In this photo provided by U.S. Customs and Border Protection, people who've been taken into custody related to cases of illegal entry into the United States, sit in one of the cages at a facility in McAllen, Texas, Sunday, June 17, 2018. (U.S. Customs and Border Protection's Rio Grande Valley Sector

In this photo provided by U.S. Customs and Border Protection, people who've been taken into custody related to cases of illegal entry into the United States, sit in one of the cages at a facility in McAllen, Texas, Sunday, June 17, 2018. (U.S. Customs and Border Protection's Rio Grande Valley Sector via AP)

(Foto: AP)

Heftige Kritik von US-Konzernchefs Kinder in Käfigen sorgen für Streit um Trumps Migrationspolitik

Die Bilder von kleinen Kindern, die von ihren Eltern getrennt werden, lassen die Republikaner an der Politik ihres Präsidenten zweifeln. Auch Konzernchefs zeigen sich geschockt.
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McAllen/WashingtonRachel Maddow bricht in Tränen aus. Live im US-Fernsehen verliert die bekannte Moderatorin die Fassung, als sie in ihrer Sendung eine Meldung über die Trennung von Familien an der US-Grenze verlesen will. „Die Trump-Regierung hat Babys und kleine Kinder...“, beginnt sie. Sie schafft es nicht, den Satz zu beenden. „Könntet ihr eine Grafik einblenden?“, fragt die MSNBC-Moderatorin die Regie, allerdings ist keine vorhanden. „Ich glaube, ich muss das abgeben“, sagt Maddow. „Tut mir leid, das war's für uns heute Abend. Wir sehen uns morgen.“

Die Bilder gehen um die Welt. Kleine Kinder, die nach einer langen Reise durch Mittelamerika von ihren Eltern getrennt werden und in Auffanglager an der Grenze zu Mexiko gesteckt werden. Die Trennung der Familien geht zurück auf die „Null Toleranz“-Politik von US-Präsident Donald Trump gegenüber Migranten.

Seit die US-Behörden auf Anweisung von Justizminister Jeff Sessions alle illegalen Grenzübertritte strafrechtlich verfolgen, sind mehr als 2300 Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Sie wurden in Einrichtungen gebracht, über die offiziell wenig Informationen herausgegeben wurden. Die Nachrichtenagentur AP recherchierte, dass es entlang der mexikanischen Grenze drei Lager für kleine Kinder gibt und ein viertes in Houston geplant ist. Kirchen und Menschenrechtler haben diese Praxis als menschenverachtend kritisiert. Es gibt Berichte über Kinder, die aus den Armen ihrer Eltern gerissen wurden, und von Eltern, die nicht wissen, wo ihre Kinder sind.

In einer alten Lagerhalle im Süden von Texas sitzen Hunderte eingewanderte Kinder in Käfigen aus Drahtzäunen. Überall liegen Wasserflaschen, Chipstüten und riesige Rettungsfolien herum, die als Decken dienen sollen. In einem der Käfige warten nicht weniger als 20 Kinder. Nach erneuter Kritik und Protesten gegen die „Null Toleranz“-Politik der USA hat der US-Grenzschutz Journalisten erlaubt, jene Anlagen im Süden des Landes zu besichtigen, um die es geht. Fotos oder Interviews mit den Insassen waren nicht gestattet.

Mehr als 1100 Menschen sind in der riesigen dunklen Lagerhalle untergebracht, aufgeteilt in unbegleitete Kinder, Erwachsene und Familien. Die Käfige führen jeweils in gemeinsame Bereiche, in denen mobile Toiletten aufgebaut sind. Die Deckenlichter in der Halle brennen rund um die Uhr.

Nach Angaben des Grenzschutzes sind 200 Menschen in der Unterkunft unbegleitete Minderjährige. Weitere 500 seien Eltern mit ihren Kindern. Viele Erwachsene, die ohne Erlaubnis die Grenze überquert haben, könnten ins Gefängnis kommen und so von ihren Kindern getrennt werden.

„Die Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden, sind schon traumatisiert“, sagt der demokratische Senator Jeff Merkley aus Oregon, der zusammen mit Abgeordneten die Anlage in Südtexas besucht hat und dem Anfang des Monats der Besuch in einer Unterkunft für Kinder verwehrt worden war. „Da ist es egal, ob der Boden gefegt ist und die Bettlaken glatt gezogen sind.“

Kinder in Käfigen – Was Trumps „Null-Toleranz-Politik“ mit jungen Migranten macht
Grenzüberschreitung
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Ein kleines Mädchen aus Honduras weint, während ihre Mutter von einem Beamten der Grenzpatrouille kontrolliert wird. Die Grenzer setzen damit die Null-Toleranz-Politik der US-Regierung gegenüber nicht registrierten Einwanderern durch. Präsident Trump will mit der Richtlinie illegale Grenzübertritte strafrechtlich verfolgen. Sind Familien betroffen, kommen die Eltern vorläufig ins Gefängnis, und die Kinder werden gesondert untergebracht.

