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Handygebühren im Ausland Der Anfang vom Ende fürs Roaming

Es ist eine kleine Revolution für den Telekommunikationsmarkt: Die EU-Kommission hat Pläne vorgestellt, nach denen sie das Roaming komplett abschaffen will. Die Branche läuft dagegen Sturm – trotz Freiwilligkeit.
Update: 11.09.2013 - 18:15 Uhr 12 Kommentare
Das kann teuer werden: Telefonieren und Surfen im Urlaub. Quelle: ddp

Das kann teuer werden: Telefonieren und Surfen im Urlaub.

(Foto: ddp)

Düsseldorf Es geht nur noch um Details, der Grundsatz steht: Wer im im europäischen Ausland telefoniert, SMS schreibt oder surft, soll künftig keine Roaming-Gebühren mehr zahlen müssen. So will es die EU-Kommission, die dazu am Mittwochabend einen Verordnungsentwurf präsentiert hat. „Get rid of roaming“ – Roaming abschaffen ohne Einschränkung, so plakativ und nachdrücklich formulierte es die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes in Brüssel.

Demnach sollen die Telekommunikations-Firmen schrittweise von Juli 2014 bis Juli 2016 nach und nach auf Extra-Gebühren für die Handy-Nutzung im europäischen Ausland verzichten. Ab Juli 2014 sollen die Zusatzkosten für eingehende Anrufe bei Auslandsaufenthalten wegfallen, ab Juli 2016 soll es im EU-Ausland gar keine Extra-Gebühren mehr bei Handytelefonaten, SMS und mobiler Internetnutzung geben. Vorgesehen ist ein „freiwilliger Mechanismus“ für die Telekom-Unternehmen. Die Branche fürchtet dagegen, dass es letztlich auf ein bindendes Gesetz hinauslaufen wird.

Unter Roaming versteht man die Möglichkeit, auch in ausländischen Mobilfunknetzen zu telefonieren, angerufen zu werden oder Daten auszutauschen. Für die Weiterleitung etwa der Gespräche verlangen die lokalen Anbieter Gebühren, die über den „Heimatanbieter“ abgerechnet werden. Und das war bislang extrem teuer.

Ab dem 1. Juli 2013 gelten bereits neue Preisobergrenzen beim EU-Roaming, die im März 2012 festgelegt wurden. So dürfen ausgehende Telefonate im EU-Ausland seit dem 1. Juli nur noch maximal 24 Cent pro Minute kosten und ankommende Gespräche sieben Cent pro Minute. Der SMS-Preis sinkt auf acht Cent pro Nachricht, und für jedes übertragene Megabyte dürfen künftig maximal 45 Cent berechnet werden.

Bislang können Kunden außerdem mit Mobilfunkanbietern Verträge fürs europäische Ausland nach Zeit oder Datenvolumen buchen. Beispiel ist etwa der Travel & Surf Wochenpass der Telekom. Für 14,95 Euro kann ein Nutzer etwa eine Woche lang im EU-Ausland das mobile Internet nutzen. Das Datenvolumen entspricht dabei 150 Megabyte. Fast jeder Anbieter hält solche Optionen vor. Der Nutzer muss sich nur durch dieses Angebotsdickicht kämpfen, um das günstigste für ihn zu finden. Doch wer ein solches Paket nicht im Vorfeld bucht, für den wurde Telefonieren, Surfen und Texten im Urlaub teuer.

Im Detail will Kroes auf eine zweigleisige Strategie setzen. „Wir schlagen vor, dass alle Mobilfunk-Anbieter ein EU-weites Flatrate-Bündel anbieten“, heißt es in einem Arbeitspapier, das der Agentur afp vorliegt. So wäre bei Reisen ins EU-Ausland Schluss mit der Extraberechnung von jedem Anruf, jeder SMS und jeder Verbindung ins Internet.

