Hochfrequenzhandel US-Bundesstaaten fordern Untersuchung

Der Turbo-Computerhandel an den Börsen weckt nun auch in den USA die Politiker auf. Die Bundesstaaten fordern eine Untersuchung des automatischen Handels. Dieser könne Privatanleger benachteiligen.
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Börse New York: Der Hochfrequenzhandel soll auch in den USA unter die Lupe kommen. Quelle: dpa

Börse New York: Der Hochfrequenzhandel soll auch in den USA unter die Lupe kommen.

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New YorkDie US-Bundesstaaten haben den Kongress zu einer Untersuchung des Turbo-Computerhandels an den Börsen aufgefordert. Der sogenannte Hochfrequenz-Handel - bei dem Computer selbsttätig binnen Sekundenbruchteilen Aktien kaufen oder verkaufen - könne Privatanleger benachteiligen, weil diese keinen Zugriff auf derartige Technologien hätten, erklärte der Verband der bundesstaatlichen Aufsichtsbehörden (NASAA) am Dienstag. "Hochfrequenzhandel untergräbt eindeutig das Vertrauen der Privatanleger", erklärte der Verband.

Wenn der Computer Millionen verzockt
NEW YORK STOCK EXCHANGE
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440 Millionen in 45 Minuten

Neu ist nicht immer besser. Die Börsenfirma Knight Capital verlor schnell die Freude an ihrer frisch installierten Software. In nur 45 Minuten bescherte die Software dem Börsenhändler einen Schaden von 440 Millionen US-Dollar. Das Programm kaufte und verkaufte fleißig verschiedene Aktien. Dabei kaufte der Computer zum Marktwert und verkaufte mit Rabatt. Pro Trade gingen zwar nur einige Cents verloren, doch der Computer war so schnell, dass bis zum Beheben des Fehlers 440 Millionen Dollar weg waren. Nur eine 400 Millionen Dollar schwere Finanzspritze einer Gruppe von Investoren sicherte letztlich das Überleben der Börsenfirma.

Zur Umfrage: Das Software-Beratungsunternehmen SQS fragte die eigenen Berater nach den größten Software-Pannen 2012 und veröffentlichte die Ergebnisse.

TRADER TAKES A REST
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Der Rohrkrepierer

Das Börsenunternehmen Bats blamierte sich 2012 selbst. Beim Börsengang floppte die handelseigene Software des Börsenbetreibers und konnte nicht einmal den Kurs der eigenen Aktie anzeigen. Nach einer Serie von technischen Pannen musste die drittgrößte US-Börse Bats Global Markets schließlich die Notbremse ziehen und sich am Tag ihres Marktdebüts wieder aus dem Handel verabschieden. Die Aktie stürzte vom Ausgabepreis von 16 Dollar auf weniger als einen Penny ab.

Facebooks Mobil-Offensive
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Größter Börsengang des Jahres wird größter Flopp

Der Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook war das Thema an der Börse 2012. Doch der Börsengang floppte. Nicht nur weil sich der Wert die Aktie innerhalb weniger Tage halbierte, sondern auch weil die Nasdaq Probleme beim ersten Kurs der Aktie hatte. Die Anzeige des ersten Kurses verzögerte sich um mehrere Minuten. Dabei gingen wohl viele Orders einfach im Nichts verloren. Die Panne betraf laut SQS nicht weniger als 30 Millionen Aktien.

Geburtstag am 29. Februar
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Peinliche Panne bei Microsoft

Der Cloud-Computing-Dienst „Azure“ von Microsoft hatte den 29.Februar schlicht und einfach vergessen. Der Dienst, der alle Daten von überall erreichbar machen soll, war zwölf Stunden lang nicht erreichbar. Microsoft entschuldigte sich für den Fehler, bei dem laut Microsoft keine Daten verloren gingen.

Wegen des zusätzlichen 29. Februar kam auch ein Bezahlsystem der australischen Krankenversicherungen zwei Tage lang zum Erliegen. 150.00 Patienten konnten die Bezahlfunktion ihrer Versichertenkarte nicht nutzen.

Illustration: Strompreis
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Kündigungsgebühren aus dem Nichts

Ein deutscher Energieversorger kassierte bei seinen Kunden zu Unrecht ab. Eine Software hatte nämlich bei 94.000 Kunden Kündigungsgebühren angerechnet, obwohl keine angefallen waren. Das Energieunternehmen musste insgesamt 1,7 Millionen Euro zurückzahlen.

TRADERS
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US-Regierung mit teurem Update

Teuer ist nicht gleich gut. Ein Update der Steuer-Software der USA, das 1,3 Milliarden Dollar gekostet hatte, brachte den Steuerbeamten jede Menge Sorgenfalten. Insbesondere bei der Steuererstattung machte die Software Ärger. 85 Prozent aller Erstattungen kamen zu spät an.

Ministerpraesidentenkonferenz in Berlin
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Glücksspiel-Millionen einfach weg

Wie gewonnen, so zerronnen. Bei einem Online-Glücksspiel hatte ein Nutzer eine Million Dollar gewonnen. Als er seinen Gewinn einlösen wollte, bekam er allerdings deutlich weniger ausgezahlt und ging, nachdem er geklagt hatte, fast leer aus. Der Grund: Der Computer hatte einen zu hohen Gewinn angezeigt. Dieser Fall war jedoch durch die AGB der Plattform abgedeckt, weshalb der Nutzer vor Gericht verlor.

In den USA gehen mittlerweile etwa 70 Prozent der Börsenumsätze auf die Turbo-Händler zurück. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen ins Visier des Gesetzgebers gekommen. So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten "Flash Crash" im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handels-Auftrag, dessen Effekte die Computer verstärkten.

  • rtr
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