Das Zentrum der US Border Patrol in McAllen
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Am 7. Mai 2018 hatte die US-Regierung die neue Praxis in der Einwanderungspolitik angekündigt. Seitdem ist die Zahl der getrennten Familien stark gestiegen. Laut dem Sektorchef des US-Grenzschutzes für das Tal des Rio Grande, Manuel Padilla, kommen viele Kinder zunächst ins zentrale Abfertigungszentrum in McAllen, Texas.

Ein Agent der US Border Patrol
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Allein zwischen April und Mai haben die US-Behörden fast 2000 Kinder von ihren Eltern getrennt. Wegen der Null-Toleranz-Politik sind die Unterkünfte für Kinder mittlerweile voll.

Migranten aus Honduras
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Ein 16-jähriger Junge und sein Vater warten darauf, von McAllen aus weiterreisen zu dürfen. Die beiden waren aus Honduras geflüchtet. Gemäß der unter George W. Bush eingeführten „Catch and Release“-Richtlinie können Migranten freigelassen werden, während sie auf ihre Anhörung warten. Präsident Trump will dieser Praxis ein Ende bereiten.

Junge Migranten in Texas
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Der US-Zoll und die Grenzpolizei kontrollieren und überprüfen die jungen Migranten. Danach werden diese zu anderen Aufnahmestellen gebracht. Säuglinge werden nicht von ihren Müttern getrennt, andere Kinder kommen in spezielle Einrichtungen oder bei Pflegefamilien unter. Die Kinder auf diesem Bild sind noch mit ihren Familien vereint, als sie an einer kirchlichen Einrichtung in Texas ankommen.

Festnahme von Migranten
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Viele Migranten aus dem Süden durchwaten den Rio Grande, um in die USA zu gelangen. Hier verhaftet die US-Grenzpolizei Einwanderer, die den Fluss auf einem Floß überquert haben. Amerikanische Wirtschaftsführer verurteilen die Richtlinie, Familien zu trennen. „Die Methode ist grausam und läuft den amerikanischen Werten zuwider“, sagt Chuck Robbins, Vorstandsvorsitzender von Cisco Systems.

Kinder in Käfigen
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Mehr als 1100 Menschen sind in der riesigen dunklen Lagerhalle untergebracht, aufgeteilt in unbegleitete Kinder, Erwachsene und Familien. Die Käfige führen jeweils in gemeinsame Bereiche, in denen mobile Toiletten aufgebaut sind. Nach Angaben des Grenzschutzes sind 200 Menschen in der Unterkunft unbegleitete Minderjährige. Weitere 500 seien Eltern mit ihren Kindern.

Im Tal des Rio Grande in Texas, dem wichtigsten Korridor für Menschen, die in die USA gelangen wollen, rechtfertigen sich die Grenzbehörden, sie müssten hart gegen Migranten vorgehen und die Erwachsenen von den Kindern trennen - als Abschreckung für andere. „Wenn man für eine Gruppe von Menschen Ausnahmen vor dem Gesetz macht, zieht das auch andere an“, sagt der leitende Grenzbeamte Manuel Padilla. „Dann wird das hier zum Trend.“

Mitarbeiter in der Unterkunft – die auch als „Ursula“ bekannt ist, benannt nach der vorbeiführenden Straße – sagen, jeder Insasse bekomme angemessene Nahrung sowie Zugang zu Duschen, sauberer Kleidung und medizinischer Versorgung. Die Menschen sollen hier nicht lange bleiben.

Laut US-Gesetzen müssen Kinder innerhalb von drei Tagen in Heime des Gesundheitsministeriums gebracht werden. Der Grenzbeamte Padilla sagt, im Rio-Grande-Tal sei es Familien mit Kindern unter fünf Jahren meistens erlaubt worden, zusammenzubleiben.

In einer Sitzung mit republikanischen Kongressmitgliedern hinter verschlossenen Türen räumte Trump nach Angaben des texanischen Abgeordneten Randy Weber ein, dass Fernsehbilder von weinenden Kindern, die gewaltsam von ihren Eltern getrennt wurden, nicht gut aussähen. „Politisch ist das schlecht“, sagte Trump laut Weber.

Der Präsident gab sich bei dem Republikanertreffen im Kongress aber entschlossen, seinen harten Kurs durchzuziehen. Er forderte vom Kongress eine „dritte Option“, nach der Kinder und Eltern als Familieneinheit festgesetzt „und umgehend entfernt“ werden könnten. Die zwei anderen Alternativen wären aus seiner Sicht Trennungen von Familien oder aber „offene Grenzen“, erklärte er. „Wir müssen die Trennung der Familien stoppen“, ergänzte er, mahnte aber zugleich: „Wir können Leute nicht hereinströmen lassen.“

Unter Republikanern gibt es auch mit Blick auf die Zwischenwahlen im November immer mehr Widerstand. Im Repräsentantenhaus berieten Republikaner an einer überarbeiteten Version einer breiteren Einwanderungsreform, nach der Kinder an der Grenze länger festgehalten werden sollen – allerdings zusammen mit ihren Eltern. Derzeit können Minderjährige bis zu 20 Tage in Gewahrsam genommen werden, die Vorlage sähe eine Lockerung der Spanne vor.

