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Hilflose Wächterin Weltgesundheitsorganisation fehlen die Mittel im Kampf gegen das Coronavirus

Die WHO betrachtete wochenlang den Corona-Ausbruch als rein chinesisches Problem. Jetzt hechelt der globale Gesundheitswächter der immer schlimmer werdenden Krise hinterher.
20.02.2020 - 15:00 Uhr Kommentieren
WHO fehlen die Mittel im Kampf gegen das Coronavirus Quelle: dpa
Morgendliche Rushhour mit Mundschutz in Tokio

Mittlerweile sind knapp 74.300 Corona-Fälle in China bestätigt. Außerhalb des Reiches der Mitte tauchten schon in 25 Staaten mehr als 920 Fälle auf, etwa in Japan.

(Foto: dpa)

Genf So oft wie in diesen Tagen war der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom, noch nie auf den Medienkanälen zu sehen. Mal in einer Übertragung aus dem WHO-Hauptquartier in Genf, mal von der Sicherheitskonferenz im München, mal während eines Besuchs bei Chinas Führung in Peking.

Der stets leutselig wirkende Dr. Tedros schneidet fast nur ein Thema an: das gefährliche Corona-Virus. Der Immunologe, der einen Doktortitel in „Community Health“ trägt, informiert. Er appelliert. Er warnt: „Jedes Szenario ist noch möglich.“ Gleichzeitig will er von „Hysterie“, von „Panik“ nichts wissen.

Inzwischen erfassten die Behörden knapp 74.300 bestätigte Corona-Fälle in China. Mehr als 2.000 Patienten starben dort. Außerhalb des Reiches der Mitte tauchten schon in 25 Staaten mehr als 920 Fälle auf, drei Menschen starben. Die gesamten wirtschaftlichen Schäden, vor allem in China, lassen sich kaum verlässlich abschätzen.

Rund drei Wochen nachdem der Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus den internationalen Gesundheitsnotstand ausrief, kann die WHO noch keine griffigen Erfolge gegen „COVID-19“ vorweisen. Im Gegenteil. Die globale Gesundheitswächterin hechelt der eskalierenden Corona-Krise hinterher. „Für die WHO ist es nicht einfach die Führung im internationalen Kampf gegen das Corona-Virus zu übernehmen“, urteilt ein Genfer Diplomat.

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    Das liegt zum einen an den Kompetenzen. Die WHO kann die souveränen Regierungen nur beraten und ihnen Empfehlungen geben. Die WHO verschreibt gewissermaßen die Medizin. Ob die Politiker die Medizin in ihren Ländern verabreichen, entscheiden sie selbst. Das trifft zumal auf die autoritär regierte Großmacht China zu.

    Ein anderer Grund für die mangelnde Durchsetzungskraft der WHO ist das Geld. Anfang Februar rief die WHO die Staaten und Institutionen zu Zahlungen von 675 Millionen US-Dollar auf – eine bescheidene Summe im globalen Maßstab.

    Damit sollen Maßnahmen gegen COVID-19 von Februar bis April besonders in armen Ländern finanziert werden: etwa Diagnoseinstrumente, Quarantäneeinrichtungen und Behandlungen. Die Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates sagte bis zu 100 Millionen US-Dollar zu. Doch bis Mittwoch dieser Woche kamen nur noch wenige Summen hinzu.

    Kritik an den schleppenden Zahlungseingängen

    Von den 61,5 Millionen US-Dollar, die für die Aktivitäten der notorisch klammen WHO selbst anfallen, erhielt die Organisation bis Mittwoch erst 1,2 Millionen US-Dollar überwiesen. Dem standen Zusagen von 26 Millionen US-Dollar und eine Finanzierungslücke von mehr als 34 Millionen US-Dollar gegenüber.

    Der WHO-Chef kritisierte die schleppenden Zahlungseingänge ungewöhnlich offen. Die Welt gebe „Milliarden Dollar aus, um sich gegen eine Terrorattacke zu wappnen, aber vergleichsweise wenig gegen eine Virusattacke“, schimpfte Adhanom, ein früherer Außenminister und Ex-Gesundheitsminister seines Landes. Das sei „gefährlich kurzsichtig“.

    Trotz der knappen Mittel konnte die WHO an „viele“ bedürftige Länder die dringend benötigten Masken, Handschuhe, Anzüge und andere Schutzbekleidung liefern. Zudem finanzierte sie die Ausbildung von Gesundheitspersonal.

    Doch noch immer bleiben Länder mit schwachen Gesundheitssystemen schlecht bis sehr schlecht vorbereitet. Falls sich der Corona-Erreger in Afrika ausbreiten sollte, könnte es zu einer Katastrophe kommen, heißt es aus WHO-Kreisen.

    Immerhin schaffte die Gesundheitsorganisation es auch, rund 300 Wissenschaftler, Mediziner und andere Experten sowie Geldgeber kurzfristig zu einer Krisenkonferenz zusammen zu bringen. Begleitet wurde die zweitägige Sitzung in Genf von einem Medienrummel, die Ergebnisse waren ernüchternd. „Dieses Treffen erlaubte uns, die wichtigen Forschungsprioritäten zu identifizieren“, erklärte der Pariser Infektionsspezialist Yazdan Yazdanpanah. Das klang nach Ratlosigkeit.

    Impfstoff wohl erst in anderthalb Jahren

    Und WHO-Chef Tedros überbrachte der Welt während der Konferenz eine wirklich schlechte Nachricht. Er räumte ein, dass ein Impfstoff gegen COVID-19 wohl erst in anderthalb Jahren zur Verfügung stehen könnte. Bis dahin müsse die Welt mit den vorhandenen „Waffen“ kämpfen.

    Die meisten dieser Waffen kommen derzeit in China zum Einsatz: Ganze Regionen werden abgeriegelt und Institutionen mit möglichen Corona-Fällen sofort geschlossen. Daneben häuften sich die Berichte von schlampiger Bürokratie, Vertuschungen und Drangsalierungen mutiger Menschen, die über das Ausmaß der Corona-Krise schonungslos Zeugnis ablegen.

    Der WHO-Repräsentant in China, Gauden Galea, äußerte Kritik, zumal an den drakonischen Maßnahmen wie der Isolierung der Stadt Wuhan mit elf Millionen Einwohnern. „Meines Wissens nach, ist der Versuch, eine Stadt mit elf Millionen Menschen zu isolieren neu für die Wissenschaft“, sagte er der Nachrichtenagentur ap. Es sei unmöglich zu sagen, ob es wirke oder nicht.

    Galeas Chef im fernen Genf hingegen hält an seinem Lob für die chinesische Führung fest. China habe mit seinen Schritten „der Welt Zeit gekauft“, sagte Tedros noch vor wenigen Tagen. Dabei kämen diese Schritte China selbst teuer zu stehen. Zuvor hatte Tedros festgehalten: „China setzt derzeit neue Maßstäbe bei der Reaktion auf einen Ausbruch.“

    Bis heute wird spekuliert, wieso, zumindest öffentlich, kein Wort der Kritik an Chinas Führung über die Lippen des WHO-Chefs kommt. Eine Erklärung: Als Minister der Regierung Äthiopiens arbeitete Tedros gut mit Peking zusammen. Die Kooperation dauert wohl an.

    Mehr: Coronavirus offenbart gravierende Mängel an Chinas Gesundheitssystem: Es fehlt an medizinischem Personal, guter Infrastruktur und Transparenz. Diese Probleme bestehen nicht erst seit Ausbruch des Coronavirus.

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