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Historiker Ian Morris „Kriege haben die Welt sicherer gemacht“

Es mag zynisch klingen, aber produktive Kriege haben unsere Welt über die Jahre sicherer und reicher gemacht. Für den Stanford-Historiker Ian Morris ist dies die Erkenntnis aus 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte.
11.11.2013 - 19:23 Uhr 35 Kommentare
Gibt es den gerechten Krieg? Quelle: Getty Images

Gibt es den gerechten Krieg?

(Foto: Getty Images)

Handelsblatt Online: Herr Morris, in Ihrem Buch unterscheiden Sie zwischen produktiven und unproduktiven Kriegen. Wollen Sie etwa provozieren?

Ian Morris: Ja, die Begrifflichkeiten sollen in der Tat Aufmerksamkeit erregen. Aber ich finde auch, dass sie durchaus treffend sind. Produktive Kriege sind Kriege, die unsere Welt größer, sicherer und wohlhabender gemacht haben. Bis zur Eiszeit hat es solche Kriege nicht gegeben. Lange Zeit kam die Menschheitsgeschichte ohne produktive Kriege aus, der Zerfall der Han-Dynastie und des Römischen Reiches sind Beispiele dafür. Ein Imperium, das unproduktive Kriege führt, zerfällt.

Kriege haben unsere Welt also besser gemacht – mit Verlaub: Ist das nicht ein merkwürdig zynischer Widerspruch?

Oh ja, mich haben die Ergebnisse ja selbst überrascht. Während meiner Recherche habe ich festgestellt, dass Krieg in der Menschheitsgeschichte immer eine treibende Kraft gewesen ist. Viele gute Dinge, die wir heute so haben – soziale Sicherungssysteme oder Zahnarzt-Dienstleistungen – sind das Resultat von Krieg. Klar, das klingt paradox. Fakt ist aber, dass Kriege unsere Welt sicherer und reicher gemacht haben.

Ich sehe ein, Krieg beeindruckt Sie offenbar. Aber können Sie mir noch ein bisschen deutlicher erklären, wie Kriege die Welt nun größer und sicherer gemacht haben?

Wenn eine Gruppe eine andere in einer kriegerischen Auseinandersetzung besiegt und unterwirft, ist das in der Geschichte immer hässlich gewesen. Was die Geschichte aber zeigt: Wenn eine Gruppe größer wird und komplexere Regierungsformen kreiert, versuchen die Führer als erstes nach innen hin eine friedliche Ordnung herzustellen. Es dauert eine lange Zeit, aber so werden Gesellschaften auf Dauer sicherer. Sie werden zunächst größer und dann sicherer. Damit Gesellschaften wachsen, muss es zunächst zu Krieg kommen. In den vergangenen 10.000 Jahren findet man kaum Beispiele, dass Gesellschaften größer wurden, ohne das es Kriege gab. Dass eine Gruppe freiwillig seine Souveränität aufgibt, um mit anderen zusammen zu wachsen, ist sehr selten. In diesem Sinne ist die Europäische Union eine große Ausnahme in der Geschichte und zu meiner These. Ich dachte als Kind immer, dass die EU ein unglaublich langweiliges Gebilde ist. Heute weiß ich: Langeweile ist gut.

Wie sähe denn eigentlich eine Welt aus, die nie einen Krieg erlebt hätte?

Recht langweilig. Es gäbe vermutlich ein paar Millionen Menschen auf der Welt. Wie in Jäger- und Sammlergesellschaften würden wir ständig von Ort zu Ort wandern, mit einer sehr niedrigen Lebenserwartung. Es wäre eine ganz andere Welt, als wie wir sie heute kennen.

Irgendwann kommt ein neuer Krieg
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35 Kommentare zu "Historiker Ian Morris: „Kriege haben die Welt sicherer gemacht“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Na dann hat Eric Hobsbawn wohl recht...

    Der 3. WK wird zwischen den USA und China ablaufen!

    http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/eric-hobsbawm-es-wird-blut-fliessen-viel-blut-700669.html

  • @ Ralph. Ich hoffe ihr Haus wird als erstes zerstört in diesem richtigen Krieg den Sie sich so sehr wünschen. Gehen Sie nach Syrien in die umkämpften Gebiete, aber nicht schummeln - schön da bleiben, denn nach ihrer Defintion gibt es ja gar keine richtigen Kriege sondern nur Veranstaltungen.

  • Stanford. Wenn ich das schon höre. So eine Müll kann auch nur aus dem Angelsächsichen Raum kommen, denn das sind die größten Kriegstreiber der Geschichte. Schotten, Iren, Spanier, Indianer, Niederländer, Franzosen, Inder, Deutsche, und jetzt die Araber: Die ganze Welt haben diese Kriegstreiber bekämpft und ins Joch gezwungen. Klar aus deren Sicht ist die Welt dadurch besser geworden. Aber dafür ist auch keine Kultur so verhasst wie dieser Angelsächische Haufen. Es gibt Staaten da müssen Sie um ihr Leben fürchten mit einem US oder UK Pass. Sicher nicht ganz zu Unrecht.

  • @ RalphFischer

    Jawohl, und Sie dürfen ganz vorne an marschieren!

  • @ Frei

    Leider wissen Sie nicht wer Ihr Feind ist! Das sind genau diejenigen, die Sie verteidigen!
    Die Gegener einer freien Welt sitzen in den westlichen Regierungen und der Hochfinanz!
    Leider müssen Leute wie Sie dies auf die Harte Tour lernen! Wenn Ihre Söhne im nächsten Krieg gefallen sind wird es Ihnen vielleicht wieder einfallen!

  • Israel ist das einzigste Land der Erde, was sich noch NIE an Beschlüsse der U.N. gehalten hat.

