Handelsstreit mit der EU Trumps Auto-Krieg rückt näher – US-Präsident droht mit 20-Prozent-Strafzoll

Die Zeichen verdichten sich, dass die USA noch in diesem Jahr Strafzölle auf europäische Autos erheben. Trump erneuerte seine Drohung – und wurde erstmals konkreter.
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Die US-Strafzölle könnten VW, Porsche, Audi, Daimler und BMW empfindlich treffen. Quelle: picture alliance / SvenSimon
Deutsche Autobauer

Die US-Strafzölle könnten VW, Porsche, Audi, Daimler und BMW empfindlich treffen.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

WashingtonLange waren US-Zölle auf Fahrzeuge nur ein abstraktes Horrorszenario für deutsche Autobauer. Eines, das für eine Weile weit weg schien, dann immer näher rückte – und inzwischen bedrohlich konkret geworden ist.

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag seine Pläne für Strafzölle auf Auto-Importe erstmals mit einer klaren Zahl versehen. Kombiniert mit jüngsten Äußerungen seines Handelsministers Wilbur Ross verdichten sich die Hinweise, dass die Zölle noch in diesem Jahr in Kraft treten könnten.

Die neue Entwicklung

Trump bekräftigte am Freitag seine Pläne, europäische Autohersteller mit Sonderzöllen das Geschäft zu erschweren. Die EU belange die USA, ihre Firmen und Arbeiter mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen, twitterte der Präsident. „Wenn diese Zölle und Barrieren nicht bald eingerissen und beseitigt werden, werden wir 20 Prozent Zoll auf alle ihre Autos erheben, die in die USA kommen“, schrieb Trump. „Baut sie hier!“, fügte er hinzu.

Trump drohte schon länger damit, nicht nur Stahl und Aluminium, sondern auch europäische Autos mit Barrieren zu belegen. Noch vor wenigen Wochen hatte Trump im Zusammenhang mit Autos von einer vagen Zahl „bis zu 25 Prozent gesprochen. Dass er sich nun auf 20 Prozent festzulegen scheint, weist darauf hin, dass die Gespräche in der US-Regierung weiter vorangeschritten sind als bislang bekannt.

Aktueller Anlass für Trumps Attacke waren die europäischen Vergeltungszölle, die am selben Tag seines Tweets in Kraft traten. Als Reaktion auf die Stahl- und Aluminiumzölle der USA fährt die EU eigene Schranken hoch. Betroffen sind amerikanische Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter.

Weitere Hinweise auf Autozölle

Trump hatte im Mai eine Untersuchung angestoßen, ob die Autoimporte eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellen. Wie schon bei den Strafzöllen gegen Solarpanels, Waschmaschinen, Stahl, Aluminium und mehr als tausend chinesische Hightech-Produkte hat auch bei dieser Untersuchung das Handelsministerium von Wilbur Ross die Federführung.

Ross äußerte sich in dieser Woche auf dem „SelectUSA Investment Summit“ der US-Regierung, einem Gipfel für internationale Unternehmen und Wirtschaftspolitiker südlich von Washington dazu.

Auf Nachfrage des Handelsblatts kommentierte er auf einer Pressekonferenz einen möglichen Zeitplan. „Wir rechnen damit, dass Ende Juli oder im August ein Ergebnis vorliegt“, sagte der US-Minister.

Auf dem Capitol Hill wird außerdem darüber spekuliert, dass Trump Autozölle bereits im Herbst verkünden könnte – kurz vor den wichtigen Kongresswahlen im November. Damit könnte er seine Anhänger, die US-Automarken geschützt und verteidigt sehen wollen, zusätzlich euphorisieren.

Das bedeutet die Drohung für Deutschland

Deutschland wird von zwei Seiten extrem unter Druck gesetzt. Zum einen bedroht Trumps Protektionismus einen Kern-Wirtschaftszweig. Deutsche Autofirmen exportieren pro Jahr Autos im Wert von knapp 20 Milliarden Euro in die USA. Strafzölle würden Giganten wie BMW, VW und Daimler hart treffen.

Außerdem würde das transatlantische Vertrauensverhältnis erneut arg strapaziert – denn auch die USA profitieren vom Wissen und Geld deutscher Autobauer. Sie produzieren über ausländische Standorte mehr als 800.000 Fahrzeuge pro Jahr in den USA und beschäftigen dort Zehntausende Menschen.

Zum anderen wird Deutschland unfreiwillig in die Rolle des Vermittlers im Zölle-Streit zwischen der EU und den USA gedrängt. Der Exportnation ist besonders viel an einer Deeskalation gelegen, um die Spitzenbranche der Nation zu schützen. Die USA wissen das – und nutzen das unverhohlen aus. „Wir hoffen, dass Deutschland hilft, Druck auf die EU auszuüben, damit sie aktiver mit den USA verhandelt“, sagte Ross auf dem Investoren-Gipfel.

Deutschland muss sich jetzt gegen die nächste große Handelsbaustelle mit den USA wappnen, obwohl der aktuelle Konflikt um Stahl- und Aluminiumzölle noch lange nicht gelöst ist.

Bewegung wäre bei einem bestimmten Punkt möglich: Die Vereinigten Staaten erheben derzeit einen Zollsatz von 2,5 Prozent für importierte Pkw aus der EU und einen Zollsatz von 25 Prozent für importierte Pick-ups. Die EU erhebt für importierte US-Autos Zölle in Höhe von zehn Prozent. Hier könnte man über eine Angleichung oder gar Abschaffung verhandeln, damit Differenzen ausgeglichen werden.

Laut „Wall Street Journal“ sind die CEO der deutschen Autokonzerne offen für die Idee – was der Verband der Automobilindustrie (VDA) gegenüber dem Handelsblatt dementierte.

Für Trumps Handelsminister Wilbur Ross ist allein die Berichterstattung über solche möglichen Zugeständnisse ein weiterer Beweis, dass Trumps Taktik des einseitigen Druckausübens funktioniert. „Deutsche Autofirmen fangen langsam an, den Sinn der EU-Importzölle anzuzweifeln. Vor sechs Monaten wäre das noch nicht möglich gewesen.“

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