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Hepsiburada Türkischer Amazon-Konkurrent: Milliarden-Börsengang in New York

Während die türkische Wirtschaft Geld braucht, machen Start-ups vom Bosporus Kasse. Hepsiburada wagt jetzt den Sprung aufs Parkett – und könnte mit dem Geld bald auf Einkaufstour gehen.
01.07.2021 - 17:35 Uhr Kommentieren
Die Erlöse will sie dazu verwenden, das Produktportfolio auszuweiten und ihre Expansionspläne zu verwirklichen. Quelle: imago images/IP3press
Hepsiburada-Gründerin Hanzade Dogan Boyne

Die Erlöse will sie dazu verwenden, das Produktportfolio auszuweiten und ihre Expansionspläne zu verwirklichen.

(Foto: imago images/IP3press)

Istanbul Es ist schwer, dem Internetgiganten Amazon Konkurrenz zu machen. Das türkische Start-up Hepsiburada hat es geschafft – und wird jetzt an der Nasdaq mit fast vier Milliarden US-Dollar bewertet.

Beim Börsengang an der New Yorker Technologiebörse hat das E-Commerce-Unternehmen aus Istanbul 20 Prozent seiner Anteile für 12 US-Dollar pro Aktie anbieten können. Insgesamt nahm das Unternehmen damit 738 Millionen US-Dollar ein. Investor Franklin Resources ist mit 25 Prozent beteiligt und wird im Rahmen des Börsengangs seinen Anteil auf 14,6 Prozent reduzieren.

Die Gründerin Hanzade Dogan Boyner will den Erlös dazu verwenden, das Produktportfolio auszuweiten, etwa um Flugbuchungen oder digitale Geldüberweisungen.

Kurz vor dem Handelsstart in New York kündigte sie dann noch etwas an, das wohl viele Investoren begeisterte: Expansionspläne. „Mit dem Erlös wollen wir unsere Dienstleistungen nicht nur in unserem Heimatmarkt Türkei, sondern auch in nahegelegenen und potenzialstarken Märkten ausweiten“, sagte sie am Donnerstag in einer Pressekonferenz. „Es gibt starke Märkte im Nahen Osten, Nordafrika und Osteuropa.“

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    Während die klassische türkische Wirtschaft derzeit Schwierigkeiten hat, mit den Folgen der Pandemie und den politischen Eskapaden der Regierung in Ankara zurechtzukommen, erleben türkische Technologie-Start-ups derzeit einen Höhenflug und machen auch deutschen und europäischen Unternehmen zunehmend Konkurrenz.

    Türkische Start-ups: Wettbewerb für Europas Tech-Firmen

    So wurde der Online-Modehandel Trendyol Anfang des Jahres mit 9,4 Milliarden US-Dollar bewertet. Für eine Expansion nach Europa will die Gründerin Demet Mutlu jetzt weitere Milliarden US-Dollar einsammeln.

    Der Lebensmittel-Lieferdienst Getir aus Istanbul ist nach London expandiert und plant, bald in Berlin dem lokalen Anbieter Gorillas Konkurrenz zu machen.

    Auch in anderen Bereichen können junge türkische Unternehmen punkten. Das Rüstungsunternehmen Bayraktar ist erst vor wenigen Jahren in die Produktion militärischer Kampfdrohnen eingestiegen. Inzwischen verkauft es die unbemannten Flieger in die Ukraine und sogar an das EU- und Nato-Mitglied Polen. Das hatte zuletzt sogar für geopolitische Schockwellen gesorgt.

    Gründerin mit 29 Jahren

    Die Gründerin von Hepsiburada entstammt der einflussreichen türkischen Industriellenfamilie Dogan und ist Vizepräsidentin der Familienholding. Nach Abschlüssen an der London School of Economics und der New Yorker Columbia-Universität startete sie ihre Karriere bei Goldman Sachs in London.

    Das Istanbuler Start-up Hepsiburada wird gern auch  als „Amazon des Ostens“  bezeichnet. In der türkischen Metropole Istanbul sind viele Technologie-Start-ups mit hohem Potenzial angesiedelt. Quelle: ddp/VWPics/Sipa USA
    Istanbul

    Das Istanbuler Start-up Hepsiburada wird gern auch als „Amazon des Ostens“ bezeichnet. In der türkischen Metropole Istanbul sind viele Technologie-Start-ups mit hohem Potenzial angesiedelt.

    (Foto: ddp/VWPics/Sipa USA)

    Ab 1998 setzte der Familientycoon Aydin Dogan auf das E-Commerce-Geschäft und holte seine Tochter ins Unternehmen. Nachdem sie zuerst die Familienbeteiligungen an der Zeitung „Posta“ sowie dem Ölkonzern Petrol Ofisi gemanagt hatte, gründete sie 2001 dann Hepsiburada, mit damals 29 Jahren.

    Bei Hepsiburada kann man fast alles bestellen, vom Buch über die Waschmaschine bis hin zu Lebensmitteln. Weil der Branchengigant Amazon die Türkei lange gemieden hatte, konnte Hepsiburada seinen Marktanteil stetig ausbauen. Bereits im Jahr 2013 registrierte die Unternehmenswebseite 100 Millionen Besuche – pro Monat. Das Finanzmagazin „Fortune“ nannte Hepsiburada im Jahr 2019 das „Amazon des Ostens“ und beschrieb das Unternehmen als führend bei der Transformation der türkischen Wirtschaft.

    Experten sehen im türkischen Markt großes Potenzial

    Der Börsengang folgte, nachdem das Online-Unternehmen im Zuge der Pandemie seine Umsätze nach eigenen Angaben hatte verdoppeln können. Trotzdem sehen Beobachter noch viel Potenzial. Onlineshopping macht nach Angaben von Branchenverbänden in der Türkei immer noch nur etwa zehn Prozent des gesamten Handels aus, verglichen mit etwa 20 Prozent in weiten Teilen Europas.

    Amazon hatte der jungen Gründerin sogar mal eine Kaufofferte gemacht, aber 2018 davon wieder Abstand genommen. Danach gründete der E-Commerce-Konzern aus Seattle eine eigene Niederlassung in der Türkei. Doch bisher hält sich der Erfolg in Grenzen, Amazons Liefergebiet ist auf wenige Großstädte beschränkt und der Marktanteil verschwindend gering. An Hepsiburada scheint in der Türkei kein Anbieter mehr vorbeizukommen.

    In den ersten Jahren nach dem IPO wolle sie sich darauf konzentrieren, neue Dienstleistungen anzubieten und zu wachsen, anstatt den Marktanteil zu erhöhen, erklärt die Unternehmensgründerin. „Wir könnten aber in Erwägung ziehen, Akquisitionen zu tätigen, wenn sich die richtige Gelegenheit für anorganisches Wachstum bietet“, fügte Dogan hinzu.

    Mehr: Keine Chance für Amazon: Wie in der Türkei eigene Tech-Größen wachsen

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