Haushaltsdefizit Großbritannien ächzt unter Rekordschulden

Schlechte Stimmung in Großbritannien: Das Land hat im November so viel Kredit aufgenommen wie nie zuvor in seiner Geschichte. Die Neuverschuldung der öffentlichen Hand stieg wegen höherer Ausgaben für Gesundheitssystem, Verteidigung und EU auf umgerechnet 26,7 Milliarden Euro.
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Union Jack vor Big Ben: Großbritannien leidet unter Rekordverschuldung Quelle: Reuters

Union Jack vor Big Ben: Großbritannien leidet unter Rekordverschuldung

(Foto: Reuters)

HB LONDON. Die neuen Zahlen wurden am Dienstag vom Nationalen Statistikamt in London vorgelegt - und sorgten für eine unangenehme Überraschung. Experten hatten eine stabile Kreditaufnahme über rund 20 Milliarden Euro erwartet. Zum Vergleich: Das Bundesfinanzministerium kalkuliert für Deutschland seit gestern mit einer Neuverschuldung von weniger als 50 Milliarden Euro, zuvor war mit deutlich mehr Schulden gerechnet worden - nämlich mit etwa 80 Milliarden Euro. Das Pfund und britische Staatsanleihen gerieten wegen der neuen Daten unter Druck.

Aus Sicht der Regierung ist der Rekord ein Beleg dafür, dass Großbritannien ohne drastische Einschnitte in eine "finanzielle Gefahrenzone" geraten wäre. Die Neuverschuldung zeige, warum ein entschlossenes Vorgehen notwendig gewesen sei, erklärte das Finanzministerium. Zugleich betonte das Ministerium, dass die Schulden-Entwicklung insgesamt nicht von den Prognosen der Regierung für das laufende Haushaltsjahr bis Ende März abweiche. Seit April hat Großbritannien um rund zwölf Milliarden Euro weniger Kredite aufgenommen als im vergangenen Finanzjahr.

Binnen vier Jahren will die konservativ-liberale Regierung das Haushaltsdefizit so gut wie ausgleichen.Sie hat zuletzt ein Sparpaket über rund 95 Milliarden Euro aufgelegt. Die Gesamtverschuldung des Staates inklusive seiner Hilfen für die Finanzbranche stieg auf 65,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auch dies ist ein Rekord seit Beginn der Statistik im März 1993. Ohne die Zuschüsse an den Bankensektor lag der Anteil bei 58 Prozent.

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4 Kommentare zu "Haushaltsdefizit: Großbritannien ächzt unter Rekordschulden"

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  • Danke Tom! Ich wunderte mich auch schon!

  • ich habe nochmal nachrecherchiert und eine Quelle gefunden (bloomberg):

    Zitate:
    britain’s budget deficit swelled to a record in November, underscoring the challenge facing Prime Minister David Cameron as his government prepares to implement the deepest spending cuts since World War ii. Net borrowing was 22.8 billion pounds ($35.4 billion), compared with 16.7 billion pounds a year earlier, the Office for National Statistics said in London today. ...

    in the first eight months of the fiscal year that began in April, revenue increased 8.2 percent while spending rose 6.8 percent. The deficit in the period excluding financial interventions narrowed to 104.4 billion pounds from 105.1 billion pounds a year earlier. The Office of budget Responsibility, the government’s fiscal watchdog, estimates a fiscal-year deficit of 149 billion pounds.

    Liebes Handelsblattteam, man kann auch Artikel ohne Nachrecherchebedarf schreiben! ;-)

  • Sind bei diesem Artikel ein paar Zahlen durcheinander gekommen? Verständlich ist er jedenfalls nicht.

    Für Großbrittanien wurde im Laufe des Jahres immer eine Staatsdefizitquote von über 10 % prognostiziert, was in absoluten Zahlen ca. 150 Milliarden Pfund ausmachte. Eine Kreditaufnahme von 20 Mrd. Euro wären wunderbare Nachrichten, kann es sein, dass sich diese Zahl auf ein Monat bezieht? Das von Großbrittanien aufgelegte Sparpaket wiederum soll sich ja auf mehrere Jahre beziehen, so dass damit das Delta in den Zahlen nicht erklärbar ist (vor allem könnte es ja nicht innerhalb des Jahres bereits voll wirken).

    Die Zahlen für Deutschland dürften nur den bundeshaushalt betreffen, aber für ein ganzes Jahr!

  • Nur noch eine Frage der Zeit, bis ALLE Länder Europas über die Zinslast ächzen. Auch Deutschland wird es treffen! Spätestens wenn der demoskopische Faktor durchschlägt und immer mehr "Alte", Arbeitslose, Hartz-4-ler, EU-beamte,... von immer weniger "Jungen" verhalten werden müssen. bis dahin dürfte auch durch unseren großzügigen "Technologietransfer" unser Wettbewerbsvorteil und damit Grund für höhere Produktpreise auf dem Weltmarkt dahin sein...

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