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Höchste Alarmstufe verhängt Erster Corona-Verdachtsfall in Nordkorea: Kim riegelt Grenzstadt Kaesong komplett ab

Ein ehemaliger Überläufer soll über Südkorea zurückgekehrt sein und möglicherweise das Virus eingeschleppt haben. Für 300.000 Menschen gilt eine Ausgangssperre.
26.07.2020 - 11:46 Uhr Kommentieren
Die fünftgrößte Stadt Nordkoreas wurde komplett abgeriegelt. Quelle: AP
Kaesong

Die fünftgrößte Stadt Nordkoreas wurde komplett abgeriegelt.

(Foto: AP)

Wegen eines ersten offiziellen Corona-Verdachtsfalls im Land hat Nordkorea aus Furcht vor einer Katastrophe eine Großstadt komplett abgeriegelt. Trotz strengster epidemiologischer Abwehrmaßnahmen in den vergangenen sechs Monaten „könnte das bösartige Virus in das Land eingeschleppt worden sein“, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Für die Region um die Grenzstadt Kaesong sei der Notstand verhängt worden. Die kommunistische Führung rief die höchste Alarmstufe aus.

Sollte sich der Verdachtsfall bestätigen, wäre es der erste offizielle Infektionsfall mit Sars-CoV-2 in dem abgeschotteten Land. Nordkorea hatte bisher nach eigenen Angaben keine einzige Infektion registriert und seine Abwehrmaßnahmen als „leuchtenden Erfolg“ beschrieben. Die Angaben wurden im Ausland bezweifelt.

Die Krankheitssymptome wurden den Berichten zufolge bei einem „Ausreißer“ festgestellt, der am 19. Juli illegal die militärische Demarkationslinie zwischen Süd- und Nordkorea überquert habe. Die Person habe sich vor drei Jahren nach Südkorea abgesetzt und sei jetzt über die Grenze zurückgekehrt.

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    Für die Grenzüberschreitung innerhalb der vier Kilometer breiten und größtenteils noch verminten militärische Pufferzone gab es aus Südkorea zunächst keine Bestätigung.

    Südkoreas Militär hält illegalen Grenzübertritt für möglich

    Mehr als 33 000 Nordkoreaner sind in den vergangenen 20 Jahren in den Süden geflohen, die meisten von ihnen über die durchlässige Grenze nach China. Dass ein nordkoreanischer Überläufer zurückkehrt und dann auch noch über die verminte Grenze zwischen den Koreas ist mehr als ungewöhnlich.

    Südkoreas Militär räumte aber nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap die Möglichkeit eines illegalen Grenzübertritts nach Nordkorea als hoch ein. Es werden Videoaufnahmen von der Grenze untersucht. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf eine Einzelperson, die die Grenze möglicherweise überschritten habe, hieß es.

    Indem ein geflüchteter Nordkoreaner aus dem Süden für die Einschleppung des Virus verantwortlich gemacht wird, wolle die Führung in Pjöngjang vermutlich Südkorea die Schuld zuschieben, sagte Leif-Eric Easley von der Universität Ewha in Seoul. Experte Cheong Seong Chang vom Sejong-Institut in Südkorea sagte hingegen, er glaube nicht, dass die Geschichte vom Überläufer erfunden sei.

    Nordkorea rief eigenen Angaben zufolge am Samstag wegen des Verdachtsfalls ein Dringlichkeitstreffen des Politbüros der Arbeiterpartei unter Vorsitz von Machthaber Kim Jong Un ein. Die „gefährliche Situation in Kaesong könnte eine tödliche und zerstörerische Katastrophe auslösen“.

    Kim habe bereits am Freitag als vorbeugende Maßnahme angeordnet, „Kaesong vollständig zu blockieren und jeden Bezirk und die Region von anderen zu isolieren“, hieß es weiter. Die betroffene Person sowie alle Menschen in Kaesong, die mit ihr Kontakt gehabt hätten, seien unter Quarantäne gestellt worden.

    Die zentrale Militärkommission der Partei soll demnach den „Ausreißerfall“ sowie das Verhalten der verantwortlichen Militäreinheit untersuchen und gegebenenfalls harte Strafe verhängen. In Kaesong leben nach Schätzungen etwa 300 000 Menschen.

    Bei einem Krisentreffen des Politbüros am Samstag wurde dem Bericht zufolge auch über die laxe Bewachung der Grenze gesprochen, die den Grenzübertritt der mutmaßlich infizierten Person überhaupt erst möglich gemacht habe. Man ziehe eine harte Bestrafung der Verantwortlichen in Erwägung, hieß es.

    Mehr: Nordkorea – Innenansichten einer Diktatur

    • dpa
    • ap
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