Historischer Schritt USA und Kuba einigen sich auf Botschaftseröffnung

Die USA und Kuba besiegeln das Ende von mehr als 50 Jahren diplomatischer Eiszeit. Im Juli werden Botschafter ausgetauscht. Bis zu einer vollständigen Normalisierung der Beziehungen ist es aber noch ein weiter Weg.
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US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden. Obama gab bekannt, dass im die USA und Kuba im Juli wieder Botschafter austauschen werden. Quelle: ap
Ende der Eiszeit

US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden. Obama gab bekannt, dass im die USA und Kuba im Juli wieder Botschafter austauschen werden.

(Foto: ap)

WashingtonKuba und die USA tauschen erstmals wieder Botschafter aus. Am 20. Juli sollten Vertretungen in den Hauptstädten des jeweils anderen Landes eröffnet werden, erklärten beide Seiten am Mittwoch. US-Präsident Barack Obama habe einen entsprechenden Brief an seinen kubanischen Kollegen Raúl Castro geschrieben, teilte das kubanische Außenministerium in Havanna mit. Obama sprach von einem neuen Kapitel. Castro zeigte sich zufrieden. In den USA regte sich aber auch heftige Kritik.

Obama sagte in Washington: „Wir müssen uns nicht von der Vergangenheit gefangen nehmen lassen. Amerikaner und Kubaner sind gleichermaßen bereit voranzuschreiten.“ Er rief den Kongress auf, Wirtschaftssanktionen gegen Kuba aufzuheben, weil diese nicht zu einem politischen Wandel in dem kommunistisch regierten Land geführt hätten. Obamas Rede wurde auch im kubanischen Fernsehen live übertragen und ins Spanische übersetzt - ein ungewöhnliches Vorgehen.

Castro schrieb an Obama, Kuba habe der Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen zugestimmt, weil es ermutigt vom gegenseitigen Willen sei, eine „respektvolle Beziehung und Zusammenarbeit zwischen unseren Völkern und Regierungen zu entwickeln“. Die kubanische Regierung erklärte jedoch, bis zu normalen Beziehungen sei es noch ein langer Weg. Sie fordert unter anderem, eine Ende der US-Sanktionen, die Rückgabe des Militärstützpunktes Guantanamo und die Einstellung von US-Radio- und -Fernsehsendungen für Kubaner.

Die USA und Kuba hatten am 17. Dezember bekanntgegeben, dass sie wieder diplomatische Beziehungen aufnehmen wollten. Seitdem verhandelten sie über ein Abkommen zur Wiedereinrichtung von Botschaften. Seit Ende der 70er Jahre unterhalten die USA und Kuba im jeweils anderen Land Missionen, die diplomatisch in der Verantwortung der Schweiz stehen und nicht den gleichen Status wie Botschaften haben.

Auch nach der Eröffnung von Botschaften wird es noch eine Reihe von Problemen zwischen beiden Ländern geben. Ungeklärt ist etwa die Frage der Entschädigung für auf Kuba beschlagnahmten amerikanischen Besitz, aber auch ein möglicher Schadenersatz für die Folgen des jahrzehntelangen US-Embargos gegen Kuba. Dieses Embargo besteht noch immer. Obama würde es gerne aufheben, stößt aber auf Widerstand im Kongress, vor allem vonseiten der Republikaner.

Ein Land zwischen Nostalgie und Aufbruch
Der Revolutionsplatz
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Er wirkt eher schmucklos und schlicht – dennoch ist er wohl einer der wichtigsten Plätze in Kuba: Der Revolutionsplatz im Zentrum der Hauptstadt Havanna. Dort halten die Castros ihre politischen Reden, die schon mal bis zu acht Stunden dauern können. Doch außerhalb solcher repräsentativen Momente ist der Platz meist menschenleer, nur der alte Revolutionär und Castro-Vertraute Camillo Cienfuegos wacht dann über den Asphalt. Wie viel revolutionärer Geist wohnt Kuba noch inne?

