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Handelsstreit So wollen Chinas Exporteure die US-Sanktionen umgehen

Mit dem Produkthinweis „made in Vietnam“ versuchen chinesische Exporteure, US-Strafzölle zu umgehen. Doch in Vietnam regt sich Widerstand.
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Handelsstreit: China kämpft mit Etikettenschwindel gegen US-Strafzölle Quelle: Reuters
China

Die USA verhängten im vergangenen September Extrazölle von zehn Prozent auf die Hälfte aller Importe aus China. In Mai diesen Jahres wurden sie auf 25 Prozent erhöht.

(Foto: Reuters)

BangkokChinesische Exporteure haben ein ebenso simples wie effektives Mittel gegen die Sonderzölle der USA entdeckt: Produktbeschriftungen mit dem Hinweis „made in Vietnam“. Für einen Bauholzhändler aus China war dafür nur ein kleiner Umweg nötig: Seine Waren gingen erst über die Grenze in das südostasiatische Nachbarland.

Dort wurden sie in einer Fabrik mit neuem Aufkleber versehen – und anschließend als vietnamesische Produkte in die USA verschifft. So beschreibt es zumindest Vietnams Regierung in einem am Wochenende veröffentlichten Bericht, in dem sie eine seit Monaten gehegte Vermutung offiziell bestätigt: Als Folge des Zollstreits zwischen den USA und China boomt im internationalen Handel der Etikettenschwindel.

Im vergangenen September hatten die USA Extrazölle von zehn Prozent auf die Hälfte aller Importe aus China verhängt und die Zölle in diesem Mai auf 25 Prozent erhöht. Bereits der erste Schritt reichte aus, um die globalen Lieferketten erheblich durcheinanderzubringen.

Unternehmen, die bisher in China für den US-Markt produzierten, suchen seither in anderen Teilen Asiens nach Ausweichmöglichkeiten. Dabei geht es nicht nur um die Verlagerung von Fabriken. Offenbar kommt es auch massenhaft zu unerlaubten Tricksereien. Das sieht man an den neuen Umschlagplätzen nun als Problem.

Vietnams Regierung fürchtet, wegen der krummen Geschäfte selbst zum Ziel amerikanischer Strafmaßnahmen zu werden, und verspricht ein entschiedenes Vorgehen gegen den Schummel: „Wir werden die Strafen erhöhen, um jeden davor abzuschrecken, Waren fälschlicherweise als vietnamesische zu deklarieren“, teilte der stellvertretende Regierungschef des kommunistischen Landes, Pham Binh Minh, mit. Er fügte hinzu, der neue Trend habe bereits dem Ansehen der vietnamesischen Wirtschaft im Ausland geschadet.

Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit

Die Sorgen in dem Land sind nicht unbegründet. Bislang gilt der 100-Millionen-Einwohner-Staat als einer der wenigen eindeutigen Profiteure im Handelsstreit der beiden Großmächte: Während die US-Importe aus China im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent sanken, stiegen die Einfuhren aus Vietnam um 40 Prozent an – auf fast 16 Milliarden Dollar.

In keinem anderen Land entwickelten sich die Geschäfte mit den USA in dem Zeitraum so rasant. Die Regierung in Hanoi weiß aber aus Erfahrung, dass ein solcher Boom schnell enden kann, wenn er bei den Amerikanern auf Missfallen stößt: Bereits im vergangenen Jahr hatte das US-Handelsministerium beklagt, dass Zölle mithilfe von Vietnam umgangen würden.

Damals ging es um Antidumpingzölle auf chinesischen Stahl, die bereits 2015 verhängt worden waren. In der Folge lieferte Vietnam deutlich mehr kaltgerollten Stahl in die USA. Das Volumen stieg von neun auf 215 Millionen Dollar. Die USA hoben daraufhin auch ihre Zölle auf Stahl aus Vietnam an.

Inzwischen hat sich die Produktpalette, die von den Tricksereien betroffen ist, offenbar deutlich ausgeweitet. Neben Stahl, Eisen und Aluminium kämen gefälschte Herkunftsangaben am häufigsten bei Textilien, Meeresfrüchten, landwirtschaftlichen Gütern und Holzprodukten vor, beklagen Vietnams Zollbehörden.

Auch Elektronikartikel sind offenbar betroffen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die Beamten 600 Lautsprecher aus China, die einfach neu verpackt wurden und das Etikett „made in Vietnam“ erhielten. Eine Anfang des Monats veröffentlichte Untersuchung der Handelsströme durch die japanische Wirtschaftspublikation „Nikkei Asian Review“ legt nahe, dass chinesische Güter massenhaft den Umweg über andere Länder in die USA nehmen.

Laut der Analyse stieg das Exportvolumen von Maschinen, Elektrogeräten, Möbeln, Spielzeugen und Autoteilen von China nach Vietnam in den ersten drei Monaten des Jahres um 1,5 Milliarden Dollar an. Die Ausfuhren in den gleichen Produktkategorien von Vietnam in die USA wuchsen in dem Zeitraum um 2,7 Milliarden Dollar.

Abwanderung aus China

Ein ähnliches Muster ist demnach auch in Taiwan und Mexiko zu beobachten: Auch dort gingen steigende Exporte in die USA mit einem erheblichen Importwachstum aus China einher.

In nicht allen Fällen geht es dabei um Etikettenschwindel. Viele Unternehmen haben als Reaktion auf den Zollstreit die Endfertigung ihrer Produkte aus China abgezogen, beziehen aber nach wie vor Zulieferungen aus der Volksrepublik.

Zu den Abwanderern gehören unter anderem der chinesische Apple-Zulieferer GoerTek, der drahtlose Kopfhörer lieber in Vietnam fertigt, und der US-Laufschuhhersteller Brooks. Unternehmenschef Jim Weber kündigte im Mai mit Blick auf Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump an, 8.000 Jobs aus China abzuziehen. „Wir mussten eine langfristige Entscheidung treffen“, sagte er. „Ab Jahresende sind wir dann vorwiegend in Vietnam vertreten.“

Mehr: Lesen Sie hier, warum der Handelsstreit zwischen den USA und China schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben könnte.

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