Da dieses Modell der EU-Flatrate aber auf Freiwilligkeit der Unternehmen beruht, will Kroes eine weitere Alternative einführen: Demnach sollen Unternehmen dem Kunden bei der Einreise ins Ausland die Wahl eines anderen Anbieters erlauben. Diesen Tarif sollen die Nutzer nach der Einreise wählen können. „Wenn Sie reisen, können Sie einfach einen anderen Anbieter wählen, der Ihnen bessere Tarife gewähren wird - bei Nutzung der gleichen SIM-Karte, der gleichen Rechnung“, teilte Kroes am Mittwoch mit. „So oder so, Kunden werden diesen hohen Gebühren entgehen können.“

Umsatz ist beim Roaming fast deckungsgleich mit Gewinn

Es geht ihr um den Binnenmarkt: EU-Kommissarin Neelie Kroes will das Roaming beenden. Quelle: dpa

Es geht ihr um den Binnenmarkt: EU-Kommissarin Neelie Kroes will das Roaming beenden.

(Foto: dpa)

Die Vorschläge benötigen die Zustimmung des Europaparlaments und der 28 EU-Staaten. Doch selbst wenn die Pläne der EU-Kommission dort eine Mehrheit finden, gilt: Der Griff zum Mobiltelefon oder Laptop könnte im Ausland weiterhin ein wenig mehr kosten als daheim. Denn „objektiv gerechtfertigte“ Extrakosten könnten die Unternehmen ihren Kunden weiter in Rechnung stellen. Das gilt auch für länderübergreifende Festnetzgespräche.

Der EU-Kommission geht es bei den Plänen massiv um den Binnenmarkt: Erst fehlender Wettbewerb hatte die exorbitant hohen Kosten für die Nutzung des Telefons überhaupt möglich gemacht. „Schwacher Wettbewerb unter den nationalen Anbietern hat zu exzessiven Preisen in Roaming geführt“, schreibt die EU-Kommission.

Dies verzerre und belaste den Markt. Roaming habe daher in einem freien Markt keinen rational begründbaren Sinn. „Die Unternehmen bringen die Kunden so dazu, ihr Telefon zu fürchten, anstatt es zu benutzen“, so die Kommission. Einer Studie zufolge, die die EU-Kommission in Auftrag gegeben hatte, reduzieren etwa 70 Prozent der Handybesitzer ihre Nutzung im Ausland massiv aus Sorge um die Kosten.

Tatsächlich ist das Roaming bislang ein einträgliches Geschäft für die Mobilfunkriesen: Weil die Netze bereits vorhanden sind, fallen kaum Kosten an. Der Umsatz ist in diesem Bereich fast deckungsgleich mit dem Profit. Der befürchtete Gewinneinbruch für die Unternehmen dürfte aber verschmerzbar sein. Denn laut EU-Kommissarin machen die Roaming-Gebühren gerade einmal fünf Prozent des Profits für die Unternehmen an.

Der Verband der Telekommunikationsanbieter (VATM) bestätigt gegenüber Handelsblatt Online diese Zahl. Die einzelnen Unternehmen, etwa Telekom und Vodafone sowie O2-Betreiber Telefónica wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die deutsche Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte die Pläne schon im Vorfeld: „Alle Maßnahmen, die zu einer weiteren Kostensenkung für die Handynutzung im Ausland führen, sind grundsätzlich zu begrüßen“, ließ sie mitteilen. „Entscheidend für den Erfolg weiterer Maßnahmen wird sein, dass es für die Verbraucher unterm Strich wirklich günstiger wird. Das wäre nicht der Fall, wenn Anbieter entgangene Roaming-Einnahmen künftig auf andere Handy-Kosten aufschlagen würden. Vor solchen Überlegungen kann ich die Telefonkonzerne nur warnen.“

Scharf kritisiert dagegen die Branche die Pläne. „Das ist schierer Populismus von Frau Kroes zum Ende ihrer Amtszeit“, sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner Handelsblatt Online. Wenn ein Deutscher in Rumänien mit seiner Flatrate telefoniere, nutze er das dortige Netz, müsste aber nach den EU-Plänen nichts zu den dort anfallenden Netzkosten beitragen, so Grützner.

