Hoher Finanzbedarf in Griechenland Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst

Athen lechzt nach neuen Hilfs-Milliarden: Der Staat braucht Geld für den Schuldendienst, die Banken sind durch die Kapitalflucht in Schieflage. Damit der Rettungsplan aufgeht, darf bei den Reformen nichts schief gehen.
Update: 13.08.2015 - 18:36 Uhr 16 Kommentare
Er will die Reformen vorantreiben, um das dritte Hilfspaket genehmigt zu bekommen: Alexis Tsipras. Quelle: Reuters
Alexis Tsipras

Er will die Reformen vorantreiben, um das dritte Hilfspaket genehmigt zu bekommen: Alexis Tsipras.

(Foto: Reuters)

Auf ein Reformprogramm haben sich Griechenland und die Gläubiger-Institutionen geeinigt. Jetzt geht es ums Geld: 86 Milliarden Euro braucht Griechenland nach den Berechnungen von IWF, EZB, EU-Kommission und Euro-Rettungsschirm ESM in den nächsten drei Jahren. Überraschend: 41 Milliarden Euro von dieser Summe sollen schon bis Ende Oktober 2015 ausgezahlt werden, verlangen die Institutionen.

Die Banken, geschwächt durch die Kapitalflucht in diesem Jahr, bräuchten 25 Milliarden Euro, damit sie wieder Kredite an Unternehmen ausleihen und den Zahlungsverkehr in Griechenland in Gang bringen können. Der Staat braucht zusätzlich 16 Milliarden Euro für den Schuldendienst und um seine Kassen für laufende Zahlungen zu stabilisieren.

Die hohe Anfangszahlung stößt bisher im Bundesfinanzministerium und in der Unionsfraktion auf Widerstand. Die Institutionen schlagen deshalb vor, sie in drei Monatstranchen zu stückeln und die Auszahlung an die Umsetzung des Reformprogramms zu koppeln. An die Banken müssten aber sofort zehn Milliarden Euro fließen, und weitere drei Milliarden an den Staat für seinen Schuldendienst.

Über die dreijährige Laufzeit des neuen Hilfsprogramms muss Griechenland eine erhebliche Summe in den Schuldendienst stecken: 54,1 Milliarden Euro müssen finanziert werden, heißt es in dem Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. Die 86 Milliarden Euro reichen nach der Analyse auch nur dann aus, wenn Griechenland in den drei Jahren 6,2 Milliarden Euro aus Privatisierungen einnimmt und ab kommendem Jahr wieder Primärüberschüsse (abzüglich Schuldendienst) im Haushalt erwirtschaftet.

Dass der Bedarf im Vergleich zu den Erwartungen Ende vergangenen Jahres erheblich gestiegen ist, hat großteils die Syriza-Regierung zu verantworten: Ihre Verhandlungsführung mit den übrigen Euro-Staaten hat die Kapitalflucht überhaupt erst in Gang gesetzt und die Banken in Schieflage gebracht.

Die Kapitalverkehrskontrollen und die Unsicherheit während der Grexit-Debatte führen nach den Erwartungen der Gläubiger-Institutionen zu einer erneuten Rezession: Die Wirtschaft werde in diesem Jahr um 2,3 Prozent und 2016 um weitere 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schrumpfen, bevor ab 2017 mit dann 2,7 Prozent fast ein Boom einsetzen soll.

Im Primärhaushalt erwarten die Institutionen deshalb dieses Jahr ein Defizit von einem Viertelprozent des BIP, im nächsten Jahr soll das Land aber trotz Rezession einen Primärüberschuss von 1,7 Prozent erzielen: Das erfordert von der griechischen Regierung hartes Sparen. Die Gläubiger erwarten allerdings auch, dass durch die Steuererhöhungen und gezieltes Vorgehen gegen Steuerhinterzieher die Staatseinnahmen steigen werden.

Schuldentragfähigkeitsanalyse liegt nun vor
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "Hoher Finanzbedarf in Griechenland: Tsipras braucht 41 Milliarden schon diesen Herbst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der hohe Anfangsbedarf erstaunt mich schon sehr. 16 Mrd für die ersten drei Monate, mach 5 Mrd. pro Monat. Damit habe ich nicht gerechnet, weil die Griechen das anders gemeldet hatten. Wenn es dann aber in Summe aufgeht ist alles in Ordnung und wir helfen den Griechen genauso gerne wie jedem Weltbürger, der sich von Deutschland mehr Wohlstand verspricht als von der Arbeit im und am eigenen Land. Wo und warum auch immer.

