Henry M. Paulson Ex-US-Finanzminister warnt vor neuer Finanzkrise

Fünf Jahre nach der Finanzkrise droht eine neue: Das glaubt der Ex-Finanzminister der USA, Henry M. Paulson, und nennt dafür drei Gründe. Er kritisiert besonders das „too big to fail“-Phänomen der Großbanken.
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In Sorge: Henry Hank Paulson, Ex-US-Finanzminister und früher auch CEO bei Goldman Sachs, hält eine weitere Finanzkrise für möglich. Quelle: ap

In Sorge: Henry Hank Paulson, Ex-US-Finanzminister und früher auch CEO bei Goldman Sachs, hält eine weitere Finanzkrise für möglich.

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DüsseldorfDie Welt sollte sich für eine neue Finanzkrise rüsten. Das fordert der frühere US-Finanzminister Henry M. Paulson in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Besteht die Gefahr einer erneuten Finanzkrise? Das ist die Frage, die mir seit meinem Abgang aus dem Finanzministerium am häufigsten gestellt worden ist. Ich fürchte, dass die Antwort darauf „Ja“ lautet“, schreibt der langjährige Chef der Investmentbank Goldman Sachs.

Paulson entschied auf dem Höhepunkt der Krise 2008, dass die überschuldete Investmentbank Lehman Brothers nicht mit staatlichen Hilfen gerettet werden sollte. Er war einer der wichtigsten Akteure bei der Rettung des Bankensystems in den USA nach der Lehman-Pleite, wofür er auch Kritik erntete. Ihm wurde vorgeworfen, die Interessen der Wall Street über jene der amerikanischen Staatsbürger zu stellen. Bei der Veranstaltung des Economic Club of New York wurde Paulson von Andrew Tisch, Co-Chairman von Loews, gefragt, ob er auch heutiger Sicht etwas anders machen würde. Paulson sagte daraufhin, „fast jeder Fehler war ein Kommunikationsproblem”.

Er sei noch immer enttäuscht darüber, dass die Öffentlichkeit nicht verstanden habe, dass die Rettungsaktion „nicht für die Wall Street, sondern für sie war”. „Trotz aller Fortschritte gibt es eine Reihe von Problemen, die mir Sorge bereiten“, so Paulson. Der ehemalige Finanzminister nannte drei Gründe, warum er eine Wiederholung der Finanzkrise für sehr gut möglich hält.#

„Fünf Jahre nach der Finanzkrise haben wir bei der Reform der staatlich geförderten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac keinerlei Fortschritte erzielt“, schreibt Paulson. Die Hypothekenfinanzierer mussten im Zuge der Finanzkrise verstaatlicht werden, sind aber noch immer in staatlicher Hand. Da sie derzeit viel Geld abwerfen, sei es politisch schwierig, sie auf eine handhabbare Größe zu schrumpfen, sagte Paulson. Neunzig Prozent der Hypotheken in den USA haben staatliche Garantien.

Grund Nummer zwei: „Wir sind den Markt der Schattenbanken nicht angegangen“, so der Ex-Politiker weiter. Es sei noch „mehr zu tun”, um die Probleme mit Repo-Transaktionen zu beheben und es sollte mehr Transparenz bei den Investments der Geldmarktfonds geben.

Grund Nummer drei: „Wir streiten noch immer darüber, ob wir das Dilemma der ,too big to fail'-Banken gelöst haben.“ Paulson schlägt mit Blick auf die systemwichtigen Großbanken vor: „Das „too big to fail“-Phänomen ist inakzeptabel und muss aus der Welt geschafft werden. Der beste Ansatz wäre hier, mit Hilfe von stringenteren Kapital- und Liquiditätsanforderungen die Vorteile zu minimieren, die große Geldinstitute genießen. Eine strenge Regulierung einschließlich Größenbeschränkung und Veräußerungszwang bei Banken, die ihre Risiken nicht mehr steuern können, könnte Pleiten unwahrscheinlicher machen.“

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20 Kommentare zu "Henry M. Paulson: Ex-US-Finanzminister warnt vor neuer Finanzkrise"

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  • Die Schakale pirschen sich jetzt, nachdem Syrien destabilisiert ist, in die Türkei. Wetten, dass hier in Zukunft der nächste Bürgerkrieg tobt mit noch mehr Tod und Elend. Aber Hauptsache man verliert das große Ziel nicht aus den Augen und wer weiss, was man dort als Vorwand zu finden hofft.

