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Hinrichtungen Menschenrechtsgruppe meldet Hunderte Hinrichtungsorte in Nordkorea

Noch immer finden staatliche Hinrichtungen unter Kim Jong-un statt, wie ein Bericht zeigt. Nordkoreanische Überläufer berichten jetzt über Details.
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Der Machthaber im April 2019, kurz nach seiner Ankunft in Russland. Quelle: AP
Kim Jong-un

Der Machthaber im April 2019, kurz nach seiner Ankunft in Russland.

(Foto: AP)

SeoulDie Nichtregierungsorganisation Transitional Justice Working Group hat nach eigenen Angaben Hunderte Hinrichtungsstätten in Nordkorea geortet. Die Informationen basieren auf Interviews mit 610 nordkoreanischen Überläufern, die geholfen hätten, die Orte auf Satellitenbildern ausfindig zu machen. Das teilte die Menschenrechtsgruppe mit Sitz in Seoul in Südkorea am Dienstag mit.

Wo genau sich die 323 Hinrichtungsorte befinden, ließ die Gruppe aus Angst vor Manipulationen durch das nordkoreanischer Regime offen. Laut Bericht lägen aber 267 der Plätze in zwei Provinzen im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu China. Die öffentlichen Hinrichtungen selbst ereigneten sich in der Regel nahe Flüssen, sowie auf Feldern, Hügeln, Marktplätzen und Schulgeländen. Dort müssten Bewohner und Familienangehörige der zum Tode Verurteilten häufig bei der Hinrichtung anwesend sein.

Die Ergebnisse zeigten, dass staatliche willkürliche Hinrichtungen und außergerichtliche Tötungen unter Machthaber Kim Jong Un trotz internationaler Kritik anhielten, so der Bericht.

Die Nachrichtenagentur AP konnte den Bericht nicht von unabhängiger Seite verifizieren. Auch die Arbeitsgruppe selbst räumte ein, dass sie keinen direkten Zugang zu Nordkorea habe. Die Orte, von denen die Überläufer berichteten, konnten die Mitarbeiter demnach nicht besuchen.

Der Bericht wurde der Gruppe zufolge durch Mittel der Denkfabrik National Endowment for Democracy mit Sitz in Washington ermöglicht, die vom US-Kongress finanziert wird.

Scheinprozesse ohne Rechtsbeistand

Bei fast allen staatlichen Tötungen, die die Überläufer in dem Bericht schildern, handelte es sich um öffentliche Hinrichtungen durch Erschießen. Die meisten Hinrichtungen ereigneten sich nach kurzen „Prozessen“, bei denen die Vorwürfe gegen die Beschuldigten bekanntgegeben und Urteile erteilt würden, ohne dass die beschuldigte Person einen Rechtsbeistand habe, steht in dem Bericht. Bei den Vorwürfen gegen die Beschuldigten handele es sich laut Bericht um Mord, Vergewaltigung und Körperverletzung, aber auch um einfachen Diebstahl.

Die Leichen würden nach der Hinrichtung nicht an Familienangehörigen übergeben, so der Bericht, sondern oftmals in dem Bergen abgeladen, wo sie ohne Markierung im Boden begraben oder in Schluchten geworfen würden.

In einem Bericht an den UN-Menschenrechtsrat im Mai gab Nordkorea an, es halte „beständig das Prinzip aufrecht, für wissenschaftliche Genauigkeit, Objektivität und Unparteilichkeit sowie den Schutz von Menschenrechten im Umgang mit Kriminalfällen zu sorgen“. Seit seiner Machtübernahme 2011 steht Machthaber Kim wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, erst im Mai soll er südkoreanischen Medienberichten zufolge fünf hochrangige Mitglieder des nordkoreanischen Außenministeriums hinrichten haben lassen.

Nordkorea äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Aus Pjöngjang hieß es aber, negative Einschätzungen über seine Menschenrechtslage seien Teil von Druckkampagnen unter Führung der USA, um das Ansehen Nordkoreas zu schwächen und das politische System des Landes zu zerstören.

Mehr: Kein Staat der Welt ist so abgeschottet wie Nordkorea. Die Bürger haben sich in eine Scheinwelt geflüchtet – inklusive Fake-Automarke und eines gigantischen Spaßbads. Ein Besuch in einem Land im geistigen Belagerungszustand.

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