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Hauts-de-Seine Sarkos Versuchslabor

In seinem Departement Hauts-de-Seine im Westen von Paris probiert Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy Lösungen für die Probleme aus, die er als Staatspräsident in ganz Frankreich anpacken will. Was er dort testet, könnte schon bald in ganz Frankreich Wirklichkeit werden.
Nicolas Sarkozy in Neuilly-sur-Seine, nachdem er seine Stimme abgegeben hatte. Foto: ap Quelle: ap

Nicolas Sarkozy in Neuilly-sur-Seine, nachdem er seine Stimme abgegeben hatte. Foto: ap

(Foto: ap)

PARIS. Die Erfolgsmeldungen des Monats empfangen den Besucher schon am Eingang der hellen Büroräume. „2. April: Verkäuferin, 3. April: Koch, 5. April: Friseuse“, steht in krakeliger grüner Handschrift auf einem großen Flipchart. Insgesamt 33 Langzeitarbeitslose fanden im April einen Job, und der Mai hat auch schon gut angefangen. „Heute haben wir eine Stelle für einen Informatiker gefunden – nach sieben Jahren Arbeitslosigkeit“, jubelt Agenturleiterin Sylvia Mahé. Die rundliche dunkelhaarige Frau strahlt: „Es ist wie ein Wunder!“

Von ganz allein geschehen die Jobwunder freilich nicht. Die private Arbeitsvermittlung Ingeus hilft kräftig nach. „Wir beraten Sozialhilfeempfänger ein Jahr lang einmal wöchentlich und stellen ihnen sämtliche Hilfsmittel vom Internet bis zum Briefporto“, sagt Madame Mahé von Ingeus. Auftraggeber der Agentur ist der Staat: Das Departement Hauts-de-Seine im Westen von Paris mag sich nicht mehr allein auf die Dienste des staatlichen Arbeitsamts ANPE verlassen und setzt deshalb neuerdings auf private Dienstleister.

Was heute im Departement Hauts-de-Seine geschieht, könnte morgen in ganz Frankreich Wirklichkeit werden. An der Spitze dieses Regierungsbezirks steht ein Mann, der womöglich bald die Republik regiert: Nicolas Sarkozy. Am kommenden Sonntag haben die Franzosen die Wahl zwischen dem Kandidaten der Konservativen und der Sozialistin Ségolène Royal. Sarkozy gilt als Favorit.

In seinem Departement probiert der 52-Jährige bereits Lösungen für die Probleme aus, die er als Staatspräsident in ganz Frankreich anpacken will. So hat er etwa eine neue Arbeitsmarktpolitik eingeführt. „Er vertritt eine Philosophie der Rechte und Pflichten“, sagt Philippe Juvin, der für Soziales zuständige Vizepräsident von Hauts-de-Seine. „Wir geben den Arbeitslosen bessere Starthilfen als früher, aber wir verlangen auch mehr.“

Das bedeutet: Wer nicht kooperiert, wird sanktioniert. Hauts-de-Seine setzt die Sozialhilfe gnadenlos aus, wenn Empfänger auf Gesprächs- und Jobangebote nicht reagieren. Sarkozys Botschaft lautet: „Wer vom Staat ein Mindesteinkommen kassiert, muss dafür auch eine Gegenleistung erbringen.“

Das kommt gut an in der Gegend, wo die so genannten Leistungsträger zu Hause sind. Der Name Hauts-de-Seine steht für den Pariser Speckgürtel. Hier erzielen 1,5 Millionen Einwohner von 36 Städten und Gemeinden das höchste Pro-Kopf-Einkommen Frankreichs, hier atmet der Bois de Boulogne, die grüne Lunge von Paris, frische Luft aus für die Wohlhabenden, und hier liegt Neuilly-sur-Seine, die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte des Landes.  

Wo herrschaftliche Villen, alte Bäume und elegante Limousinen das Straßenbild prägen, da nahm die politische Karriere des Nicolas Sarkozy ihren Anfang. Mit 28 Jahren wurde der Sohn eines ungarischen Einwanderers Bürgermeister von Neuilly, mit 34 Jahren Parlamentsabgeordneter des Wahlkreises Neuilly und vor drei Jahren Präsident des Departements Hauts-de-Seine. In Neuilly hat Sarkozy bis heute seine treuesten Wähler. Mehr als 70 Prozent der Einwohner stimmten beim ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl vor zwei Wochen für ihn.

So viel Treue weiß Sarkozy zu schätzen. Nach seinem Aufstieg zum Chef der Regierungspartei UMP und zum Innenminister blieb ihm zwar nur noch wenig Zeit für Hauts-de-Seine. Doch seine „Bindung“ zu dem Departement bleibe „intim“, versicherte er beim letzten Neujahrsempfang für die lokalen Würdenträger.

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