  • Wieder so ein Leerverkäufer der mit dem Schüren von Angst Geld verdienen möchte. Die Medien schenken solchen "Meinungsmachern" wie Paulson - die einzig und allein aus persönlichen Erwägungen heraus handeln - viel zu viel Aufmerksamkeit.

  • Aus Saulus wurde Paulus - Kann aus einem Goldman-Sax-Manager ein Normalo werden? Auf jeden Fall ist das was er sagt bestimmt zielorientiert. Die Frage : Wem nützt die Zielerreichung? den Bürgern oder der US Admin oder einer bank.

  • was für eine alberne diskussion - keine der ursachen der finanzkrise sind behoben, teilweise noch nicht mal richtig analysiert - na logo steht die nächste vor der tür! solange zins und zinseszins in einem schuldgeldsystem dafür sorgen, dass der anteil der zinszahlungen an vermögensbesitzer in jedem produkt, in jeder dienstleistung weiter exponentiell ansteigt - kann die realwirtschaft niemals so produktiv werden, um diese zusatzbelastungen mit real geschaffenen werten zu hinterlegen - also gibts im virtuel-geldcasino finanzmarkt immer wieder hütchenspiele mit geld, das keine realwert-deckung hat und als blase platzt - das fing mit john laws missisippi-aktie an über die subprimekrise von lehman ausgelöst ... und es geht immer weiter. und heftiger!

  • Haben Sie Dir wieder zu lange Ausgang gegeben? Ohne Aufsichtsperson? Ab in die hinterste Besenkammer!!

  • Einige Leute haben es nicht mehr richtig in Errinnerung hier. Der Herr Paulson war GS-Chef bevor er im Jahr 2006 Finanzminister unter Bush wurde. Diesen leicht größenwahnsinnigen Spruch "I'm doing God's work" hat sein Nachfolger, der Herr Blankfein, im Jahr 2009 rausgehauen.

    Das einzig Interessante an Herr Paulson ist dass es ein super Beispiel für "Drehtürkapitalismus" ist.
    (1) Sein Ex-Arbeitgeber hatte ziemlich viele Forderungen aus Eventualverbindlichkeiten an AIG, die an nur 1 Geschäftstag nicht die ca. 180 Mrd an Liquidität übrig hatten. Selbstverständlich spielt das für einen Drehtürkapitalist offiziell in keiner Weise eine Rolle, ob sein Ex-Arbeitgeber irgendwelche offenen Forderungen aus Eventualverbindlichkeiten ggü. einer insolventen Firma hat.
    (2) Beim Fall Lehmann, dem großen historischen Erzfeind der Goldmänner, hätte ein US-Finanzminister zwar auch wie bei AIG argumentieren können. Aber selbstverständlich spielt es für einen Drehtürkapitalisten in keinster Weise eine Rolle, wenn ein Wettbewerber seines Ex-Arbeitgeber, um einen Bailout bettelt.

    Trotz all dieser perversen Interessenskonflikte hat der Herr Paulson schon damit Recht, dass wenn keine Bank bzw. sonstiger TBTF-Marktteilnehmer von den Staaten und Zentralbanken gerettet worden wäre... hmm ja ... der eine oder andere Politiker wäre wohl heute nicht mehr am Leben (Ich meine das nicht als Metapher)

  • Passend dazu in FuW:
    «Das Too-big-to-fail-Problem ist grösser als vor 2008»
    http://www.fuw.ch/article/das-too-big-to-fail-problem-ist-grosser-als-vor-2008/

  • Paulson, ausgerechnet der Ex-Goldman Sachs Paulson, der seine Ex-Konkurrenten von Lehmann über die Wupper schickte, und damit die letzte Finanzkrise erst auslöste.

    Muß man dem Geschwafel dieses Gescheiterten noch zuhören???

  • @pro-d : unterirdischer Kommentar pro -d heisst wohl: fuer die Dummheit.

  • Ich kann ja gar nicht glauben das ausgerechnet der Chef von Goldman Sachs sagt, das grosse Banken zerschlagen werden sollten...

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