverbrauchs umzusetzen, müssen sich die Abgeordneten erst noch mit der EU-Kommission und den Mitgliedsländern auf eine gemeinsame Linie einigen. Bei Verhandlungen in der vergangenen Woche gab es keine Übereinkunft. Nun steht das Thema beim Treffen der EU-Energieminister in der kommenden Woche auf der Agenda.

„Die südostasiatischen Länder machen in der Frage großen Druck. Die Mitgliedsländer haben deshalb Angst um ihre wirtschaftlichen Beziehungen“, sagt Martin Häusling, Europaabgeordneter der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Parlaments im Gespräch mit dem Handelsblatt. Palmöl im Tank zu verbieten, hält er aber nach wie vor für richtig. „Die Umweltzerstörung findet immer noch statt und ich halte es für ein Gerücht, dass die Plantagen nur Kleinbauern gehören“, sagt er.

Stattdessen steckten große Agrarkonzerne hinter dem Geschäft mit den Ölpalmen. Eine Prognose, wie sich die EU nun entscheiden werde, wagt er aber nicht zu treffen. „Am Ende geht es um die Frage, ob man die Umweltinteressen ernst nimmt oder sich dem wirtschaftlichen Druck beugt.“

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