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Hans Peter Haselsteiner Strabag-Gründer zum FPÖ-Skandal: „Es ist ein Ende mit Schrecken“

Der Bauunternehmer und Ex-Politiker erklärt im Interview, warum er Heinz-Christian Strache nicht anzeigt und wie sehr die FPÖ dem Standort Österreich schadet.
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„ Ich stelle mich klar gegen die Rechtsradikalen.“ Quelle: dpa
Hans Peter Haselsteiner bei einer Neos-Wahlveranstaltung im Jahr 2013

Ich stelle mich klar gegen die Rechtsradikalen.“

(Foto: dpa)

Wien Hans Peter Haselsteiner hob einst den österreichischen Baukonzern Strabag mit aus der Taufe, heute gehören der Haselsteiner-Familie immer noch 26,4 Prozent des Konzerns. Der Gründer selbst saß vier Jahre als Politiker für die Liberalen als Abgeordneter im Nationalrat. Heute unterstützt der Unternehmer die liberale Partei Neos – und, so sagt er, ist nicht erst damit zur Zielscheibe der österreichischen Rechten geworden.

Eine prominente Rolle spielt sein Baukonzern Strabag in der sogenannten „Ibiza-Affäre“, die derzeit das politische Gefüge der Alpenrepublik bis hin zu Neuwahlen erschüttert. Der bisherige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache erklärte in der Aufnahme gegenüber einer vermeintlichen Oligarchen-Nichte, Bauaufträge von staatlicher Seite unter bestimmten Bedingungen von der Strabag wegverteilen zu wollen. Im Interview bezieht Haselsteiner jetzt Stellung.

Herr Haselsteiner, der ehemalige FPÖ-Chef Strache droht im Ibiza-Video mit dem Ausschluss ihres Baukonzerns Strabag von öffentlichen Aufträgen in Österreich. Wissen Sie schon, ob es zu solchen illegalen Ausschlüssen gekommen ist?
Wir sind dabei, alle nicht erhaltenen Aufträge in Österreich zu durchforsten. Doch wir erwarten kein positives Ergebnis. So wie sich das Herr Strache vorstellt, funktionieren Auftragsvergaben der öffentlichen Hand nicht. Es gibt in Österreich ein Vergaberecht, das sehr robust und klar ist. Es gibt für den Benachteiligten einen Instanzenweg, den die Strabag auch gehen würde, wenn sie glaubt, dass sie zu Unrecht ausgeschlossen oder nicht beauftragt worden ist.

Hat ein Minister überhaupt so viel Macht, einen Baukonzern landesweit zu boykottieren?
Es ginge theoretisch nur mit der Mitwisserschaft von mindestens sechs bis zehn Leuten. Diese würden solche Methoden niemals unterstützen und daher ist ein solcher Boykott denkbar unwahrscheinlich.

Warum dann diese Prahlerei von Herrn Strache?
Ich kann mir schon vorstellen, dass das ein Wunschtraum gewesen sein mag, der Strabag, beziehungsweise mir persönlich über die Strabag, zu schaden. Die Abneigung und den Hass aus dem rechtsradikalen Lager habe ich schon in der Vergangenheit immer wieder zu spüren bekommen.

Warum schlägt Ihnen so viel Hass von der FPÖ entgegen?
Ich stelle mich klar gegen die Rechtsradikalen. Während des Bundespräsidentenwahlkampfs habe ich gegen den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer eine Kampagne finanziert. Ich gehöre einem anderen politischen Lager an. Schließlich saß ich als liberaler Abgeordneter im Nationalrat.

Werden Sie gegen Herrn Strache wegen seiner Äußerungen zur Strabag Anzeige erstatten?
Im Rahmen der Ermittlungen wird alles Kriminelle von Amtswegen untersucht werden. Eine Anzeige wegen Beleidigung ist mir Herr Strache im Übrigen nicht wert.

Was erwarten Sie von den Ermittlungen?
Ich gehe davon aus, dass Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gründlich erfolgen werden. Wir hatten in der Vergangenheit ja bereits den vergleichbaren Fall des österreichischen ÖVP-Abgeordneten Ernst Strasser.

Im Ibiza-Video hatte Herr Strache mit angeblichen prominenten Unternehmern und Unternehmen als Parteispende angegeben. Wie sehr ist die FPÖ in der österreichischen Wirtschaft verankert?
Es wird den einen oder anderen mit Sympathien für die FPÖ geben. Wir hatten schon einmal eine Koalition von ÖVP und FPÖ unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der die Industrie freundlich gesonnen war. Doch es wird nur sehr wenige Unternehmer geben, die mit gezücktem Scheckheft bereitstehen, um die FPÖ mit hohen Summen zu finanzieren.

Der von Strache genannte Immobilienunternehmer René Benko hat bereits nachdrücklich dementiert, an die FPÖ gespendet zu haben …
…ich kenne René Benko sehr gut und bin an seinem Unternehmen beteiligt. Ein Mann, der Alfred Gusenbauer als Aufsichtsrat hat und Hans Peter Haselsteiner als Mitgesellschafter, kann kein Unterstützer der FPÖ sein. Die FPÖ ist nicht sein politisches Lager.

Sie fördern die liberale Oppositionspartei Neos. Was erwarten Sie sich an politischer Veränderung in Österreich?
Ich erwarte, dass die stimmenstärkste Partei die Möglichkeit haben wird, sowohl eine Große Koalition zu bilden als auch eine Koalition mit kleineren Parteien wie den Neos. Bundeskanzler Kurz hatte zurecht darauf hingewiesen, dass er bei der letzten Wahl 2017 keine Wahl hatte. Und es stimmt, dass eine Koalition mit der SPÖ keine attraktive Wahl gewesen wäre. Die kleinen Parteien waren damals zu schwach. Es gab zur FPÖ aus seiner Sicht also keine Alternative. Das wird bei der Wahl Anfang September hoffentlich anders werden und das wäre gut für die Demokratie und das Land.

Werden die Neos von der politischen Krise in Österreich profitieren?
Die Krise wird den Neos nicht schaden. Die Bürger sind mittlerweile sensibilisiert, was die politische Hygiene betrifft. Ich hoffe, die unbefleckte Weste der Neos wird der Partei bei der Wahl nutzen. Die Neos ist die einzige Partei, die für 100 Prozent ihrer Ausgaben einen Nachweis der Mittelherkunft führt.

Wird die Krise bereits bei den Europawahlen am Sonntag einen Effekt haben?
Es ist zu erwarten, dass die Rechtsradikalen mit ihrem Spitzenkandidaten Vilimsky nicht den Erfolg haben werden, den sie sich vor der Ibiza-Affäre erträumt haben.

Wie groß ist der politische Schaden für Österreich international?
Es ist ein Ende mit Schrecken. Der gute Ruf Österreichs wurde mit der Regierungsbeteiligung einer rechtsradikalen Partei aufs Spiel gesetzt. Doch nun ist diese rechtsradikale Partei entlarvt. Mit einer schnellen Wahl und einer guten Regierungsarbeit werden wir die politische Krise überstehen und wieder positiv wahrgenommen werden. Auch wenn rechtsradikale Parteien nur in sehr wenigen Ländern an der Macht sind, das Phänomen gibt es fast überall in Europa. Fast jede Nation in Europa hat diesbezüglich ihre Hausaufgaben zu machen.

Wir danken für das Gespräch.

Mehr: Der bisherige Verkehrsminister Österreichs wird neuer Chef der rechtspopulistischen FPÖ. Der Mann gilt nach außen als freundlich und bürgernah. Doch Norbert Hofer hat viele Gesichter.

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