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Handelsvertrag Räucherlachs gegen Cowboyhüte: Großbritannien verhandelt auch mit den USA

Die Handelsgespräche mit der EU nach dem Brexit beginnen, aber zeitgleich will London mit den USA über einen Deal beraten. Das könnte zu neuem Streit führen.
02.03.2020 - 18:31 Uhr Kommentieren
Der britische Premier gab den Startschuss für die Verhandlungen. Quelle: AP
Boris Johnson

Der britische Premier gab den Startschuss für die Verhandlungen.

(Foto: AP)

London Während in Brüssel die Verhandlungsteams der EU und Großbritanniens offiziell die Gespräche über einen Handelsdeal begonnen haben, gab der britische Premier Boris Johnson in London den Startschuss für die Gespräche über ein Abkommen mit den USA. „Indem wir Räucherlachs aus Schottland gegen Stetson-Hüte austauschen, werden wir unseren Konsumenten niedrigere Preise und mehr Auswahl bieten“, sagte der Regierungschef am Montag und kündigte an, „hart zu verhandeln“.

Noch im März sollen die Verhandlungen zwischen den USA und Großbritannien offiziell starten. Die USA sind nach der EU der zweitgrößte Handelspartner Großbritanniens. 2018 ging fast ein Fünftel aller britischen Exporte nach Amerika, während elf Prozent aller Importe von dort bezogen wurden. Im Vergleich dazu gingen 45 Prozent der britischen Exporte in die EU, 53 Prozent der Importe kamen aus der EU.

Würde man die Handelsbeschränkungen aufheben, hätte das „enorme“ Vorteile für die britische Wirtschaft, vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen, warb die britische Regierung in dem Dokument zu ihrer Verhandlungsposition.

Auf einer der 148 Seiten nennt die Regierung auch Zahlen: Ein Handelsabkommen mit den USA könnte das Wirtschaftswachstum Großbritanniens im Vergleich zu 2018 langfristig um 0,07 bis 0,16 Prozent steigern. Auch für die USA wäre ein Deal vorteilhaft, werben die Briten, hier sei ein Plus von 0,03 beziehungsweise 0,05 Prozent zu erwarten.

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    In dem 30-seitigen Dokument zu den EU-Verhandlungen, das die britische Regierung vergangene Woche veröffentlicht hatte, waren derartige Schätzungen nicht enthalten. Gleichwohl herrscht unter Experten die Ansicht vor, dass die wirtschaftlichen Folgen des EU-Abschieds durch einen US-Deal nicht wettgemacht werden können.

    USA und EU gegeneinander ausspielen

    Tatsächlich will Großbritannien die Gespräche mit Brüssel und Washington auch parallel führen, in der Hoffnung, die USA und EU gegeneinander ausspielen zu können. Allerdings dürfte das problematisch werden. Denn beide Seiten stellen Forderungen, die sich ausschließen.

    Etwa bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen: Während die EU darauf pocht, dass ihre Regeln weiterhin eingehalten werden, hatte die US-Regierung vor einem Jahr, als sie ihre Verhandlungsposition dargelegt hatte, die Bedingung gestellt, dass „ungerechtfertigte Beschränkungen“ für US-Agrarprodukte rasch abgeschafft werden.

    Das sieht man nicht nur auf dem europäischen Kontinent kritisch - auch britische Verbraucher und Landwirte lehnen die Einfuhr von sogenannten Chlorhühnchen und Fleisch von hormonbehandelten Rindern ab.

    Aber Großbritanniens Handelsministerin Liz Truss demonstrierte Selbstbewusstsein: Man werde die Verhandlungen sowohl mit der EU als auch mit den USA beenden, wenn man nicht zu einer Vereinbarung komme, die gut für Großbritannien sei, verkündete sie. „Wir werden uns nicht von der EU Gesetze und Regulierungen vorgeben lassen und auch nicht von den USA.“ Die Kontrolle über die Gesetze zurückzuerlangen sei einer der wichtigsten Gründe gewesen, warum die Briten für den Brexit gestimmt hätten.

    Auch Gewerkschaftschefin Frances O’Grady vom Trades Union Congress (TUC) kritisiert die Regierung: Diese sollte sich darauf konzentrieren, sich mit der EU zu einigen, und ihre Hoffnungen nicht in US-Präsident Donald Trump setzen, sagte sie.

    Zudem sei auch der US-Deal ein schwieriges Unterfangen, meint Handelsexpertin Anahita Thoms von der Anwaltskanzlei Baker McKenzie. „Es ist unmöglich, bis Ende des Jahres ein Freihandelsabkommen mit der EU und eins mit den USA auszuhandeln“, sagt sie.

    Trump könne allenfalls einem „Pseudo-Deal“ zustimmen, um die EU vorzuführen. Die Europäer müssten Londons Gespräche mit den USA jedoch genau verfolgen, denn sie könnten Konsequenzen für das britisch-europäische Abkommen haben.

    Mehr: Der Streit um Fischfanggründe im Ärmelkanal droht die Handelsgespräche zwischen EU und Großbritannien zu belasten. Ein Besuch bei Cornwalls Fischern.

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