Handelsstreit Trump drängt Japan zu einem neuen Handelsdeal

Mit der Aussicht auf Autozölle zwingen die USA Japan in Gespräche über ein Handelsabkommen. Doch Tokio interessiert sich für etwas ganz anderes.
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Donald Trump drängt Japan zu einem neuen Handelsdeal Quelle: Reuters
Donald Trump

Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer verhandelte schon 1985 mit Japan über den Stahlhandel.

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Tokio, WashingtonJapan gehört neben China und Deutschland zu den handelspolitischen Lieblingsfeinden von Donald Trump. Schon im Wahlkampf prangerte der US-Präsident den engsten asiatischen Verbündeten an, die Währung zu manipulieren und mit enormen Handelsbilanzüberschüssen die USA auszuweiden.

Dann verschonte Trump Japan lange mit seinen Attacken. Auch beim Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe Ende Juli in Florida gaben sich beide freundschaftlich. Doch nun wird es auch für Japan ernst.

Am Donnerstag starten in Washington neue Handelsgespräche zwischen den beiden Ländern. Der japanische Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi wird es mit einem erfahrenen Haudegen zu tun haben: Robert Lighthizer, jetzt US-Handelsbeauftragter, verhandelte schon 1985 mit Japan über den Stahlhandel. Damals soll er einen Vorschlag seiner Verhandlungspartner zu einem Papierflieger gefaltet und zurückgeworfen haben.

Nun soll Lighthizer Japan zu einem bilateralen Freihandelsabkommen zwingen. Der Handelsbilanzüberschuss soll deutlich reduziert werden. Bei einem Handelsvolumen von 204 Milliarden US-Dollar betrug Japans Überschuss immerhin 69 Milliarden US-Dollar. Damit lag Japan nach China, Kanada und Mexiko auf Rang vier der Staaten, die mehr in die USA exportieren als von dort importieren. Deutschland liegt mit einem Überschuss von 65 Milliarden US-Dollar auf Rang fünf.

Dabei hat Japan kein Interesse an einem bilateralen Abkommen mit den USA. Abes Unterhändler werden vorschlagen, einen Staatsfonds zu gründen, der einen Teil der japanischen Ersparnisse in US-Infrastrukturprojekte investiert. Außerdem könnte Japan mehr Waffen von US-Unternehmen kaufen.

Vor allem US-amerikanische Bauern würden von einem Abkommen mit Japan profitieren. Rindfleisch aus den USA sei „weiterhin Zöllen von 38,5 Prozent bis 50 Prozent ausgesetzt“, heißt es in einer Studie der Universität von Tennessee, die von Bauern-Blogs oft zitiert wurde.

Japan ist der führende Markt für US-Rindfleischexporte. Ländliche Staaten wie Tennessee, Iowa oder Wisconsin, in denen besonders viele Trump-Anhänger wohnen, dürften im Hintergrund auf ein Abkommen mit Japan drängen.

Abe schmeichelte sich bei Trump ein

Anders als China und die EU versucht Japan, die Handelsdifferenzen nicht eskalieren zu lassen. Als Trump Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium einführte, nahm er einige Länder kurzfristig aus. Nicht jedoch Japan. Regierungschef Abe reagierte dennoch öffentlich kaum mit Gegendrohungen. Denn der Einfluss dieser Zölle auf die Wirtschaft war gering, erklärt Fukunari Kimura, Chefvolkswirt des Wirtschaftsforschungsinstituts für ASEAN und Ostasien (ERIA).

Abe setzte daher lange seine Strategie fort, sich bei Trump einzuschmeicheln und wirkliche Konzessionen in Handelsgesprächen zu verzögern. Zu Beginn mit Erfolg: Trump delegierte die ersten bilateralen Handelsgespräche an Vize-Präsident Mike Pence. Von dem erhofften sich die Japaner mehr Verständnis für ihre Belange.

Denn die Autobauer wie Toyota waren die größten Investoren im Bundesstaat Indiana, als Pence dort Gouverneur war. Doch Trumps Wirtschaftsminister Wilbur Ross sagt: „Die Untersuchung über die Notwendigkeit von Autozöllen geht ungehindert weiter.“ Im Gespräch Abgaben in Höhe von 20 bis 25 Prozent.

Für Japan ist die Androhung dieser Zölle der größte Streitpunkt. Denn das Land fühlt sich ungerecht behandelt. Die japanischen Autobauer haben massiv in den USA investiert. Toyota beispielsweise hat zehn Fabriken in den USA und will in den kommenden fünf Jahren weitere zehn Milliarden US-Dollar investieren.

Trotzdem werden jährlich 1,7 Millionen Fahrzeuge aus Japan in die USA exportiert – und wären demnach von Zöllen betroffen. Auch die innerhalb der USA gebauten Autos würden teurer: Toyota warnte, dass der Mittelklassewagen Camry 1800 Dollar mehr kosten würde, wenn der Autobauer die höheren Preise für importierte Bauteile voll an die Kunden weitergebe.

Auf der Suche nach Verbündeten treibt Abe Verhandlungen über Freihandelsabkommen voran. Sein erster Streich war die Rettung des Transpazifischen Partnerschaftsabkommens TPP, aus dem die USA unter Trump ausgestiegen waren. Im Juli rief er dann in Tokio 15 andere Länder von Neuseeland über China bis Indien dazu auf, sich im Kampf gegen den Protektionismus in einer umfassenden regionalen Partnerschaft RCEP zu vereinigen.

Und die anderen Staaten stimmten zu: Bis Jahresende wollen sie ihre Unstimmigkeiten überwinden, um den Grundstein für das nach Köpfen größte Freihandelsabkommen der Welt zu legen. Außerdem drängte er auf das Abkommen mit der Europäischen Union. Im Juli unterzeichneten beide Seiten den Pakt, der den Exporteuren milliardenschwere Erleichterungen bringen soll.

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