  • Zitat framu: "Vielleicht erfahren wir dann, daß das Pentagon nur der Kopf einer Wohltätigkeits-Industrie ist".

    Was hier sicherlich ironisch gemeint ist, ist Realität: das Pentagon ist (auch) eine Wohltätigkeitsindustrie. Würde das Pentagon zehntausende Army-Angehörigen entlassen, würde der US-Arbeitsmarkt zusammenbrechen. Würde das Pentagon den Umfang seiner Binnenaufträge an die Rüstungsindustrie deutlich verringern, wären die Folgen für die US-Volkswirtschaft vmtl. gravierend. Bekanntlich ist die US-Rüstungswirtschaft zwar überdurchschnittlich innovativ, aber ebenso wäre sie mit zivilen Produkten im freien Markt viel zu teuer, d.h. nicht wettbewerbsfähig. Angesichts der Wohltätigkeitsrolle des Pentagon am US-Arbeitsmarkt und der US-Volkswirtschaft wird keine Administration an den Wünschen des Pentagon vorbeikommen. Kritisch wäre aber wirklich leistungsfähige globale Konkurrenz für die Rüstungswirtschaft. Obwohl die US-Waffensystem-Anbieter wegen hoher Preise auf tönernen Füßen stehen, werden sie ihren Exportanteil mittels des innovativen Vorsprungs wohl längerfristig sicher halten können. Während die russischen Waffensystem in allen jüngeren Konflikten problemlos ausgeschaltet werden konnten, wurde die Leistungsfähigkeit chinesischer System nirgendwo unter Kriegsbedingungen getestet. Europas Rüstungsschmieden fallen wegen einiger spektakulärer Fehlschläge als ernsthafter Konkurrent ebenfalls aus.


  • Was ein "produktiver" und ein "unproduktiver" Krieg ist, wie er ihn definiert, bleibt dieser Gelehrte der Standford-Uni uns schuldig.

    Ich kenne leider nur unproduktive Kriege.

    Produktive Kriege gibt es wahrscheinlich nur in einer krankhaft patriotischen Umgebung. Ist das so in den USA an der Stanfard-Uni?

    Hier einen Leserbrief zu hinterlassen ist fast sinnfrei. Dort sollte man mal hinschreiben! Vielleicht erfahren wir dann, daß das Pentagon nur der Kopf einer Wohltätigkeits-Industrie ist.

  • Claudius sagte zwar "der Krieg ist der Vater aller Dinge" ... aber das ist vom Grundsatz falsch. Denn die Not macht erfinderisch -nicht nur die Nöte des Krieges- und ist damit der große Inovator der Menschheit, bzw. der Zivilisation.

    Kriege vernichten materielle Werte und treten menschliche Werte mit Füßen. Kriege werden auch nur angezettelt wenn die Politiker versagen. Leider ist Macht wie Meereswasser: je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man. Insofern ist auch eine Staatsform Demokratie kein Allheilmittel gegen kriegerische Lösungen. Siehe USA: notfalls erfindet man "asymetrische Kriege" oder den "Krieg gegen Terrorismus" ... was eigentlich nur eine Bekämpfung von Kriminalität ist welche mit klügeren Ansätzen wie Gewalt besser zu lösen wäre. Nochmals Krieg ist meist eine Folge krankhafter Machtausübung, sehr selten erforderlich um sich gegen irgendwas zu wehren. So wurde der Kommunismus in Russland durch wirtschaftliche Einflüsse beendet. Und ausch der Krieg gegen Terrorismus könnte anders geführt werden. Nämlich daß man erstmal die Dinge beim Namen nennt. So ist der Islam keine Religion (deren Freiheitsrechte er missbraucht) sondern eine politische Gesellschaftsordnung. Aufklären und für echte Bildung sorgen würde u.a. sehr viel helfen.

    Kriege vernichten Werte, materielle und menschliche. Daß sich sowas an den Universitäten noch nicht herumgesprochen hat, ist bedauerlich.

  • Das Kriege nicht nur Nachteile bringen sondern auch Vorteile ist doch ein alter Hut. Gehen sie durch den Wald
    und geniessen die gute Luft und fühlen sich frei, tobt um sie herum am Boden ein fürchterliches Gemetzel .

    Unser Planet ist wie das ganze Universum voller Gewalt auch wenn sie schön aussieht . Auch eine Atombomenexplosion zeigt Estetik. Das selbst Weltreligionen sich von Gewalt nicht lösen konnten, ist
    eine Kraft die sich niemand entziehen kann. Ohne Gewalt und Krieg keinen Frieden. Frieden ist nur eine bestimmte Zeit zu ertragen. Daher ist Europa längst überfällig, aber die Atomwaffen auf diesen Planeten stoppen die natürliche Auslese.

    Wer genau seine Umgebung abscheckt, merkt wie Agressive
    diese ist. bei Kleinigkeiten wird ausgerastet. Jugendgewalt endet immer mehr mit Tote. Warum?. Diesen Leuten fehlt der Schützengraben wo ihnen Genitalien um die Ohren fliegen und das Geschrei den Verstand lähmt.

    Danach tritt der innere Frieden für Jahrzehnte ein.

    Europa wird aber einen inneren Krieg erleben wenn die Geldmafia Europa ausspuckt was noch über ist und dann wartet, bis Europa sich zerfleischt. Danach wird wieder aufbaut.

    Dann sind die selben Verbrecher wieder da, um abzusahnen.
    So war nach den ersten WK und nach den 2 WK. Aber wie gesagt ein alter bekannter Hut.

    Eine Lösung wären Außerirdische die uns angreifen. Die Leute auf der Erde würden förmlich aufblühen und die Außerirdischen würden sich wünschen niemals hier zu sein.

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