    Frei nach Archimedes geht die Rechnung der EU also auf:

    5 Mrd. x 12 Monate x 3 Jahre = maximal 81 Mrd. € (genaugenommen sind es also nur 75 Mrd. - 5 Mrd. x (12+3) = 75.

    Die übrigen 6 Mrd. sollen die Griechen einfach anderweitig verprassen um sich für den Kampf ums Vierte Hilfspaket zu stärken.

  • Dann soll er mal zusehen woher er die bekommt. Vielleicht von den gerade wieder eingestellten Beamten?
    "Der Staat braucht Geld für den Schuldendienst",

  • Wer stoppt Merkel und die 600 Abnicker im Bundestag? Wann wacht der Nichtwähler auf? Nur dann ist es möglich die Diktatur des zur Volkskammer verkommenen Bundestages zu brechen.

  • Neue "Hilfs"-Milliarden in Griechenland verbrennen lassen? Merkel und Konsorten werden das schon hinkriegen, "Europa" und die EU sind adäquate Umverteilungsmechanismen, frei nach dem Motto "Maastricht, c´est Versailles sans guerre". Paris jauchzt, der deutsche Michel zahlt wieder mal die Hauptbatzen. Heute Griechenland, morgen Italien, übermorgen Frankreich, der deutsche Michel zahlt immer.

  • "Damit der Rettungsplan aufgeht, darf bei den Reformen nichts schief gehen."

    Und wenn doch etwas schief geht, werden dann die Hilfsgeldzahlungen eingestellt und GR geht pleite?

  • ... bevor ab 2017 mit dann 2,7 Prozent fast ein Boom einsetzen soll.

    Warum nicht 4,7 Prozent? Das wäre nicht fast, sondern ein echter Boom! Und 2018 wäre der absolute Kracher mit 6 Prozent! Ganz sicher.
    Die Wirtschaft brummt dann so gewaltig, daß blühende Landschaften erwartet werden. Es wird sich zeigen, daß GR immer auf einem guten Weg war.

  • Von Winston Churchill stammt das Zitat, wonach er die Demokratie für die schlechteste aller Regierungsformen halte, abgesehen von den Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.
    Dieses aus einer Unterhausrede im Jahr 1947 stammende Zitat passt geradezu ideal auf die Verhältnisse in Griechenland. Da ein großer Teil der Syriza ihrer eigenen Regierung die Zustimmung versagt ist mit baldigen Neuwahlen in Griechenland zu rechnen. Nahezu alle Parteien, die den Reformauflagen gegen neue Finanzhilfen im Parlament zugestimmt haben, geißeln diese zugleich unter dem Beifall der Bevölkerung. Nach den Neuwahlen ist dann damit zu rechnen, daß die neue Regierung eine Neuverhandlung der Reformauflagen verlangt, zumal die Gelder dann bereits nach Athen geflossen sind. Griechenland kann sich nicht nur als Wiege der Demokratie betrachten, sondern sich zudem als Erfinder der Demokratie auf Kosten Dritter feiern lassen. Das hätte selbst Churchill überrascht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @ Herr Paul Oberste
    Sie irren. Fakelaki klappt noch immer wunderbar. Solange Sie für irgend etwas eine Behörde brauchen oder mal krank werden und ins Krankenhaus müssen o.ä. - solange wird es auch Fakelaki geben. Jedenfalls hier in GR.

  • Der liebe Junge, Tsipras, braucht bis Herbst 41 Mrd. Ich brauche auch so an die 3 Mio., hat sogar Zeit bis Weihnachten.
    Wie bescheuert sind ALLE EU-Politiker, daß aus Systemrelevanz solche Auswüchse, als normal und sinnvoll angepriesen werden. Es gibt KEINE Rechtfertigung für eine Pro-Argumentation. Keine Süd-Ost-Flanke und/oder EU-Zusammenhalt kann so etwas rechtfertigen. Wer stoppt diese Wahnsinnigen?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%