Herabgestuft Spanien nähert sich „Ramsch“-Niveau

Die schlechten Nachrichten für Spanien reißen nicht ab. Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Krisenlandes herabgestuft. Doch noch will Spanien die Eurozone nicht um Hilfe bitten.
Update: 08.06.2012 - 04:34 Uhr 17 Kommentare

Fitch senkt Spaniens Bonitätsnote

New York/London/FrankfurtSpanien rutscht immer tiefer in die Krise. Für einen neuen Tiefschlag sorgte am Donnerstagabend die Ratingagentur Fitch. Sie senkte die Kreditwürdigkeit des Landes um drei Stufen herab. Spanien ist von einer massiven Bankenkrise gebeutelt, steckt in einer schweren Rezession und kämpft mit einem zu hohen Staatsdefizit.

Im Notfall soll Spanien Hilfe der Euro-Partner bekommen. „Falls Spanien Hilfe braucht, wird es Unterstützung erhalten“, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Donnerstag in Brüssel am Rande einer Veranstaltung. Luxemburgs Premier sagte weiter, der spanische Bankensektor stehe „unter Stress“. Da Madrid bisher keinen Antrag auf Hilfen der Partner gestellt habe, sei es zu früh, über Zeitpläne und Summen zu spekulieren.

Die spanische Regierung hat noch nicht entschieden, ob sie in Brüssel Hilfen beantragen wird. Sie will nach Angaben von Wirtschaftsminister Luis de Guindos erst Gutachten des Weltwährungsfonds (IWF) und zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zur Lage des spanischen Bankensektors abwarten.

Die Ratingagentur Fitch teilte mit, man habe die Bonität Spaniens um drei Stufen von „A“ auf „BBB“ gesenkt. Damit wird das Land nur noch zwei Stufen über Ramsch-Niveau bewertet.

Den Ausblick setzte Fitch auf „negativ“. Als Hauptbegründung für die Entscheidung nannte das Ratingunternehmen die hohen Kosten, die Spanien wahrscheinlich bei der Sanierung des maroden Bankensektors bevorstehen.

Fitch sieht den nötigen Mittelaufwand zwischen 60 und 100 Milliarden Euro. Ein EU-Parlamentarier und Parteifreund von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte von einer Summe von bis zu 100 Milliarden Euro gesprochen. Damit benötigt Spanien für die Sanierung seiner Banken möglicherweise erheblich mehr Geld als bislang angenommen.

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17 Kommentare zu "Herabgestuft: Spanien nähert sich „Ramsch“-Niveau"

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  • Schon längst unter Ramschniveau ist die Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen gesunken.

    Denn der Rekapitalisierungsbedarg der spanischen Banken ist seit zwei Jahren jedem bekannt der 1 + 1 zusammenzählen kann.

    Dazu braucht man bloß alle unvermieteten/unverkauften Eigentumswohnungen und sonstigen Betonruinen zusammenzählen und über den Daumen Abzüge für realistisch erzielbare Preise und Eigenkapitalbeitrag der Bauherren und finanzierenden Institute zu machen.

    Weder dieser Rekapitalisierungsbedarf noch die tatsächliche Kreditwürdigkeit Spaniens hat sich nenenswert geändert. Spanien hat sogar Sparprogramme und Arbeitsmarktreformen durchgeführt die sich in Zukunft positiv bemerkbar machen werden.

    Daß man jetzt auch allmählich den vollen Umfang des Refinanzierungsbedarfs des spanischen Kreditwesens addressiert ist auch eher positiv als negativ.

    ------------------------------------------

    Die Bewertungsübungen der amerikanischen Ratingbetrüger dienen nur einem Zweck:

    Die asiatischen Finanziers der Supermacht ohne Geld von der eigenen gallopierenden Staatsverschuldung (103% BSP) abzulenken.

    Während Europa seine Verschuldungsprobleme - bis auf den Kleptokratenstaat Griechenland - bekämpft, geht in den USA die Schuldenparty fröhlich weiter.

    Und zwar so lange, bis die Chinesen den Stecker ziehen.

    Dann kostet der US-$ nur noch 0,40 €.

    Und die Anleger im "sicheren Hafen" werden lernen daß 'Tsunami' Hafenwelle heißt.

  • Mein lieber alersa,

    "Nun kann man sich an der Hand abzaehlen, wann İtalien an der Reihe ist, dann muss richtig Geld gedruckt werden", meinen Sie?

    Wenn die Welt doch bloß so einfach wäre, daß man sie mit derartigen Simpelmethoden berechnen könnte!

    Tatsächlich ist die Lage in Italien eine gänzlich anderer - hier gab es keine Immobilienblase die jahrelang buchhalterisch vertuscht wurde.

    Was es in Italien gibt ist ein chronisches Haushalts- und Außenhandelsdefizit, das nur durch Strukturreformen beseitigt werden kann.

    Den ersten Schritt haben Berlusconi und Monti getan, der zweite scheint irgendwie schwerzufallen.

  • Mein lieber KoreTSK,

    Europas Bevölkerung ist weder überaltert noch mangelt es ihr an Kreditwürdigkeit.

    Sie verfügt vielmehr über eine Reife an der es Ihnen zu fehlen scheint.

    Aber mit Ihrem IQ von (knapp) über 50 dürfen Sie von mir aus gerne ihr Geld an Teenager verleihen.

    Wünsche viel Vergnügen.

  • Mein lieber Dr. Norbert, ihre Behauptung daß es "nur noch eine Frage der Zeit" sei "bis der europäische Zahlungsverkehr zusammenbricht" zeugt leider von wenig Sachverstand.

    Oder können Sie da irgendwie begründen?