Che Guevara in der Hafenstadt Cienfuegos
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Auf den Straßen der Metropolen wie Havanna oder Cienfuegos an der Südküste der Insel sind die alten Revolutionäre um Che Guevara noch allgegenwärtig, dem toten Revolutionär wird gehuldigt: „Dein Vorbild lebt. Deine Ideen bestehen weiter.“ Sichtbar sind die Symbole aber vor allem dort, wo die Touristen vorbeigeführt werden. Sie sollen einen stolzen, sozialistischen Staat in Erinnerung behalten.

Der Malecón in Havanna
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Den Eindruck von Stolz und vor allem von Freiheit vermittelt etwa auch der Küstenboulevard Malecón. Dort brausen viele Oldtimertaxis mit Touristen umher, doch auch die Einheimischen entspannen abends an der Kaimauer. Die Atmosphäre ist lässig und unbesorgt.

Verfallene Straßen nahe des Malecóns
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Abseits der repräsentativen Plätze wird das Stadtbild Havannas dagegen nicht so sorgfältig gepflegt. Stolze Revolutionssymbole sucht man in den Seitenstraßen der Uferpromenade Malecón umsonst, kleine Pinbilder der Castros an den Wänden kleiner Läden sind das Höchste der Gefühle. Die Fassaden der alten Kolonialbauten bröckeln, Brachen bleiben lange Zeit ungenutzt. Denn Investitionen in Neubauten gibt es kaum.

Streetart in den Seitenstraßen von Havanna
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Stattdessen versuchen die Kubaner ihre alten, kaum instand gehaltenen Wohnbauten mit eigenen Mitteln möglichst wohnlich zu gestalten. Straßenkunst lockert die Atmosphäre des Verfalls etwas auf – da ist eben die eigene Kreativität gefragt, wie so oft im Alltag der Kubaner.

Warteschlangen vor den Boutiquen
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Denn in der staatlichen Planwirtschaft ist nicht immer sicher, ob man seine individuellen Pläne so umsetzen kann, wie man will. Welche Waren noch da sind, wenn man beim Samstagseinkauf vom Türsteher der Boutique eingelassen wird, ist vorab nie abzusehen. Deshalb bilden sich vor beliebten Geschäften dann schon mal kleine Menschentrauben wie hier in der Fußgängerzone in Cienfuegos. Ein Bild, das sich in Deutschland wohl höchstens noch in der Hysterie um die Neueröffnung eines Primark oder eines Appleshops bietet. Viele Kubaner hoffen, dass die Annäherung an die USA ein wenig mehr Planbarkeit bringt.

Höhepunkt für junge Kubanerinnen
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Schließlich gibt es Momente, in denen einfach nichts fehlen sollte: Hier wird eine junge Kubanerin in Trinidad auf ihre Quinceañera vorbereitet. In vielen lateinamerikanischen Ländern und auch in Kuba wird der 15. Geburtstag der Mädchen als Übergang ins Erwachsenenalter mit viel Pomp gefeiert. Wenn eine Familie es sich leisten kann, fährt sie an diesem Tag alle Geschütze auf, inklusive Make Up-Artist und Fotografenteam.

Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner, warf Obama vor, er habe für die Annäherung an Kuba keinerlei Gegenleistung herausgeholt. Der republikanische Senator Ted Cruz erklärte, Obama habe vor Castro bedingungslos kapituliert. Er drohte, die Ernennung eines Botschafters zu blockieren. Die Regierung in Kuba sei eines der „gewalttätigsten antiamerikanischen Regime in der Welt“, sagte Cruz, dessen Eltern aus Kuba stammen und der sich um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat für 2016 bewirbt.

Auch von Obamas Demokraten kam Kritik. Deren Senator Bob Menendez monierte, die Regierung in Havanna sei die einzige in der westlichen Hemisphäre, mit der die Regierung Obama Beziehungen anknüpfe, ohne dass sie vom Volk gewählt sei.

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1 Kommentar zu "Historischer Schritt: USA und Kuba einigen sich auf Botschaftseröffnung"

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  • Liebe Kubaner, seid was die Eröffnung amerikanischer Botschaften in
    Kuba betrifft wachsam. Allzugern werden sicherlich -ganz im Sinne der
    Wahrung des Weltfriedens durch den Weltpolizisten USA- die Castro-brothers abgehört, wie es die Amis in Europa ja schon lange bei ihren "Verbündeten
    und Partnern" praktizieren.

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