Inhalte dürfen in Ausnahmefällen verlangsamt werden

Das gelte dann auch umgekehrt: So könne man mit einer rumänischen Karte auch in Deutschland günstig telefonieren. „Und jetzt soll Frau Kroes mal erklären, wie sie die rumänische Telekom dazu bewegen will, sich am Netzausbau in Bayern zu beteiligen“, schimpft Grützner. Auch den Alternativvorschlag hält er für nicht praktikabel: „Wenn ich über die Grenze fahre, will ich doch nicht SMS von vier, fünf verschiedenen Anbietern bekommen und mir dann einen raussuchen müssen.“

Von den Unternehmen äußerte am Mittwoch Telefónica (O2) vorab Bedenken: „Bei allen künftigen Modellen müssen Machbarkeit und Kundenfreundlichkeit im Vordergrund stehen“, sagte eine Konzernsprecherin Handelsblatt Online. Bereits jetzt gebe es „attraktive Angebote für das mobile Telefonieren und Surfen im Ausland“.

Doch auch die Branche räumt ein: Die Gebühren sind derzeit zu hoch. „Aber eine Reduzierung auf null macht keinen Sinn.“ Neun Cent für ein Gespräch statt 70 Cent pro Minute, das sei denkbar. VATM-Geschäftsführer Grützner glaubt allerdings nicht, dass man mit der Kommission dabei noch nachverhandeln könnte. „Danach sieht es für mich nicht aus“, sagt er.

EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hat die Pläne gegen den Widerstand aus der Branche verteidigt. „Unser Vorschlag wird die Garantien für die Verbraucher verbessern, die Preise verbessern und neue Chancen für die Unternehmen schaffen“, sagte Barroso am Mittwoch vor dem EU-Parlament in Straßburg. Für die Pläne sie die Kommission die Zustimmung der EU-Staaten und des Parlaments.

Zu den Vorschlägen für den Telekommunikationsmarkt, auf den sich die EU-Kommission bereits am Mittwoch geeinigt hatten, gehört ein weiterer strittiger Punkt: die Frage der sogenannten Netzneutralität – also der Grundsatz, dass Anbieter nicht bestimmten Internetinhalten Vorrang vor anderen einräumen sollen.

Die Behörde sieht vor, dass Internetanbieter zwischen Inhalten unterscheiden dürfen und nicht alle Datenpakete zu gleichen Bedingungen transportieren müssen. Nun heißt es, es dürften nur in bestimmten Ausnahmefällen Inhalte verlangsamt oder gar blockiert werden. Als Beispiele nennt die EU-Kommission den Kampf gegen Kinderpornografie oder eine drohende Überlastung des Internets. Der Kunde solle darunter nicht leiden, betonte Kroes: „Alle Netzwerke und Technologien sind unterschiedlich. Das gilt auch für die Bedürfnisse von Verbrauchern. Deshalb bleiben Abonnements mit unterschiedlichen Internetgeschwindigkeiten oder Datenvolumen möglich.“

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12 Kommentare zu "Handygebühren im Ausland: Der Anfang vom Ende fürs Roaming"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das schlimme an der Sache: In Worten erscheint es so, als würde die EU-Kommission Netzneutralität gesetzlich festschreiben, wie es von der Piratenpartei gefordert wird - https://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2013/Wahlprogramm#Netzneutralit.C3.A4t_st.C3.A4rken_und_gesetzlich_verankern . Allerdings legt die EU-Kommission den Begriff Netzneutralität nicht so aus, wie man ihn allgemein versteht, sondern gegenteilig aus, und machen in Taten auch das Gegenteil von dem, was man unter Netzneutralität gesetzlich festschreiben allgemein versteht: Die EU-Kommission schafft Netzneutralität de facto ab.