  • Mein lieber Dr. Norbert, wenn der derzeitige Zinsspread von 400 bis 500 Punkten zwischen D und It den "Abgesang auf den Euro" beweisen würden, was hat den der Zinsspread von 100 Punkten vor vier Jahren bewiesen?

    Das D und It nahezu die gleiche Kreditwürdigkeit haben?

    Oder bloß daß die Finanzmärkte von einer Übertreibung in die andere taumeln?

  • Wir haben solche "notleidende, faulen Kredite in die sogenannte BAD BANK ausgelagert, die nicht bilanziert werden"?

    Nein - das haben wir nicht.

    Oder was meinen Sie woher der plötzliche Anstieg der deutschen Staatsverschuldung im Jahr 2008 gekommen ist?

    Wenn solche Hütchenspielertricks funktionieren würden dann gäbe es keine Bonitätskrisen, und auch keine "Eurokrise".

  • Dieses Gejaule um die Inflation ist etwas kurzsichtig. Meiner bescheidenen Meinung nach. Eine funktionierende Wirtschaft hat auch eine gesunde Inflation. Eine die sich an den Eckdaten der jeweiligen Wirtschaft orientieren muß.
    Ansonsten bildet sich, genauso wie am Arbeitsmarkt die Schwarzarbeit, eine Schatteninflation heraus. Eine Inflation von 1,9% mag für Deutschland gerade richtig sein, aber für Italien und Spanien eben nicht. Da wären 3 bis 4% angemessener, eben weil das Geld dort auch nicht mehr wert ist.
    Hier würden den Zentralbanken und dem Euro-System mehr Fantasie gut zu Gesicht stehen.
    Auf die Dauer können Gelddruckmaschinen, wie die USA, und andere Länder, sich mit diesen Mitteln besser helfen, und letztendlich das Weltsystem dominieren, während sich die Euro-Länder selbst strangulieren.

  • "Mit den span. Banken und ihrer Schieflage wegen der Immobolienkredite, verstehe ich eines nicht: wir haben doch solche notleidende, faulen Kredite in die sogenannte BAD BANK ausgelagert, die nicht bilanziert werden.

    Wieso geht das nicht auch in Spanien?"

    Das habe ich mich auch schon gefragt.
    Vielleicht findet ja der Staatsanwalt raus, ob es Sinn macht oder nicht. Oder es würden Verflechtungen mit anderen Banken in anderen EU-Banken zutage kommen, die vielleicht besser ruhen sollten. Ich erinnere mich da an "Rechenfehler" während der Schaffung der deutschen Bad-Banks.
    Insgesamt kann ich mich des Eindrucks auch nicht erwehren, das die Finanzblasen besser Europa opfern wollen, als die USA, die aus meiner Sicht deutlich mehr Probleme hat, als Griechenland. Diese können ihre Machenschaften nur besser verstecken.
    Man kann gut Immobilienblasen als Schuldige ausmachen, aber selbst ein Teil einer Finanzblase sein, was man besser nicht kommuniziert.

  • Centre for European Political Studies, hier ein Kommentar von Prof. Grauwe, der scheinbar da auch mitmischt:
    fear and panic are now the driving forces in the eurozone, splitting the area into two: pushing some into bad equilibria characterised by austerity and recession, and others into good equilibria allowing their governments to borrow at almost no cost. The responses adopted so far by the ECB and the European Commission reflect a fundamental misunderstanding of the crisis and fail to assuage the existential fears undermining confidence in the eurozone

    http://www.ceps.eu/book/self-inflicted-crisis

    Also eine Auseinandersetzung wie toll D an dem Debakel verdient. Natürlich darf man hierbei nicht vergessen, dass der Mann Belgier ist, Dexia als Damoklesschwert übe dem Land hängt und somit eine weitere Verflechtung wünschenswert ist, schon alleine zur Einlagensicherung der Sparkonten.

  • http://www.dieeuros.eu/Okonom-Daniel-Gros-Lassen-wir-doch,4169.html?lang=fr

    Ökonom Daniel Gros : „Lassen wir doch ein Mitglied der Eurozone bankrott gehen“
    25 octobre 2010 | Par Alice RADZYNER
    Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS), einer der Köpfe der
    mehreren Think Tanks in Brüssel seit Anfang 2000

    Daraus eine Passage:

    Vor einigen Monaten haben Sie einen Europäischen Währungsfonds (EWF) vorgeschlagen. Der Vorschlag wurde auf EU-Ebene diskutiert, auch aufgrund der Unterstützung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble. Worum geht es bei diesem Konzept ?

    Daniel Gros : Zurzeit stellt der Europäische Rat für Länder, die ein Rettungspaket benötigen, finanzielle Unterstützung zur Verfügung. Es gibt jedoch keinen Rahmenplan, nach dem diese Unterstützung vergeben wird. Mein Vorschlag wäre es, einen Plan mit klaren Zielen zu erstellen : Wollen wir einzelne bankrotte Regierungen retten ? Oder sollten wir stattdessen lieber Finanzmärkte retten ?
    Lassen wir doch lieber einen Mitgliedstaat der Eurozone bankrott gehen und retten stattdessen ganze Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch - das hilft langfristig dem Rest der Eurozone !
    Ein Rahmenplan würde Disziplin schaffen : Die Regierungen wüssten, dass sie nicht immer gerettet werden.

    Ökonomen wie Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Think-Tanks CEPS und Berater der Bundesregierung u.a., und der Amsterdamer Professor Dirk Schoenmaker befürworten einen solchen Schritt, wie die Bankenunion und die Schuldengemeinschaft.

    Was sagt uns das?
    Angedacht seit einigen Jahren ging und geht es in der EURO-Zone nur noch darum, nicht Länder, sondern Banken zu retten.

    Das sieht schon aus wie ein Finanzmarktkomplott.

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