Im Senat war ein anderes Gesetz im Umlauf. Nach der von Senator Ted Cruz eingebrachten Vorlage würden Migrantenfamilien zwar gemeinsam in Haft kommen, jedoch zugleich Asylanhörungen und Abschiebeverfahren beschleunigt.

Die Gouverneure mehrerer US-Ostküstenstaaten erklärten unterdessen, dass sie keine Nationalgardisten an die US-mexikanische Grenze entsenden. Der Schritt ist vor allem symbolisch und gilt als Kritik an den Familientrennungen. Die republikanische Gouverneure von Maryland und Massachusetts, Larry Hogan und Charlie Baker, kündigten an, Hubschrauberbesatzungen von dem Grenzeinsatz zurückzurufen oder nicht dafür bereit zu stellen. Auf der Seite der Demokraten veranlassten die Gouverneure von Connecticut, Delaware, New Jersey, Pennsylvania, Rhode Island, New York und Virginia ähnliche Schritte.

Auch große Unternehmen distanzierten sich von Trumps Einwanderungspolitik. Facebook-Chef Mark Zuckerberg erklärte: „Wir müssen diese Politik jetzt sofort stoppen.“ Google-Chef Sundar Pichai twitterte, bei den Geschichten und Bildern drehe sich ihm der Magen um.

Haley „Die USA wollen nicht Teil einer heuchlerischen Organisation sein"

Apple-Geschäftsführer Tim Cook verurteilte die Regelung in einem Interview mit der Zeitung „The Irish Times“ als menschenverachtend. Die Airbnb-Gründer erklärten, die Trennung der Kinder von ihren Familien sei „herzlos, brutal, unmoralisch und gegen die amerikanischen Werte von Zugehörigkeit“.

Menschenrechtsaktivistin Michelle Brané ist tief beunruhigt über das, was sie vor wenigen Tagen in der Unterkunft in McAllen gesehen hat. Sie habe eine 16-Jährige getroffen, die sich seit drei Tagen um ein kleines Mädchen gekümmert habe. „Sie musste den anderen Kindern in der Zelle beibringen, wie man die Windeln des Mädchens wechselt“, sagt Brané von der Gruppe Women's Refugee Commission.

Nachdem ein Anwalt nachgefragt habe, hätten die Betreuer der Unterkunft die Tante des Mädchens ausfindig gemacht und sie zueinander gebracht. Das Kind sei vier Jahre alt gewesen und habe kein Spanisch gesprochen, sondern K'iche, eine Sprache der Ureinwohner Guatemalas. „Sie war so traumatisiert, dass sie kein einziges Wort gesagt hat“, erklärt Brané. „Sie hat sich einfach nur zusammengerollt.“

Die Aktivistin berichtet auch von Aufsehern, die eine Gruppe von Fünfjährigen ausschimpften, weil diese in ihrem Käfig herumtollten. Spielzeug oder Bücher gibt es nicht. Einer der Jungen aber habe nicht mit den anderen gespielt, erinnert sich Brané. Er sei ganz still gewesen und habe sich an ein Stück Papier geklammert, auf das der Ausweis seiner Mutter kopiert war.

„Die Regierung nimmt tatsächlich Kindern die Eltern weg und überlässt sie unter unangemessenen Bedingungen sich selbst“, sagt Brané. „Wenn eine Mutter oder ein Vater ein Kind ohne Aufsicht in einem Käfig mit anderen Fünfjährigen sitzen ließe, würden sie zur Rechenschaft gezogen.“

Auch Dr. Colleen Kraft, Leiterin der Amerikanischen Akademie für Kindermedizin, hat eine kleine Unterkunft mit 60 Betten in Texas besucht, deren Namen sie aber nicht nennen will. Ihr Blick sei dort auf ein Kleinkind gefallen, das gebrüllt und wild mit den Fäusten auf die Matte geschlagen habe. Die etwa Zweijährige sei in der Nacht zuvor der Mutter weggenommen und in dieses Heim gebracht worden, sagt Kraft.

Mitarbeiter hätten versucht, sie zu trösten. Sie hätten der Kleinen Bücher und Spielzeug gegeben - doch sei es ihnen nicht erlaubt gewesen, sie hochzunehmen oder zu umarmen, um sie zu beruhigen. Die Mitarbeiter dürften die Kinder nicht berühren, sagt Kraft. „Der Stress ist überwältigend. Der Fokus muss doch auf dem Wohlergehen dieser Kinder liegen, unabhängig von der Politik.“

Rachel Maddow entschuldigt sich am Dienstagabend auf Twitter für ihren Ausfall. „Ugh, es tut mir leid. Es ist mein Job, im Fernsehen sprechen zu können.“ Sie habe plötzlich nichts mehr sagen und tun können. Die komplette Meldung verschickt sie dann über den Kurznachrichtendienst und fügt hinzu: „Nochmals entschuldige ich mich dafür, den Faden verloren zu haben.“ Ihre Follower feiern die 45-Jährige.

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