Hungerkatastrophe Das Geschäft der Helfer

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Bevölkerungsexplosion schürt die Not

Bei der Suche nach der Ursache für die Hungersnot wird ein weiterer zentraler Grund weitgehend ausgeblendet: die extreme Bevölkerungszunahme in Afrika. Dies gilt insbesondere für die Trockenregion am Horn des Kontinents. Die Ignoranz verwundert umso mehr, als die Zahl der Menschen dort bereits bei der letzten großen Hungersnot in den achtziger Jahren als viel zu hoch galt. Doch geschehen ist seitdem nichts. Im Gegenteil: In Kenia und Äthiopien hat sich die Bevölkerungszahl seit 1990 auf 40 und 90 Millionen fast verdoppelt! Und selbst in Somalia ist sie um ein knappes Drittel gestiegen.

Dabei ist seit langem klar, dass alle nun vom Hunger betroffenen Länder ihre Bevölkerung auf Dauer nicht mehr eigenständig versorgen können - und die nächste Hungersnot deshalb programmiert ist. Doch statt deshalb endlich die Familienplanung in den Vordergrund zu rücken, bohren die Helfer oft Brunnen oder verteilen Lebensmittel (was häufig weitere Nomaden anlockt und zu Überweidung führt).

Was möglich wäre, zeigt Kuba, das dank der dort frühzeitig forcierten Familienplanung eine ausgeglichene Bevölkerungsstruktur hat - fast ohne jede westliche Entwicklungshilfe. Anders als fast alle Staaten in Afrika hat Kuba in sein Schul- und Gesundheitswesen investiert. Nur durch die Afrika zugedachte Opferrolle ist schließlich auch zu erklären, dass sich bislang kaum jemand im Westen über die völlig fehlende Solidarität anderer afrikanischer Staaten mit den Opfern der Hungersnot empört.

Während sich Südafrikas Präsident Jacob Zuma zuletzt mächtig über die Bombardierung seines Freundes Muammar el Gaddafi echauffiert hat, schweigt Zuma zur Lage am Horn von Afrika - und lässt den Westen dort die Arbeit tun. Als einziger Industriestaat des Kontinents hat Südafrika bislang ganze 100 000 Euro zur Linderung der Not seiner afrikanischen Brüder und Schwestern in Ostafrika gespendet - weniger, als der neue Dienstwagen des (kommunistischen) Erziehungsministers am Kap kostet. Sehen so "afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme" aus, wie sie die Afrikanische Union seit langem lautstark verlangt?

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8 Kommentare zu "Hungerkatastrophe: Die Helfer helfen zuerst sich selbst"

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  • Es gibt leider sehr wenige Artikel welche das Aufzeigen der Problematik auf den Punkt bringen. Dies ist einer der eher wenigen welche die Problematik aufzeicgen. Leider gibt es auf der anderen Seite keine "Vereinigung" welche derzeit positive Arbeit im EZA-Bereich praktiziert und bekannt ist.
    Fehleranalysen wie diese, aber auch der Hinweiß auf gute praktische Arbeit wären noch eine Webseite wert.

    Gerhard Karpiniec
    Laxenburg/Österreich

  • Leider versteht es der Autor dieses Artikels nicht die Themenkomplexe "Not- & Katastrophenhilfe" und "Entwicklungszusammenarbeit" in Beziehung zu setzen. Letztere heißt auch aus gutem Grund nicht mehr Entwicklungshilfe, da sie partnerschaftlich und auf Augenhöhe stattfinden soll, anstatt Marktzerstörende Almosen abzuwerfen. Dieser Teufel wird in diesem Kontext immer wieder an die Wand gemalt, entspricht jedoch nur bedingt der heutigen Realität. Es gibt sicherlich schwarze Schafe bei den Organisationen und Fachkräften, aber diese als den Standard der Entwicklungszusammenarbeit darzustellen ist ein Schlag ins Gesicht jedes einzelnen Forschers und Praktikers, der sich differenziert mit nachhaltigen Konzepten und Projekten auseinandersetzt. Hierbei spielen die Themen Korruption, Staatswesen, Demographie und viele weitere EInzelaspekte übrigens große Rollen.

    Allen Helfern einen reinen Selbstzweck zu unterstellen ist schlichtweg unverschämt.

  • Eine auf den Punkt gebrachte Analyse. Warum geht es Afrika so schlecht?
    Für Interessierte empfehle ich Ach Afrika von B. Grill zur Lektüre.
    Im Übrigen gilt: Wer einmal in Afrika war, kehrt immer wieder!

  • Passend zum Thema: http://newz.cc/?p=5

  • @ Ron777,
    es sei z.B. an die hiesigen Altkleidersammlungen erinnert, die in Afrika eine sich gerade im Aufbau befindliche eigene Bekeidungsindustrie wieder vernichtet hat.
    So kann "Guter Wille" definitiv sogar schaden.

  • Ja wenn das denn so wäre! Bei jeder Hilfsorganisation gehen idR zwischen 70 und 80% der Spendengelder für die Adminsistration drauf! Vom Rest fließt dann vermutlich noch eine ganze Menge korrupten Staatsbeamten zu. Und von dem was dann übrig bleibt, bekommen die Betroffenen dann in etwa die Hälfte. Von der ganzen Betroffenheitsindustrie profitieren viele, die wirklich Betroffenen jedoch am allerwenigsten!

  • Gut gemeint ist eben selten gut gemacht. Die diversen Hilfsaktionen für Afrika haben in der Mehrzahl eines bewirkt - die Not in den Ländern langfristig zu verschlimmern. Das ist eine harte Erkenntnis, die viele nicht wahrhaben wollen, die verhundernde Menschen nicht mehr ertragen mögen. Doch die Wahrheit ist: klassische Hilsaktionen destabilisieren oft den einheimischen Nahrungsmittelmarkt, schaffen langfristige Abhängigkeiten, führen zu unmündigen Gesellschaften, Korruption und inneren Verteilungskonfliken. Nein, auch ich habe keinen Königsweg, den man stattdessen beschreiten sollte, doch der hungernde somalische Bauer, angelockt von dem Essen der Flüchtlingscamps in Kenia, wird alles tun, nur nicht eins - das Getreide für sich und sein Dorf für das nächste Jahr anbauen. Stattdessen wird sich im Flüchtlingscamp seine Familie um weitere Kinder vergrößern, die keine Zukunft haben und Gefahr laufen, bei der nächsten Dürre elendig zu verhungern.

  • Gibt es wirklich einen Interessierten, der nicht weis, dass grundsätzlich die Hälfte der Zuwendungen / Spenden / Hilfen für Schmiergelder ausgegeben werden müssen. Auf diese Weise kommt jedoch zumindest die Hälfte an; sonst gäbe es doch überhaupt keine Hilfe.

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