Historisches Gesetz zur Homo-Ehe Amerika vor der Zerreißprobe

Es ist ein historisches Urteil: Das oberste Gericht der USA legitimiert die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten - und spaltet damit das Land. Gegner wollen nicht so schnell klein beigeben.
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Das oberste US-Gericht hat die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten legitimiert. Quelle: AFP
Historisches Gesetz

Das oberste US-Gericht hat die gleichgeschlechtliche Ehe in allen Bundesstaaten legitimiert.

(Foto: AFP)

San FranciscoAmerika steht vor einer Zerreißprobe wie seit dem Bürgerkrieg von 1861 nicht mehr. In einer historischen Entscheidung bestätigte der oberste Gerichtshof der USA das Recht auf gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als zwingend für alle 50 Bundesstaaten und spaltet das Land. Das birgt gravierenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Sprengstoff im Jahr vor der Präsidentenwahl.
Für den amtierenden US-Präsidenten ist es ein historischer Moment. „Es ist ein Sieg für Amerika. Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, dann sind wir alle ein weniger freier“, zeigte sich Barack Obama am Freitag bei einer Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses zufrieden. Der Supreme Court hat gleichgeschlechtliche Ehen mit heterosexuellen Ehen juristisch gleichgestellt. „Alle Menschen werden gleich behandelt, egal, wer sie sind oder wen sie lieben. Das wird das System aus Flickwerk beenden, das wird heute haben“, so Obama.

Außenminister John Kerry geht noch einen Schritt weiter: „Das Urteil sendet eine klare Botschaft in jeden Winkel des Kontinents: Gesetze, die auf Diskriminierung berufen, werden vor den Gerichten keinen Bestand haben“. Worte an Staaten wie Russland oder Emirate im Mittleren Osten, die wegen gesetzlicher Diskriminierung von Homosexuellen in massiver Kritik stehen.

Diese Länder sagen „Yes“ zur Homo-Ehe
Irland
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Feiern nach dem Votum: Beim Referendum zur Homo-Ehe hat in dem erzkatholischen Irland am Samstag eine klare Mehrheit für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt. Doch wie sieht es in anderen Staaten aus?

Deutschland
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (r) und sein Lebensgefährte trauen sich in Stuttgart. Doch eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren ist Homosexuellen in Deutschland verwehrt. Die seit 2001 bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft gibt homosexuellen Paaren in einigen Bereichen ähnliche Rechte wie Heterosexuellen, nicht jedoch bei der Steuer und der Adoption. Leibliche und angenommene Kinder eines Partners kann zwar der andere adoptieren, eine Adoption als Paar ist aber nicht möglich. Deutsche Politiker fordern jetzt, Deutschland solle nachziehen.

Frankreich
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Demonstrationen, die Erfolg brachten: Die Homo-Ehe ist in Frankreich seit Mai 2013 erlaubt. Zuvor galt die seit 1999 eingeführte Lebenspartnerschaft, die Gleichstellung in bestimmten Steuer- oder sozialen Fragen, nicht aber bei Erbschaften und Adoption gewährte.

Großbritannien
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England und Wales stimmten im Juli 2013 für die Einführung der Homo-Ehe, Schottland folgte im Februar 2014. Zuvor gab es eine „bürgerliche Partnerschaft“, die seit 2005 Gleichstellung bei Adoption, Erbschaft, Arbeit und Rente gewährte.

Belgien
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Homosexuelle Paare haben praktisch dieselben Rechte wie Heterosexuelle. Die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist dort seit 2003 erlaubt, die Adoption von Kindern seit 2006.

Spanien
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Die Homo-Ehe ist seit Juli 2005 eingeführt. Auch die Adoption durch homosexuelle Paare, ob verheiratet oder nicht, ist erlaubt.

Portugal
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In Portugal sind Homo-Ehen seit Juni 2010 erlaubt, Adoptionen durch Homosexuelle weiterhin unzulässig.

Aber ist das so einfach? Mächtige Gegner wollen nicht so einfach klein beigeben. Rund 100 evangelische Kirchenführer reagierten umgehend mit einer gemeinsamen Erklärung gegen das Urteil und lehnten es ab. Evangelische Gläubige stellen rund 25 Prozent der US-Bevölkerung.
Erzbischof Joseph E. Kurtz von der katholischen Bischofskonferenz in den USA warnt sogar unverhohlen vor einer auf Jahrzehnte unversöhnlich gespaltenen Gesellschaft: „Ebenso wenig wie die Legalisierung der Abtreibung durch das gleiche Gerichts vor 40 Jahren die Frage der Abtreibung geklärt hat, genau so wenig klärt dieses Urteil die Frage der Homo-Ehe. Keines der Urteile ist in Wahrheit begründet und darum werden beide wahrscheinlich scheitern. Es ist zutiefst unmoralisch und ungerecht, wenn eine Regierung erklärt, dass zwei Menschen des gleichen Geschlechts heiraten können.“

Auch 40 Jahre nach dem Urteil des obersten Gerichts ist die Abtreibung in den USA extrem umstritten, Proteste und gewalttätige Übergriffe durch Fundamentalisten auf Abtreibungskliniken, Ärzte und Schwestern nicht selten. Nicht nur in Südstaaten wie Alabama oder Tennessee sind Übergriffe auf Homosexuelle heute noch traurige Realität. In 18 Bundesstaaten ist es zudem noch möglich, Angestellte wegen ihrer sexuellen Orientierung zu entlassen.

Hauchdünner Vorsprung beim Urteil
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