    In letzter Zeit bin ich wirklich ob der vielen fatalen Fehler und Absurditäten im Bereich Rechts- und Netzpolitik erschlagen; wir brauchen dringend die Piratenpartei im Bundestag und EU-Parlament; sonst werden diese freidrehenden, korrupten Ewiggestrigen der etablierten Parteien noch alles im Bereich Rechts- und Netzpolitik zerstören.
    Ganz im Ernst: Was würdet ihr machen, wenn ihr das Internet kaputt machen wollen würdet ? Netzneutralität abschaffen, Internet totalüberwachen, Urheberrecht verschärfen bis zum geht-nicht-mehr und dessen Rechtsdurchsetzung privatisieren, Überwachungssoftware in's Ausland verkaufen, Netzausbau "den Markt regeln lassen" - alles was hier als Gedankenexperiment angerissen wurde, ist leider traurige Realität; das verschlägt einem doch echt die Sprache...

  • Jo, beides ist extrem störend und überflüssig. Wird in der Brandung nicht gebraucht

  • Gute Idee mit dem Galgen; aber die beiden sollten wegen des Artikels doch noch ihr Diensthändy am Ohr haben und live den letzten Huster verbreiten - ohne Roaming bitte

  • Interessant finde ich, dass es bereits heute mit einem deutschen Handy-Vertrag außerhalb von Flatrates und Inklusiv-Angeboten günstiger ist, aus Österreich eine SMS nach Deutschland zu versenden, als innerhalb der deutschen Grenzen. Alleine dies zeigt doch die Willkür bei der Gebührengestaltung des Anbieter-Oligopols. Und die Abzocke bei anderen Roaming-Gebühren.

  • Delinix: immer schön EU-Hetze absetzen, egal wie dümmlich die ist. Abgeordnete und EU-Beamten verfügen -richtigerweise - über Diensthandys. Aber in Ihrer Denke ist die EU auch dran Schuld, dass Sie diese intellektuelle Leistung erbringen können. Oder Sie einfach nur voller Hass auf sich und die Welt.

    Ich sag' einfach mal: Danke EU für den Binnenmarkt.

  • Europäische Union steht für freien Waren- und Dienstleistungsverkehr. Wo liegt das Problem für grenzenloses Telefonieren ohne Zuschläge?

  • Wie flott die Dinge bewegt werden können, wenn die EU-Abgeordneten SELBST betroffen sind! Roaming-Gebühren sind natürlich ein Ärgernis für all diejenigen, die ständig innerhalb der EU unterwegs sind – und das sind unsere Damen und Herren Abgeordnete in ihrer selbstverständlich höchst uneigennützigen Verpflichtung gegenüber dem europäischen Bürger. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  • Habt ihr mal geguckt was für ein "alter Knochen" das Handy der Kleinen ist? - gefällt mir gut!
    - Das schöne am Roaming für mich ist, dass man im Urlaub das Handy komplett auschaltet und merkt wie schön es ohne ist.
    - Mir fällt das sehr leicht, weil selbst in DE nutze ich mein Handy nur noch zum mtan Empfang der Bank oder der Packstation. Ja es geht auch ohne. Wenn man will kann man sich von so vielem befreien.
    - am liebsten schalte mich ein Handy an um der NSA vorzugaukeln, dass ich wo bin, wo ich gar nicht bin.

  • Ich hätte noch eine bessere Schlagzeile:

    "EU WILL EU ABSCHAFFEN!"

    PS: Das Bild zur Nachricht könnt ihr gern lassen - besser lässt sich die fortschreitende Verblödung nicht darstellen (nennt sich dann "Livestyle"... lol). [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Endlich! Ich fand das Roaming immer eine Riesensauerei. Eine geringe Gebühr für Vodafone wenn ich in deren Netz im Ausland telefoniere und deutscher Telekom-Kunde bin! Aber nein, ich telefoniere in Deutschland, Österreich beim gleichen Anbieter und zahle ein mehrfaches der Gebühren für nichts! Irgendetwas hatte da nicht gepasst, wenn ich mittlerweile Handy zu Handy ab 12 Cent weltweit / Minute telefonieren kann!

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